dpa

Schwimmer vermeiden Hochrechnungen

Fr 25 Jul, 11:48 Uhr


Hamburg (dpa) - Der Countdown läuft, Medaillen-Hochrechnungen sind verboten: Für Deutschlands Schwimmer hat mit dem Abflug in das Japan-Trainingslager nach Kumamoto die letzte Phase der Olympia-Vorbereitung begonnen.

Cheftrainer Örjan Madsen fordert volle Konzentration auf die Arbeit und Realismus in der Bewertung der eigenen Chancen. «Bleiben wir auf dem Teppich», heißt sein Motto. Er sagt aber auch: «Britta Steffen traue ich alles zu.» Über Gold, Silber und Bronze soll aber erst beim Auftauchen im Olympia-Becken in Peking gesprochen werden.

Antje Buschschulte erhielt, obwohl nur für die Staffel qualifiziert, eine Startzusage im Einzel. Madsen: «Sie schwimmt die 100 Meter Rücken und die 100 Meter Schmetterling.» Mit an Bord in Frankfurt/Main ging auch der Deutsch-Syrer Rafed El-Masri. Der Berliner, der zuletzt mit deutschem Rekord von 21,86 Sekunden über 50 Meter Freistil überzeugte, bekam erst in letzter Minute die Freigabe des NOK von Syrien. Am 6. August ziehen die Schwimmer in das olympische Dorf ein, drei Tage später beginnen die Wettbewerbe. Die letzten Staffel-Plätze sollen in Japan ausgeschwommen werden.

Die Bedenken vor einem neuerlichen Scheitern sind groß. 26 Athleten, umsorgt von einem 17-köpfigen Trainer- und Betreuerteam, wollen es vier Jahre nach dem enttäuschenden Abschneiden von Athen (1x Silber, 4x Bronze) wissen. «Besser sein als in Athen», hatte Madsen vor zwei Jahren bei seinem Amtsantritt als Parole ausgegeben. Jetzt gibt es Zweifel. Die rasante Entwicklung mit über 50 Weltrekorden in den vergangenen Monaten hat Auswirkungen auf die eigenen Erwartungen. Madsen: «Es gibt auf der Grundlage der Weltbestenliste realistisch nur zwei Athleten, die als Medaillen- Kandidaten einzustufen sind. Das ist Britta Steffen, und das ist Helge MeeuwAnnika Lurz, WM-Zweite 2007 in Melbourne über 200 Meter Freistil, kämpft um ihre Form. Auch für die Staffeln wird es sehr schwer werden.

«Es geht nicht darum, dass ich nicht an die Mannschaft glaube», sagt Madsen, «es geht darum, uns realistisch einzuschätzen.» Dabei hoffen alle, dass es Britta Steffen gelingen wird, 16 Jahre nach Dagmar Hase 1992 in Barcelona wieder Gold für deutsche Schwimmer zu erobern. Bei ihrem Europarekord in Magdeburg verfehlte die Berlinerin in 53,05 Sekunden den Weltrekord der Australierin Lisbeth Lenton-Trickett nur um 17/100. «Ich habe tierisch Angst, nach den 100 Metern Kraul anzuschlagen, Zweite zu sein und mich darüber überhaupt nicht freuen zu können», hatte sie der dpa gesagt.

Meeuw und Annika Lurz schotten sich ab. «Der Erwartungsdruck von Außen kommt bei mir nicht an», sagt Meeuw. Er glaubt an sich: «Ich habe mir den Schmerz beigebracht, den man braucht, um ein gutes Rennen zu schwimmen.» Lurz tut sich schwer. «Die Erwartungen anderer, auch der Medien, blende ich aus. Ich versuche es jedenfalls, ich will ins Finale, und was dann herauskommt, werden wir sehen.» Große Hoffnungen ruhen auf ihrem Schwager Thomas Lurz. Der sechsfache Weltmeister will seine große Karriere beim Olympia-Debüt der Freiwasserschwimmer über 10 Kilometer mit Gold krönen. Die Langstreckler reisen am 9. August in das Japan-Trainingslager und acht Tage später nach Peking.

 

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. Was meinen die mit: In Japan werden dann die letzten Staffelplätze ausgeschwommen??
    Könnte mir das ma jemand erklären???

    Von maximilianlindemann, am Fr 25.Jul. 13:18
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