So schlägt Klopp den Bayern erneut ein Schnippchen

Diesen Pott will sowohl Dortmunds Watzke (links) als auch Bayerns Nerlinger (rechts)
Diesen Pott will sowohl Dortmunds Watzke (links) als auch Bayerns Nerlinger (rechts)

Vier Mal in Folge besiegten die Dortmunder Borussen den Branchenprimus aus München. Zusammen ergaben diese Siege zwei Meistertitel für den BVB. Ein fünfter Sieg hätte einen dritten Titel zum Resultat und würde das erste Double der Dortmunder Vereinsgeschichte bedeuten. Diesmal ist aber alles ein bisschen anders. Wie kann Klopp seine Truppe wieder zum Erfolg taktieren?

Der andere Zehner

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Der wesentliche Unterschied zu den vergangenen drei Duellen ist die personelle Besetzung von Bayerns zentralem Mittelfeld. Das erste Mal wird vermutlich nicht Thomas Müller, sondern Toni Kroos zwischen den Flügelspielern agieren. Die Auswirkung davon betrifft aber vor allem die Reihe dahinter. Die Sechser von München spielen völlig anders, wenn ein Passspieler vor ihnen rochiert und kein nach vorne orientierter Strafraumspieler wie Müller.

Konkret bedeutet das deutlich mehr Bewegung der drei zentralen Spieler. Dies wird wohl das prägende Element des Spiels werden, da die fehlende Bewegung jener Positionen bei den letzten Duellen entscheidend war. Dortmunds Kagawa und Lewandowski stellten ständig die Passwege zu den beiden Sechsern zu, weshalb es dem FC Bayern nicht gelang, kontrolliert den Ball ins Mittelfeld zu bekommen. Wenn die Sechser sich aber aus dem Gefängnis befreien, dann müssen Dortmunds Knastaufseher  reagieren.

Kagawa gegen Schweinsteiger und Kroos im Schatten

Um die Münchener Bewegungen zu kontern, ist vor allem Kagawa gefragt, der im Pressing üblicherweise rechts neben Lewandowski aufrückt und damit vor Schweinsteiger agiert. Sein Raum ist das Zentrum von Bayerns Bewegungen. Er muss sich äußerst klug bewegen und erkennen, wann sich die Passwege verändern, um darauf zu reagieren. Wenn beispielsweise, wie in der Grafik zu sehen, Schweinsteiger etwas tiefer fällt, dann sollte Kagawa nicht mehr den Weg zwischen ihm und Badstuber attackieren, sondern muss auf Schweinsteigers Passwege achten.

Taktiktafel zum Pokalfinale
Taktiktafel zum Pokalfinale

Die vier Mittelfeldspieler müssen dabei ebenso aufmerksam auf Kagawa reagieren. Wenn Bayern doch Pässe ins Mittelfeld durchbekommt, dann lassen sich diese nur entschärfen, wenn sie frühzeitig antizipiert werden. Eine wichtige Entscheidung dabei wird sein, ob Gündogan rechts oder links in der Doppelsechs agiert. Öfter ist er links zu finden, aber problemlos kann er die Seite wechseln.

Der Vorteil von Gündogan rechts könnte der sein, dass er eventuelle Rückstöße von Kroos besser auffangen könnte als Kehl. Mit seiner höheren Schnelligkeit und Aggressivität würde der junge Spielmacher wohl besser in diese Rolle passen, während Kehl mit seiner taktischen Sicherheit eher absichernd agieren dürfte. Ergänzend dazu wäre es denkbar, dass Kagawa anders als üblich eher linksseitig spielt, um dann mit Gündogan situativ eine 4-1-4-1-Ordnung bilden zu können. Kleine Anpassungen wie diese könnten das Finale entscheidend beeinflussen.

Anpassungsfähigkeit im Spielaufbau

Eine zweite Schwierigkeit kann Bayerns verändertes Pressing werden. Mit Kroos auf der Zehn sind die Münchener auch in diesem Aspekt flexibler. Sie wechseln zwischen mehreren Defensivordnungen wie 4-2-1-3, 4-4-2 oder 4-1-4-1. Dortmund muss auf alle Varianten vorbereitet sein, sie schnell erkennen und richtig reagieren.

Rückt zum Beispiel Schweinsteiger in ein 4-1-4-1 auf, dann muss Dortmund mit vertikalem Spiel schnell in den offenen Raum in seinem Rücken kommen. Die Innenverteidiger haben dann die beste Position um Pässe vorwärts zu spielen, da sie zu zweit gegen Gomez stehen und ein wenig aufrücken können.

Wenn stattdessen Kroos aufrückt, wird es schwieriger, durch die Mitte aufzubauen, da beide Innenverteidiger einen direkten Gegenspieler bekommen. Dann müssen die Räume auf den Flügeln genutzt werden, wie es Dortmund im letzten Ligaspiel gut gelang. Damals rückten die Außenverteidiger auf, während Gündogan und Kehl nach außen wichen um sich auf dem Flügel die Bälle abzuholen. Dieses Mittel müssen sie wieder anbringen, es wird aber schwieriger zu erkennen, wann es sinnvoll nutzbar ist.

Auf alle Fälle wird es keine leichte Partie für Klopps Männer. Die Bayern sind variabler als beispielsweise beim Hinspiel in der Liga, dazu vor dem Tor effizienter als im Rückspiel. Der BVB braucht eine taktisch hervorragende Leistung, um das historische Double holen zu können.

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