Real Madrids deutsche Achse

Özil (l.) und Khedira feiern den spanischen Pokalsieg
Özil (l.) und Khedira feiern den spanischen Pokalsieg

Als Sami Khedira und Mesut Özil zur Saison 2010/11 in die spanische Hauptstadt wechselten, waren die Fragezeichen groß. Viele Kritiker bezweifelten, dass die beiden Nationalspieler das Zeug zum Stammspieler bei den Galaktischen hätten. Knapp zwei Jahre später sind selbst die härtesten Gegner der Beiden ruhig gestellt, als Stammspieler sind sie fast immer gesetzt.

Der Staubsauger…

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Sami Khedira gehört zu den Lieblingsspielern von Coach Jose Mourinho. Den defensivorientierten Coach beeindrucken vor allem die taktische Disziplin und der hohe Einsatz des Deutsch-Tunesiers. Aus diesem Grund bekommt er vom Startrainer oftmals spezielle Aufgaben. Im Clàsico am Wochenende wurde er beispielsweise als Manndecker auf Iniesta angesetzt. Er ließ sich oft von seiner nominellen Sechserposition fallen, um in Eins-gegen-Eins Duellen gegen den Mittelfeldstar zu bestehen — eine Aufgabe, die er mit Bravour erfüllte.

Khediras Einfluss auf die Mannschaft sollte trotz seiner eher unauffälligen Spielweise nicht unterschätzt werden. Dass Madrid mit vier größtenteils offensiv denkenden Spielern auflaufen kann, ist auch seinem defensiven Eifer geschuldet. Er schließt mit viel Laufarbeit die Lücken, die Feingeister wie Ronaldo und Özil mit ihrer manchmal phlegmatischen Rückwärtsarbeit offen lassen. Trotz seiner eindeutigen Schwächen im Passspiel ist er unter Mourinho gesetzt.

Auch im Champions-League-Kracher heute Abend wird er wahrscheinlich wieder eine wichtige Rolle einnehmen. Es ist kaum zu erwarten, dass Mourinho auf seinen Staubsauger verzichtet. Er könnte gar ein entscheidender Faktor werden, denn mit seinen gut getimten Vorstößen sorgt er in den richtigen Momenten für Überzahlsituationen in der gegnerischen Hälfte.

… und der Feingeist

Mesut Özil hingegen ist ein komplett anderer Spielertyp. Der Taktikanalyst Michael Cox, Kopf hinter dem Blog "ZonalMarking.net", formulierte treffend: "Mesut Özil macht bei Real den Unterschied zwischen einer effektiven und einer attraktiven Mannschaft ist". In der Tat ist der Deutsch-Türke für die schönen Momente im Santiago Bernabeu verantwortlich: Das Madrider Publikum liebt ihn für seine feinen Tricks und seine durchdachten Pässe.

Dabei ist die Genialität des Spielmachers keineswegs Selbstzweck: Im offensiven Zentrum sorgt er für die Anbindung der einzelnen Mannschaftsteile. Er geht oft auf die Flügel, um die Außenstürmer zu unterstützen. Gerade sein Zusammenspiel mit Ronaldo ist stark, der Portugiese ist oft der Nutznießer von Özils Flanken.  Auch bei Kontersituationen ist der quirlige Ex-Werderaner stark, er sorgt für die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff. Barcelona spürte das am Wochenende am eigenen Leib, als Özil gedankenschnell mit einem Schnittstellenpass das 2:1 einleitete.

Gegen Bayern München tauchte er im Hinspiel trotz seines Treffers jedoch meist unter. Bayern hielt den Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff sehr klein — dort hält sich der begnadete Techniker am liebsten auf. Mourinho könnte deshalb eine andere taktische Variante wählen: Bereits in der Liga agierte Özil oft tiefer, nur etwas höher als die Sechser. Aus der eigenen Hälfte kann er mit seinem Passspiel die Offensivkräfte in Szene setzen. Es kann aber auch passieren, dass Mourinho im wichtigen Spiel auf ihn verzichtet und einen direkteren Spielertyp mit mehr Zug zum Tor bringt. Allerdings ist diese Maßnahme nicht unbedingt wahrscheinlich: Mourinho würde auf direkten Konfrontationskurs mit den Fans gehen, die Özil lieben — etwas, das der eigensinnige Trainer beim launischen Madrider Anhang lieber vermeiden sollte.

Sowohl Özil als auch Khedira sind wichtige Säulen für Madrid. Bayern muss aufpassen, dass sie gegen beide Spieler das richtige Gegenmittel finden — ansonsten kann es leicht passieren, dass die zwei Deutschen ihre Landsmänner aus dem Wettbewerb werfen.

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