München (dpa) - Seine Landsleute Diego und Rafinha sorgen wegen ihrer umstrittenen Abreisen zu den Sommerspielen für mächtig Ärger, dagegen bereitet sich Lucio nach dem geplatzten Olympia-Traum voll motiviert auf seine schon neunte Bundesliga-Saison vor.
«Ich habe die Entscheidung des FC Bayern akzeptiert», sagte Lucio, der frühzeitig im Mai das Peking-Veto seines Vereins bekommen hatte. Trotz allen Verständnisses für den Bremer und den Schalker müsse man im Zweifel beim Verein bleiben, weil man dort unter Vertrag stehe, meinte Lucio.
Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters von inzwischen 30 Jahren musste sich der Innenverteidiger aus Brasilien nach dem Bayern-Nein auch nicht lange mit Reibereien mit den Club-Bossen aufhalten, denn Diskussionen um die Abstellungspflicht gab es nur bei den unter 23-Jährigen. Lucio konnte sich also voll und ganz auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen Chef Jürgen Klinsmann konzentrieren. «Hier ist alles neu, alles super, alles gut», meinte der Abwehrchef begeistert über das neue Leistungszentrum an der Säbener Straße, wo auch Sprachkurse angeboten werden. «Jeder Trainer hat eine eigene Philosophie», meinte der 204-malige Bundesliga-Spieler. «Jetzt ist alles immer positiv und es wird viel gesprochen.»
Dabei ist Lucio kein Mann der großen Worte, in Deutsch redet er auch nach acht Jahren Bundesliga nur sehr stockend und ganz leise. Vielleicht bringt dieses Manko den Kahn-Vertreter des Vorjahres auch um das Kapitänsamt, für das er als einer der Kandidaten gilt. «Ich war schon ein paar Mal Kapitän, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. Wenn ich nicht Kapitän bin, bin ich aber nicht so traurig. Wichtig ist, dass ich versuche, meine beste Leistung für die Mannschaft und Bayern zu bringen», betonte der Weltmeister von 2002.
Vorige Saison hatte er mit Nebenmann Martin Demichelis in der Abwehrzentrale großen Anteil am Gegentor-Rekord der Bayern. Nur 21 Mal wurden der Defensiv-Riegel und Keeper Oliver Kahn überwunden; nie war eine Liga-Defensive besser. Lucio will seine große Erfahrung auch weiter einbringen. «Ich gehe in mein fünftes Jahr und meine Rolle ist es, das Beste für die Mannschaft zu geben und meine beste Leistung zu bringen», formulierte Lucio, der nach einem Jahr im tristen UEFA-Cup nun der Champions League entgegenfiebert. Die Klinsmann-Denkweise hat er dabei schon verinnerlicht: «Wir denken positiv, vielleicht können wir es in der Champions League bis ins Finale schaffen.»
Die «beste Leistung» will er für die Bayern bringen - auf jeden Fall bis zum Ende seines Vertrages am 30. Juni 2010. Vorbei soll die Zeit sein, in denen er in den kälteren Monaten mit einem Wechsel in wärmere Gefilde kokettierte. «Ich habe am Ende der Saison gesagt, dass ich bei Bayern bleibe und ein Wechsel kein Thema ist», betonte der Mann mit dem großen Siegeswillen. Er kann sich sogar vorstellen, noch länger als zwei Jahre bei Bayern zu bleiben. «Aber das jetzt ist es zu früh, das zu sagen, aber ich bin zufrieden bei Bayern.»


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