Champions League - THW Kiel "leider ohne Freude"

Eurosport - Di 13.Mai. 08:16:00 2008

HANDBALL 2007/2008 Champions League Kiel Ciudad Karabatic Ahlm Parrondo - 0

Der Erfolg der Spanier, die ohne die verletzten Leistungsträger Siarhei Rutenka (Rückraum links) und David Davis (Linksaußen) antreten mussten, war hochverdient. Mit einer massiven 5:1-Deckung stellte Ciudad den Kieler Angriff vor erhebliche Probleme.

Dazu entschied sich Dujshebaev, eigens für den im Hinspiel überragenden Nikola Karabatic einen Mann abzustellen. So wurde Jonas Källman zum dauerhaften Schatten des THW-Halblinken. Die Taktik ging auf, und wenn der THW die spanische Wand doch einmal durchbrach, war oft genug Weltklasse-Schlussmann Arpad Sterbik zur Stelle.

"Stolz auf meine Jungs"

Der Serbe brachte es auf 22 Paraden, seine Gegenüber Thierry Omeyer und Mattias Andersson kamen zusammen auf 15. Ciudad zeigte das, was ansonsten auch den THW auszeichnet - eine geschlossene Weltklasse-Leistung des gesamten Teams.

"Wir haben eine sehr starke Partie gespielt. Letzte Woche hatten wir nie dieses Niveau erreicht, diesmal durchgängig von der ersten Minute an", erklärte Rückraum-Ass Alberto Entrerrios. Mit dem erneuten Triumph in Europas Königsklasse nach 2006 feierte Ciudad Real in dieser Saison das Triple aus Champions League, Meisterschaft und nationalem Pokal. "Ich bin sehr stolz auf meine Jungs", betonte Dujshebaev, bevor er und seine Mannschaft die Heimreise nach Spanien antraten, wo das Team sich auf einen begeisterten Empfang freuen darf.

Serdarusic hatte gewarnt

Und die Kieler? Enttäuschung ja, Verzweiflung nein. Die Fans feierten ihre Mannschaft trotz der Niederlage mit THW-Sprechchören. Allen war klar, dass die "Zebras" trotz der schmerzhaften Niederlage wieder eine famose Saison abgeliefert haben. Genau so sah es auch Coach Noka Serdarusic: "Ich werde meine Jungs nicht kritisieren, jeder von ihnen hat alles gegeben", erklärte der 57-Jährige, der die Klasse des Gegners anerkannte: "Ich gratuliere Ciudad Real zum Sieg und zum Gewinn des Champions-League-Pokals."

Serdarusic hatte bereits nach dem Hinspiel-Sieg (29:27) unterstrichen, dass die Spanier in der Lage sind, eine Klasse besser zu spielen. "Ich wusste und warnte meine Spieler davor, dass es hier ganz ganz schwer werden würde. Diese zwei Tore Vorsprung waren eine Riesenbelastung. Mir ist es vor dem Spiel leider nicht gelungen, die Spieler aufzulockern. Wir hatten zu viele verlorene Bälle, zu viele technische Fehler, die Ciudad Real heute konsequent bestraft hat", analysierte der Trainer.

Handgemenge kurz vor Schluss

Eine unschöne Szene gab es kurz vor dem Schlusspfiff, als Christian Zeitz und Entrerrios nach einem Zweikampf aneinandergerieten. Zeitz hatte den spanischen Nationalspieler nach der Aktion noch einmal zu Boden gedrückt, danach kam es zur Rudelbildung und selbst ein paar Zuschauer aus der ersten Reihe waren in das Handgemenge involviert.

Serdarusic brachte aufgrund der besonderen Situation zwar Verständnis für seinen Spieler auf, bezeichnete das Verhalten aber als "absolute Dummheit". Als "Resultat des sehr intensiven Spiels" bezeichnete Entrerrios den Vorfall, der "zwar ein schwarzer Fleck" auf der fairen Begegnung sei, aber "nun auch schon wieder Vergangenheit" wäre. Die Schiedsrichter Darko Repensek und Janko Pozeznik ahndeten die Aktion mit Roten Karten für Zeitz sowie die Ciudad-Akteure Didier Dinart und Ales Pajovic.

"Als würden sie zu einer Beerdigung gehen"

Die Kieler Profis, eigentlich erfahren im Umgang mit Spielen dieser Größenordnung, kamen mit dem Riesendruck überraschenderweise nicht klar: "Man hat gesehen, wie sehr die Mannschaft unter Druck stand. Ihre Gesichter waren so, als würden sie zu einer Beerdigung gehen. Meine Spieler haben zwar mit Herz und Überzeugung gespielt, aber leider nicht mit Freude", befand Serdarusic.

Doch der THW Kiel wäre nicht der THW Kiel, wenn der Fokus nicht bereits auf dem Gewinn des nächsten Titels läge. Zwei Spieltage vor Schluss führen die Norddeutschen die Bundesliga mit drei Punkten Vorsprung an. Nach dem verlorenen Finale gegen Ciudad Real forderte der Verein auf seiner Homepage umgehend: "Zebras, jetzt holt euch die Meisterschaft!"

Tobias Laure / Eurosport

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