EM 2008 - Lahm: "Unser Ziel ist der EM-Titel"

Eurosport - Di 20.Mai. 22:42:00 2008

Philipp Lahm hat beim FC Bayern bis 2012 verlängert. Was er sich vom neuen Trainer Jürgen Klinsmann erwartet und welche Ziele das deutsche Nationalteam bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz erreichen will, verrät der 24-Jährige im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de.

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Der FC Bayern ist souverän Deutscher Meister geworden, hinzu kommt der Gewinn des DFB-Pokals. Wie fällt ihr Saisonfazit aus?

Philipp Lahm: Wenn man vom ersten bis zum letzten Spieltag an der Tabellenspitze steht, kann man schon von einer souveränen Saison und einer souveränen Meisterschaft sprechen.

War der Druck größer, weil Bayern in diesem Jahr nicht in der Champions League war?

Lahm: Der Druck war enorm, vor allem aber weil man vor der Saison so viel in neue Spieler investiert hat.

Hätte es der FC Bayern auch ohne Franck Ribery und Luca Toni geschafft?

Lahm: Das weiß ich nicht. Die zwei sind absolute Superstars, aber man braucht immer eine ganze Mannschaft, die den Titel holt. Das haben wir in dieser Saison geschafft, weil wir eine ganze Mannschaft, eine Einheit waren.

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit Franck Ribery? Und vor allem: Wie klappt es mit der Kommunikation?

Lahm: Die Fußball-Sprache versteht jeder. Außerdem kennt er alle Wörter, die man auf dem Feld benötigt. "Links", "rechts", "vor", "zurück", "kurz", "lang" - das kann er alles.

Was ist er privat für ein Typ?

Lahm: Er ist ein sehr lockerer Mensch, macht viele Späße. Das sieht man auch auf dem Platz. So locker wie er sich auf dem Feld gibt, so ist er auch privat.

Wie war es, zum ersten Mal nicht in der europäischen Königsklasse zu spielen?

Lahm: Es fehlt ganz klar etwas. Wenn man immer gewohnt war, in der Champions League zu spielen, fällt es schwer, "nur" im UEFA Cup antreten zu müssen. Wenn man zuschauen muss, wie beispielsweise im Halbfinale Barcelona gegen Manchester spielt, dann tut das schon ein bisschen weh.

Im UEFA Cup verlief die Saison etwas holpriger. Ist dies ein kleiner Wehrmutstropfen?

Lahm: In erster Linie muss man anmerken, dass wir im Halbfinale standen, also kann man nicht sagen, dass es schlecht lief. In die Runde der letzten Vier muss man auch erst kommen. Bei Bayern hat man jedoch dann auch den Anspruch, ins Endspiel einzuziehen.

Nächstes Jahr geht's wieder in die Champions League. Was kann man erreichen, wenn man sich andere Teams wie beispielsweise die Engländer anschaut. Kann der FC Bayern da ein Wörtchen mitreden?

Lahm: Es ist sicherlich möglich, ins Viertelfinale zu kommen. Von da an wird es schwer, weil andere Vereine mehr Möglichkeiten haben. Wir sind eine gute Mannschaft, eine gute Einheit, müssen aber noch mehr miteinander spielen als jeder für sich. Dann ist sicherlich auch das Halbfinale oder noch mehr drin. Aber da hängt dann alles von der Tagesform ab.

Im Sommer übernimmt Jürgen Klinsmann das Ruder bei den Bayern. Wie haben sie auf diese Nachricht reagiert?

Lahm: Ich habe das sehr positiv aufgenommen. Ich kenne ihn von der Nationalmannschaft, habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Seine neuen Trainingsmethoden, die er schon im Nationalteam eingeführt hat, tun sicherlich auch den Klubs sehr gut.

Mit Klinsmann haben Sie bei der WM eine schöne Zeit erlebt. Inwiefern prägt einen Fußballer so ein Erlebnis, in Ihrem Fall vor allem das Eröffnungsspiel, wo Sie das erste Tor erzielt haben?

Lahm: So eine Erfahrung prägt einen sehr, aber nicht nur das Eröffnungsspiel, sondern das ganz Turnier. Wir waren im Halbfinale, haben gegen Argentinien und Italien gespielt. Dazu kommen die acht Wochen mit dem ganzen Team. Da lernt man fürs Leben. Aber ich bin ja erst 24 und hoffe, da kommt noch mehr.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team? Sie sind noch jung, aber vielleicht trotzdem schon jemand, der den Ton angibt?

Lahm: Ob ich den Ton angebe, weiß ich nicht. Aber meine Meinung ist hier im Verein schon gefragt. Ich will Verantwortung übernehmen und es gehört zu meinen Aufgaben, auch mal den Mund aufzumachen, wenn mir etwas nicht gefällt.

Die EM steht vor der Tür. Die deutsche Nationalmannschaft hat seit zwölf Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Was spricht dafür, dass es nicht 14 Jahre werden?

Lahm: Wir haben eine gute Mannschaft, aber man darf nicht ausschließlich vom Titel reden. Unser Ziel muss es jedoch sein, Europameister zu werden. Wir waren bei der WM im Halbfinale, das nächste wäre jetzt das Endspiel bei der EM. Jeder Spieler strebt das an, aber da entscheiden Kleinigkeiten, manchmal die Schiedsrichter und vor allem die Tagesform.

Das Interview führte Hans Finger / Eurosport