Die EM der Underdogs? Supercomputer sagt Finalisten voraus

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Am kommenden Freitag beginnt die Fußball-EM. Ein Supercomputer sagte jetzt den Sieger voraus und das Ergebnis dürfte selbst eingefleischte Fußballfans überraschen.

Hier jubeln die Europameister - zumindest wenn es nach der Computer-Prognose geht. Tatsächlich freuen sich die Tschechen erstmal nur über den 3:1 Testspielsieg gegen Albanien. (Bild: Tomas Soucek REUTERS/David W Cerny)
Hier jubeln die Europameister - zumindest wenn es nach der Computer-Prognose geht. Tatsächlich freuen sich die Tschechen erstmal nur über den 3:1 Testspielsieg gegen Albanien. (Bild: Tomas Soucek REUTERS/David W Cerny)

Fußballturniere haben oft eine merkwürdige Begleiterscheinung. Die Ergebnisse und Sieger werden nicht nur von zahlreichen Experten und Tipprunden vorhergesagt. Sie werden auch von den seltsamsten Orakeln prognostiziert. Wer erinnert sich zum Beispiel nicht an Paul die Krake aus dem Sea Life Centre in Oberhausen bei der WM 2010? Bei dieser Europameisterschaft wird bisher nicht auf tierische Vorhersagen zurückgegriffen. Dafür aber kommt digitaler Hightech zum Einsatz. Ein Supercomputer der Fußballexperten bei Sportradar rechnete das gesamte Turnier durch und kommt zu einem eigenwilligen Ergebnis. 

Denn das Finale sollen laut der Wahrscheinlichkeitsrechnung des Computer schließlich Dänemark und Tschechien bestreiten. Die Tschechen wurden in ihrer Qualifikationsgruppe zwar lediglich Zweiter hinter England und mussten sogar eine Niederlage gegen das Team aus dem Kosovo einstecken, aber vielleicht entwickeln sie sich in diesem Sommer zu einer echten Turniermannschaft. Mit Kroatien, Schottland und England müssen sie in der Gruppe D allerdings ziemlich schnell zu ihrem Spiel finden, damit die Prognose des Computers nicht schon vor der K.O.-Phase nichtig wird.

Halbfinal-Aus für England und DFB-Team

Den hochgelobten Engländern sagt der Supercomputer übrigens einmal mehr ein bitteres Ende voraus. Denn während die Simulated Reality die beiden Außenseiter aus Dänemark und Tschechien triumphieren sieht, endet das Turnier für die "Three Lions" bereits im Halbfinale gegen eben jene Dänen. Zum Trost berechnete der Computer aber wenigstens, dass sie die favorisierten Franzosen bereits im Achtelfinale aus dem Turnier schmeißen. Für die Tschechen wäre der prognostizierte 3:2 Sieg im Finale übrigens ihr größter internationaler Erfolg. Zuletzt kamen sie bei der EM 1996 in England bis ins Halbfinale, das sie gegen den späteren Sieger aus Deutschland verloren. Diesmal gelänge den Tschechen die Revanche: Laut errechneter Prognose gewinnen sie das Halbfinale gegen das Team von Jogi Löw.

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Simulated Reality als Orakel

Werner Becher, regionaler CEO von Sportradar erklärte gegenüber dem britischen Mirror die Vorgehensweise der Prognose, die sich auf Künstliche Intelligenz und die Daten aus unzähligen Spielen und Situationen von Sportradar stützt. "Wir haben die ganze Bandbreite unserer technischen Möglichkeiten genutzt, um das Turnier zu simulieren," sagte Becher. Dafür seien Millionen einzelner Daten aus den letzten 20 Jahren verwendet worden, um den Gewinner vorherzusagen. "Fußball ist unvorhersehbar, das ist eins der Dinge, die wir an dem Spiel am meisten lieben" räumte er ein. Aber über die Simulated Reality-Technologie sei es ihnen möglich, Spiele genau so ablaufen zu lassen, wie sie in der Realität im Stadion stattfänden. "Nach dieser langen Verschiebung gibt es ein echtes Gefühl von Vorfreude auf dieses Turnier", glaubt Becher. Doch nur wenige Fans hätten wohl auf Dänemark und Tschechien als Finalisten getippt.

Gibt es Griechenland 2.0?

Überraschungen gab es bei Europameisterschaften immer wieder. Zuletzt 2004, als Otto Rehhagels Griechen mit brachialem Defensivfußball und Libero den Titel holten. Der deutsche Coach wurde nach dem Underdogsieg in König Rehakles umgetauft. Auch die Dänen waren bereits an einer EM-Überraschung beteiligt. 1992 wurden sie wegen des Krieges in Jugoslawien erst als Nachrücker zum Turnier in Schweden eingeladen. Dort marschierten sie dann mit Spaßfußball unter dem Motto "Danish Dynamite" bis ins Finale, wo sie das Deutsche Team mit 2:0 bezwangen. Vielleicht hat der Supercomputer also gar nicht so Unrecht mit seiner Vorhersage und die Fans erwartet bei diesem verschobenen Turnier ein ungewöhnlicher Ausgang.

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