Eurosport - So 11.Mai. 17:25:00 2008
Ein besonderer Moment für Tim Borowski: 42.000 Zuschauer erhoben sich für ihn und skandierten seinen Namen bei seinem letzten Auftritt im Bremer Weserstadion. Ein Tor konnte er zum 6:1-Sieg gegen Hannover 96 dann auch noch beisteuern.
Es war noch eine Viertelstunde zu spielen, als an der Außenlinie die Nummer 24 auf der Auswechseltafel aufblinkte. Tim Borowski setzte sich in Bewegung, da erhoben sich die 42.000 Zuschauer im Weserstadion von ihren Plätzen. Sie applaudierten, riefen immer wieder frenetisch seinen Namen.
Auch seine Teamkameraden hatten sich ihm auf dem Feld zugewandt und jeder einzelne von ihnen klatschte ihm anerkennend zu. Es war Borowskis letzter Auftritt im heimischen Stadion und wann hatte es wohl zuletzt eine derartige Verabschiedung für einen Spieler gegeben, der die Hansestadt in Richtung München verlässt.
Keine Tränen, aber Gänsehaut
Borowski bedankte sich. Weinen wollte er nicht, das hatte er sich vorgenommen, und er tat es auch nicht. Doch Gänsehaut hatte er. "Das war bemerkenswert und hat mich tief beeindruckt. Einfach nur schön", sagte er später. Die Sprechchöre schallten immer noch, die Laola-Welle rollte, als er sich auf den Weg zur Kabine machte. Vieles mag ihm auf diesen Metern durch den Kopf gegangen sein, vieles, was er während der zwölf Jahre bei Werder Bremen erlebt hatte.
Das Double im Jahr 2004 wohlmöglich oder auch seine durchwachsene Phase nach der WM 2006, die im Grunde bis vor wenigen Wochen angedauert hatte. Vielleicht dachte er auch an den bittersten Moment im Dezember, als er diesen Weg zur Kabine auch entlang geschritten war. Damals hatte ihn Trainer Thomas Schaaf in der Partie gegen Bayer Leverkusen bereits nach 30 Minuten vom Feld genommen. Und vielleicht war es gerade jener Moment, der ihn besonders darin bestärkt hatte, das Angebot des FC Bayern anzunehmen.
Versöhnlicher Abschied für Borowski
Die atmosphärischen Störungen hatten sich gegeben, sicherlich auch, da Borowski noch rechtzeitig verstanden hatte, wie wichtig ein positiver Schlussstrich für ihn sein kann. Irgendwo im entfernten München mag sich Miroslav Klose beim Anblick der Bilder aus Bremen wohl schmerzlich erinnert fühlen, wie er sich selbst um einen solchen Abschied gebracht hatte.
Und so mancher Bremer Spieler, der sich mit Wechselabsichten trägt, hat aus Kloses Spießrutenlauf gelernt und wünscht sich einen ebensolchen Abgang, wie ihn Borowski hatte. Krönen durfte dieser seinen letzten Auftritt noch mit dem Tor zum 3:0, zwei Minuten vor seiner Auswechslung. "Es war ein tolles Spiel und ein schöner Moment für mich, dass ich noch getroffen habe. Beide Seiten haben sich sehr gut voneinander verabschiedet", sagte Borowski.
"Erstklassig" hätten sie sich präsentiert, befand Abwehrchef Per Mertesacker sogar und die starke Leistung gegen seine ehemaligen Teamkollegen aus Hannover machte den Bremern Mut, die direkte Qualifikation für die Champions League am letzten Spieltag noch zu schaffen. Ein Punkt gegen Leverkusen würde dazu genügen. "Wir spielen sicher nicht auf Remis, das wird eine schwere Partie. Aber wir haben eine gute Phase und die wollen wir nutzen", kündigte Mertesacker an und wie sich der berüchtigte Bremer Offensivfußball anfühlen kann, bekam Hannover 96 deutlich zu spüren.
Wiese erneut im Fokus
Dass sie noch rechnerisch eine Chance auf den internationalen Wettbewerb hatten, daran schienen die Niedersachsen selbst nicht recht zu glauben. Sie lagen schnell mit 0:2 hinten und stellten die Gegenwehr danach komplett ein. Böse Zungen behaupteten, sie würden den Bremern den Einzug in die Königsklasse gerne ermöglichen, da Hannover dann noch 500.000 Euro für den Mertesacker-Transfer von Werder Bremen bekämen.
Den Gastgebern blieb beim souveränen Auftritt dagegen noch Zeit, sich über die Auswahl des Elfmeterschützen beim Stand von 3:0 zu streiten. Die Fans forderten Torhüter Tim Wiese und dieser bewegte sich willig zum gegnerischen Strafraum - wurde allerdings von Torsten Frings lautstark zurückgepfiffen.
"Für mich ist das eine Unsportlichkeit. Den Torhüter nach vorne zu schicken, wenn man so deutlich führt, das gibt's hier nicht", sagte Frings energisch, der für seinen Kollegen Borowski aber weit wärmere Töne fand, als dieser den Platz verließ: "Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn vermissen werden. Er hat sich so einen Abschied verdient." Für eine endgültige Verabschiedung sei es ihm aber noch zu früh: "Tim wird am Samstag mit uns noch alles dafür geben, dass wir Zweiter werden."
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