Giro d'Italia - Ricco zum Zweiten

Eurosport - Sa 17.Mai. 19:59:00 2008

Im Schlussanstieg nach Tivoli hatte Riccardo Ricco (Saunier Duval) den stärksten Antritt und sprintete auf der 8. Etappe zu seinem zweiten Tagessieg beim 91. Giro d'Italia vor Paolo Bettini (Quick Step) und Davide Rebellin (Gerolsteiner). Das Rosa Trikot verteidigte Giovanni Visconti (Quick Step).

CYCLING 2008 Giro d'Italia Riccò Rebellin Bettini - 0

Wie schon am Vortag war es Danilo Di Luca, der mit einem mächtigen Antritt auf der bis zu neun Prozent steilen Zielgeraden den Sprint eröffnete. Zuvor hatte sich "il lupo" aus fast aussichtsloser Position in die Spitzengruppe zurückgekämpft und war sofort aus dem Sattel gegangen. Doch der Antritt des Titelverteidigers kam zu früh. Ricco, Bettini und Rebellin rasten gefolgt von Franco Pellizotti (Liquigas) und Daniele Pietropolli (LPR) an dem 32-Jährigen vorbei. Ricco unterstrich mit dem Sieg einmal mehr seine glänzende Form. Bereits auf der zweiten Etappe nach Agrigento hatte die "Kobra" an einem ähnlichen Schlussanstieg zugeschlagen und eine Zeitgutschrift von 20 Sekunden erbeutet, die sich für den durchschnittlichen Zeitfahrer noch als wertvoll erweisen könnten. Bereits am Dienstag steht in Urbino der erste Kampf gegen die Uhr an. "Der Sieg ist wichtig. Noch wichtiger ist allerdings der Zeitbonus", sagte Ricco im Ziel.

Ruß veliert weiter an Boden

Eine weitere Parallele zu der Zielankunft in Agrigento war der dritte Platz von Davide Rebellin. Auch in Tivoli konnte der Gerolsteiner-Profi nicht mit dem starken Antritt von Ricco mithalten. Dennoch bleibt das deutsche Team guten Mutes. "Wir wollen weiter eine Etappe gewinnen", forderte Sportdirektor Christian Henn, der seinen Spitzenfahrer nach dem Rennen lobte: "Wir waren dank Davide wieder vorne dabei. Er hat uns in der Spitze erneut bestens vertreten." Matthias Ruß, ebenfalls Gerolsteiner, konnte dagegen erneut nicht mit seinem Kontrahenten Giovanni Visconti im Kampf um das Rosa Trikot mithalten. Gegenüber dem Sizilianer velor der Deutsche weitere 25 Sekunden.

Anders als bei der Bergankunft in Pescocostanzo, als er die entscheidende Attacke verpasst hatte, war Andreas Klöden in der Schlussphase in der Favoritengruppe vertreten. Auch sein Astana-Teamkollege Alberto Contador behauptete sich in der entscheidenden Phase an der Spitze des Feldes. Dies, obwohl der Toursieger sein Team 115 Kilometer vor dem Ziel mit einem Sturz in Schrecken versetzt hatte. Im Gegensatz zu seinem mitverwickelten Helfer Steve Morabito erholte sich der Spanier jedoch und fand wieder den Anschluss an das Feld. Auch die übrigen Gesamtfavoriten schafften auf den letzten schnellen Kilometern den Sprung in die Spitzengruppe. Nur der als Geheimtipp gehandelte kolumbianische Kletterspezialist Mauricio Soler (Barloworld) verpasste den Anschluss und verlor 20 Sekunden auf die Konkurrenz.

Keine Chance für Sprinter

Zuvor hatte das Rennen über 163 Kilometer eine Fluchtgruppe geprägt. Früh hatten sich fünf Fahrer vom Feld abgesetzt, von denen sich High-Road-Profi Adam Hansen bis 2 Kilometer vor dem Zielstrich vor dem Peloton behaupten konnte. Als seine Mitstreiter schon gestellt waren, versuchte der australische Zeitfahrmeister noch als Solist sein Glück. Doch dem heraneilenden Peloton war der ehemalige Mountainbiker nicht gewachsen.

Kurz nachdem das Feld an Hansen vorbeigerauscht war, versuchte ausgerechnet Daniele Bennati (Liquigas) den bergfesten Fahrern ein Schnippchen zu schlagen. Schnell wurde auch der Versuch des Führenden in der Sprintwertung, dem "maglia ciclamino", vereitelt. Dass der Versuch Bennatis auf der steilen Zielgeraden mit den Besten mitzuhalten so abwegig nicht war, erklärte im Ziel Erik Zabel: "Ich habe beim Schlussanstieg lange versucht, in der Führungsgruppe zu bleiben. Vor ein paar Jahren bin ich hier auf der gleichen Strecke Zweiter geworden. Aber heute war das Tempo auf dem letzten Kilometer zu hoch, um ganz vorne mitfahren zu können."

Jonas Steldinger / Eurosport