Kommentar: Der DFB und sein Mut-Problem

Für die deutsche Nationalmannschaft wird die WM in Katar zunehmend zu schwierigem Terrain. Der DFB ist dabei keine Hilfe, wie die zaghaften Versuche politischer Statements beweisen.

Ein Kommentar von Moritz Piehler

Das Team der deutschen Fußball-Nationalmannschaft steht zum Einsteigen in den WM-Flieger bereit. (Bild: Arne Dedert/dpa)
Das Team der deutschen Fußball-Nationalmannschaft steht zum Einsteigen in den "Diversity"-WM-Flieger bereit. (Bild: Arne Dedert/dpa)

Der DFB ist der größte nationale Sportverband der Welt. Mehr als sieben Millionen Mitglieder und über 24.000 Fußballvereine sind dort versammelt. Auch international in Uefa und FIFA hat der DFB Gewicht. Doch bei der umstrittenen Fußball-WM in Katar gestaltet sich die Einflussnahme zäh. Denn während man sich in Europa - nicht nur aber auch aus marketingtechnischen Gründen - gerne weltoffen, modern und divers gibt, stößt dies bei den WM-Gastgebern aus dem Emirat schnell an seine Grenzen. Die Bemühungen bleiben dann eher dürftig, wie der DFB-Fan-Flieger als jüngstes Beispiel zeigt.

Fairness, Gerechtigkeit, Diversity, Equality - hört sich alles erst mal sehr schön an und tut auch niemandem weh. Mit diesen Ausdrücken schmückt man sich auch in der Bundesliga und beim DFB gerne und oft. Doch wenn dahinter eine echte Haltung stehen soll, wird es meist dünn und leise.

Der "Mut" des DFB endet im Nichtigen

Die Mannschaft von Hansi Flick hat sich inzwischen auf die Reise nach Katar begeben, wie immer in einem Flugzeug von Partner Lufthansa. Auf diesem "Fanhansa"-Flieger sollte nun eine gesellschaftspolitische Botschaft stehen, um den Anspruch an das eigene Engagement bei der Weltmeisterschaft zu unterstreichen. Und so schickte der Deutsche Fußballbund sein Aushängeschild mit einem bunt bemalten Flieger in Richtung Oman, wo das letzte Testspiel am Mittwoch (16.11.) stattfinden soll. Auf dem Airbus sind viele fröhliche Figuren Arm in Arm mit Nationalspielern zu sehen, dazu der Schriftzug "Diversity wins."

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Vielfalt siegt, das kann ja nun so gut wie alles bedeuten. Das ist sie also, die mutige Botschaft, zu der sich der DFB durchgerungen hat. Menschenrechte, Homophobie, Sexismus, Korruption - all diese Themen stehen bei der WM in Katar mehr als deutlich im Vordergrund. Der Verband hätte mit seiner sportpolitischen Machtfülle alle Möglichkeiten, dieses Turnier zu nutzen, um den Fokus darauf zu lenken. Die billige Botschaft auf dem Fan-Flieger lässt aber nichts Gutes ahnen.

Sieht so die Rückendeckung für die Spieler aus?

Für die Nationalspieler ist dies sicher kein ermutigendes Signal. Sie bräuchten einen Verband, der bedingungslos hinter ihnen steht, wenn sie sich offen zu Menschenrechtsfragen positionieren. Gefragt werden sie dazu sicher noch unzählige Male. Dass sie durchaus eine Meinung haben, lassen die Profis ja immer mal wieder durchblicken. Leon Goeretzka ist der Spieler, der als "gutes Gewissen" der Mannschaft schon öfter recht deutlich wurde. Kapitän Manuel Neuer versprach immerhin, man "mache sich Gedanken", wie das Team mit Menschenrechtsfragen umgehen werde. Sicher ist, die weltweite Aufmerksamkeit wird auch besonders auf der deutschen Mannschaft liegen, wenn es um eine Positionierung zu Katar geht.

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Ein "Human Rights"-Shirt im sicheren Umfeld in Düsseldorf zu tragen, wie beim Länderspiel gegen Island, ist ein schönes Symbol, aber noch lange kein Zeichen von besonderem Mut. Sich in Katar trotz der FIFA und des Drucks der finanzstarken Gastgeber lautstark zu seinen Werten zu bekennen, wäre eines. Auch, wenn dann Konsequenzen drohen.

Der DFB sagte zum "Diversity"-Flieger, man wolle eine Botschaft in die Welt tragen. Die Frage ist nur, welche.

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