Eurosport - Mi 21.Mai. 11:47:00 2008
Es ist so etwas wie eine liebgewordene Tradition, dass sich die deutsche Mannschaft beim World Team Cup in Düsseldorf auf die French Open vorbereitet. Denn drei Matches gegen meist adäquate Gegner sind den Spielern in dieser Woche garantiert - ein optimales Warmspielen für Paris.
Aber allein für das nette Ambiente des Rochusclubs kommen die Spieler eben doch nicht nach Düsseldorf und so hat Turnierdirektor Dietloff von Arnim das gleiche Problem wie jeder seiner Kollegen, der kein Masters oder Grand-Slam-Turnier veranstaltet: Er muss besonders die besser platzierten Spieler mit Antrittsgeldern von ihrer Teilnahme überzeugen.
Jeder Tennisprofi kennt seinen Marktwert und es ist üblich, dass Stillschweigen über die genauen Zahlungen gewahrt wird. So ist das Geschäft und seine Regeln befolgt auch Nicolas Kiefer. Doch der 30-Jährige hat seine Prioritäten mittlerweile neu gesetzt: "Mir geht es hier überhaupt nicht um Geld. Für mich ist es eine Ehre für Deutschland zu spielen. So sollte das doch eigentlich jeder sehen", erklärte der Hannoveraner.
Dimensionen wie bei Haas
Doch offenbar sah Philipp Kohlschreiber das anders. Denn damit auch die deutsche Nummer eins in Düsseldorf aufschlägt, musste von Arnim tief in die Tasche greifen. Wie die "Sport Bild" berichtet, bekommt Kohlschreiber 75.000 Euro für seine drei Auftritte im Rochusclub, weit mehr als jeder andere Spieler im deutschen Team. Die Summe kann sich durch eine mögliche Halbfinal- und Endspielteilnahme weiter erhöhen, das Preisgeld ist davon unabhängig.
Damit stößt der 24-Jährige mit seinen Forderungen in die Größenordnung eines Tommy Haas vor, zu Zeiten, als dieser noch in den Top Ten geführt wurde. Kohlschreiber rangiert derzeit auf Platz 35 der Welt. "Die Summe will ich im Detail nicht kommentieren", erklärte dessen Manager Ralf Scheitenberger dazu. Er bestätigte allerdings, dass sich das Antrittsgeld im Vergleich zum Vorjahr "deutlich erhöht" habe. Vielmehr ist es fast doppelt so hoch und Kohlschreibers Management begründete die Forderungen mit dem Argument, dass man "mit Philipp ein ganzes Tennisstadion füllen" könne. Bei seinem Auftaktmatch am Sonntag war der Center Court allerdings bei weitem nicht voll besetzt.
Zweifel an Handverletzung
Kohlschreiber sieht sich selbst nicht als "geldgeil", allerdings sorgte er schon beim Davis Cup im März für Unmut, als er das bestehende Prämiensystem zu seinen Gunsten zu einem leistungsbezogenen umändern ließ. Er wollte seinen Status als Nummer eins auch finanziell vergütet wissen. In Spielerkreisen machte sich Kohlschreiber mit seinen Vorstößen nicht gerade beliebt, und inoffiziell kritisieren viele, Kohlschreiber habe der Höhenflug erwischt und die bisherigen Leistungen würden seine Ansprüche in keiner Weise rechtfertigen.
Der Ruf des Augsburger ist beschädigt und so verwunderte es nicht, dass in Hamburg nach Kohlschreibers äußerst kurzfristiger Absage des Doppels mit Nicolas Kiefer aus dem Spielerumfeld verlautete, dieser habe gar keine Verletzung an der Hand, sondern nach dem Aus im Einzel lediglich keine Lust mehr gehabt.
keinen Grund für Veränderungen
Fest steht nur, dass der Turnierarzt in Hamburg eine leichte Zerrung feststellte und Kohlschreiber zwei Tage später in Düsseldorf bereits wieder auf dem Trainingsplatz stand und tags darauf in der Lage war, den Weltranglistenfünften David Ferrer mit 6:1 und 6:0 zu bezwingen. "Ich habe keine Probleme mehr", sagte Kohlschreiber knapp. Ob gerechtfertigt oder nicht hat sein Verhalten oft einen faden Beigeschmack, der einem positiveren Image entgegenwirkt.
Doch Kohlschreiber sieht keinen Grund für Veränderungen. Und so verweigert er auch weiterhin das vom DTB so nachdrücklich gewünschte Schlichtungsgespräch mit seinem Davis-Cup-Kollegen Alexander Waske, den er des Verrats von Interna bezichtigt hatte. Teamchef Patrik Kühnen würde das heikle Thema gerne aus der öffentlichen Diskussion heraushalten und behauptet daher, die Aussprache habe längst stattgefunden. Doch die internen Streitigkeiten sind keineswegs beigelegt. Problemloser verlief dagegen Kohlschreibers zweites Match am Dienstag gegen den Italiener Potito Starace, den er mit 6:2 und 7:6 bezwang. Und wieder waren etliche Plätze im Publikum frei geblieben.