Eurosport - Do 15.Mai. 16:49:00 2008
Martin Demichelis hat in der Bayern-Abwehr eine herausragende Saison gespielt. eurosport.yahoo.de-Redakteur Thomas Janz hat den Argentinier an der Säbener Straße getroffen. "Micho" verrät im ersten Teil des Exklusiv-Interviews unter anderem, warum er die Kapitänsrolle von Oliver Kahn annehmen würde.
Der FC Bayern hat das Double geholt und das Halbfinale im UEFA-Cup erreicht. Wie sieht Ihre persönliche Saisonbilanz aus?
Martin Demichelis: Ich bin natürlich mehr als zufrieden, da ich erfüllen konnte, was ich erhofft hatte: Von Anfang an und bis zum Ende in der Innenverteidigung zu spielen. Ich denke, dass ich meinen Job auf hohem Niveau ausgeführt habe. Das erlaubt mir heute, am Ende der Saison, glücklich und zufrieden zu sein.
Wie erklären Sie sich Ihre persönliche Leistungsexplosion?
Demichelis: Ich habe erreicht, was ich wollte. Denn ich war davon überzeugt, wenn ich hinten in der Verteidigung spiele, würde ich wesentlich konstantere und bessere Leistungen zeigen können als auf der Position im defensiven Mittelfeld, die nicht auf mich zugeschnitten war. Kurz gesagt: Ich habe wirklich meine Position gefunden.
Das heißt, Sie wollen in Zukunft nicht mehr im defensiven Mittelfeld spielen, auch im nächsten Jahr?
Demichelis: Darüber wird nicht erst seit gestern diskutiert. Aber ich habe die Entscheidung schon vor langer Zeit getroffen. Dieses Thema ist nicht erst vor dem Spiel gegen Duisburg entschieden worden. Ich bin zum FC Bayern gekommen, um in der Abwehr zu spielen. Dennoch musste ich im ersten Jahr einen Platz in der Mannschaft finden und deswegen habe ich im Mittelfeld gespielt. Aber die Entscheidung ist schon vor langer Zeit gefallen und ich bin schon überzeugt, dass ich nicht mehr im Mittelfeld spielen werde.
Demnach würden Sie auch zum neuen Trainer Jürgen Klinsmann sagen: "Ich spiele nur auf der Position in der Innenverteidigung?"
Demichelis: Nein, nicht ausschließlich. Ich bin kein arroganter, problematischer Spieler. Ich habe hier im Mittelfeld gespielt, manchmal auf der linken- und der rechten Seite. In Argentinien bin ich einmal acht Minuten im Tor gestanden. Wenn ich helfen kann, bin ich dazu bereit. Aber das Hauptthema ist doch, dass ich Abwehrspieler bin. Deshalb möchte ich auf meiner Position spielen.
Neben Ihrer Zweikampfstärke haben Sie sich vor allem technisch enorm verbessert, sind auch schneller und spritziger geworden. Haben Sie das in dieser Saison speziell trainiert?
Demichelis: Nein. Ich fühle mich in der Innenverteidigung einfach viel wohler und meine Stärken besser zum Vorschein bringen. Ich glaube, dass ich von hinten mit dem Ball mit einer anderen Geschwindigkeit durchstarten kann. Ich habe das Spielfeld immer vor mir und das gibt mir viel mehr Ruhe. Ich bin ein Kämpfer und meine Leidenschaft sind die Zweikämpfe, in denen ich meine Aggressivität zeigen kann. Trainiert habe ich jedoch genau wie alle anderen auch.
Sie haben in dieser Saison genauso gut gespielt wie Luca Toni und Franck Ribery. Im Gegensatz zu Ihnen werden die beiden gefeiert, weil Sie Tore schießen oder Ballkünstler sind - ist das nicht unfair?
Demichelis: Ich werde auch feiern, wenn wir dieses Wochenende im letzten Spiel gegen Berlin den Rekord als beste Abwehr in der Geschichte der Bundesliga aufstellen. Das ist für mich ein persönliches Fest. Ich bin sehr zufrieden, wenn wir keine Gegentore kassieren.
Paul Breitner hat Sie als Nachfolger von Oliver Kahn als Kapitän vorgeschlagen. Sehen Sie sich jetzt schon als Führungspersönlichkeit, die der Mannschaft auf dem Platz die nötigen Impulse geben kann?
Demichelis: Ich identifiziere mich sehr mit dem Verein. Ich bin seit fünf Jahren in München und bin in einem guten Alter. Ich gehöre inzwischen zur älteren Generation, rede gerne und führe gerne, jedoch immer im positiven Sinn des Wortes. Klar macht es mich stolz, dass ich vorgeschlagen wurde. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich diese Rolle in Zukunft einnehmen könnte.
Das Gespräch führte Thomas Janz / Eurosport