Eurosport - Mi 21.Mai. 16:10:00 2008
Der eine Niederländer ist weg, der andere bereits da. Martin Jol ist gestern in Hamburg angekommen und wurde heute offiziell als Nachfolger des zum PSV Eindhoven wechselnden Huub Stevens vorgestellt. Der 52-jährige Jol unterschrieb beim HSV einen Vertrag bis 2010.
Den Kader will der neue Trainer des Hamburger SV nach der geglückten Teilnahme am UEFA Cup nicht komplett umkrempeln - er will ihn lediglich lediglich um ein oder zwei neue Spieler ergänzen. "Wenn wir uns verstärken können, werden wir das versuchen", sagte der Niederländer bei der Präsentation im Grand Hotel Elysee. "Mehr kann man sich nicht wünschen", freute sich Jol außerdem über den warmherzigen Empfang in Hamburg.
"Wollen wieder nach Europa
Ob der Vierte der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit in der kommenden Saison noch besser abschneiden kann, bleibt abzuwarten. Der Niederländer setzte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt jedoch bereits hohe Ziele: "Wir wollen wieder nach Europa." Große Hoffnung setzt Maarten Cornelius Jol, genannt Martin Jol, dabei in seinen Landsmann Rafael van der Vaart: "Er ist neben Diego die beste Nummer zehn in Deutschland. Er gehört in Europa zu den Top Fünf."
Erst am vergangenen Dienstag beendete der Norddeutsche "Bundesliga-Dino" die 177-tägige Trainersuche - der Aufsichtsrat einigte sich in einer Marathonsitzung auf den Niederländer. "Wir haben dem Paket nach guter Diskussion zugestimmt", erklärte der Vorsitzende Horst Becker. HSV-Clubchef Bernd Hoffmann fiel ein Stein vom Herzen, endlich einen Nachfolger für Stevens gefunden zu haben: "Ich bin ein happy Präsident." Sportchef Dietmar Beiersdorfer ergänzte: "Wir sind froh, dass wir mit Jol einen absoluten Fachmann verpflichten konnten."
Dabei hing die Verpflichtung bis vor einigen Wochen noch am seidenen Faden. "Ich war in London und wollte, wenn ich ehrlich bin, da bleiben", sagte Jol, der Ende Oktober 2007 nach dreijähriger Amtszeit beim englischen Premier-League-Club Tottenham Hotspur entlassen wurde. Er habe verschiedene Optionen gehabt, sich aber vor knapp acht Wochen mit Absprache der Familie für das Angebot der HSV-Clubführung entschieden: "Ich habe keine fünf Minuten überlegt."
Bestbezahlter HSV-Coach aller Zeiten
An der Elbe unterschrieb der Niederländer einen Zweijahres-Vertrag, der ihn mit einem Jahressalär von geschätzten zwei Millionen Euro zum bestbezahlten HSV-Coach aller Zeiten macht. Mit Zejlko Petrovic (42 Jahre, derzeit Chefcoach in Waalwijk) und seinem Bruder Cornelius Jol bringt der ehemalige Spieler des FC Bayern München (neun Einsätze in der Saison 1978/1979) zudem zwei Assistenten mit in die Hansestadt. Das Gesamtpaket soll laut Medienberichten einen Gesamtumfang von acht Millionen Euro haben.
Als Hauptziel erklärte der, ebenso wie sein Vorgänger Stevens, als akribischer Arbeiter verschriene Jol, die "sehr gute, junge Mannschaft" weiterzuentwickeln. Auf große Einkaufstour kann der 52-jährige Fußballlehrer dabei jedoch nicht gehen: "Wir bewegen uns, was die Investitionen angeht, nicht auf Premier-League-Niveau", stellte Beiersdorfer klar. Auf eins können sich die Zuschauer auf jeden Fall freuen - Angriffs-Fußball: "Wir wollen immer offensiven Fußball spielen", bekräftigte Jol.