Überraschendes Ja: Toto Wolff unterstützt Red Bulls Motorenforderung

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 4 Min.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat am Rande des Grand Prix von Portugal (Formel 1 2020 live im Ticker!) überraschend erklärt, dass er sich gegen die Red-Bull-Forderung, die Weiterentwicklung der Motoren ab 2022 komplett einzufrieren, nicht querlegen würde.

Am Samstag wurde dem Österreicher die Frage gestellt, ob er bereit wäre, einem sogenannten "Engine-Freeze", wie ihn Helmut Marko und Christian Horner zuletzt gefordert haben, zuzustimmen. Überraschende Antwort: "Ja."

Die Formel 1 sei nach dem Ausstieg von Honda mit dann nur noch drei Motorenherstellern (Ferrari, Mercedes, Renault) zwar weiterhin "in einem guten Zustand. Aber wenn wir vier behalten können, [...] dann sollten wir alles unternehmen, um Red Bull das zu ermöglichen."

Dass sich Mercedes in dieser Frage derart klar kompromissbereit zeigt, ohne gleichzeitig verknüpfte Forderungen zu stellen, mag angesichts der belasteten Historie zwischen Mercedes und Red Bull überraschend erscheinen.

Wolff: "Verstehe, wo Red Bull herkommt"

Andererseits gilt der Mercedes-Motor in der Branche als derzeit beste Power-Unit. Dass ein Einfrieren auf dem Stand Ende 2021 Mercedes nicht weiter stören würde, ist so gesehen nachvollziehbar.

"Ich verstehe total, wo Red Bull herkommt. Sie wollen keinen Kundenstatus mehr, sondern sie wollen ein Werksteam sein", sagt Wolff. "Und ich verstehe, dass sich Red Bull nicht auf ein teures Wettrüsten mit den anderen Herstellern einlassen will. Es ist ein vernünftiger Vorschlag, den ich unterstütze."

Zuvor hatte Red Bull angeblich damit gedroht, die beiden Teams aus der Formel 1 zurückzuziehen, sollte die Motorenentwicklung nicht per 2022 eingefroren werden. Denn der "Plan A" des Energydrink-Herstellers sieht vor, die bestehende Motorentechnologie von Honda zu kaufen und die Motoren dann in Eigenregie als Red-Bull-Antrieb einzusetzen.

Das geht aber nur, wenn sich Red Bull darauf beschränken kann, die Motoren zu produzieren und zu warten. Das könnte am derzeitigen Honda-Standort in Milton Keynes mit überschaubarem Mitteleinsatz geschehen. Eine technologische Weiterentwicklung würde jedoch einen hohen Ressourceneinsatz bedeuten. Ein Aufwand, den sich Red Bull nicht leisten kann oder möchte.

"Red Bull ist eine enorm wichtige Marke für die Formel 1", unterstreicht Wolff, "und wir sollten alles unternehmen, um die beiden Teams in der Formel 1 zu halten und ihnen dabei zu helfen, mit den beiden Teams sozusagen einen Werksstatus zu haben."

Besprochen wird das Thema am Montag nach dem Rennen in Portimao bei einem Motorengipfel der Hersteller mit Verantwortlichen von Automobil-Weltverband FIA und Rechteinhaber Liberty Media. Bereits am Nürburgring haben Marko und Horner mit den anderen Herstellern vorbereitende Sondierungsgespräche geführt.

Die Angst, dass Red Bull die Formel 1 mit der Ausstiegsdrohung vor sich hertreiben könnte, hat Wolff nicht: "In der Formel 1", relativiert er, "versucht jeder, den besten Deal für sich auszuhandeln. Damit kann ich leben. Mir ist gleich, ob sie einen Kundenmotor nehmen oder das Honda-Programm fortsetzen oder es selbst machen. Mir ist jede Entscheidung recht."

Warum Mercedes keine Motoren liefert

Nur eins hat er bereits ausgeschlossen: Mercedes wird Red Bull nicht mit Motoren beliefern. Bereits 2015 haben, damals zwischen Niki Lauda und Dietrich Mateschitz, Gespräche darüber stattgefunden, die aber gescheitert sind. Die Story über einen Handschlag als Missverständnis mit Folgen sorgte für Schlagzeilen.

Anfang 2016 erklärte Wolff dann, dass er eine Belieferung von Red Bull mit Motoren in Zukunft nicht ausschließen möchte: "Red Bull ist eine großartige Marke, und aus Marketingsicht gibt es zwischen den beiden Mutterunternehmen durchaus Anknüpfungspunkte, die zu guten Projekten führen könnten", sagte er damals in einem Interview.

Warum das jetzt kein Thema mehr ist, erklärt Wolff so: "Damals war die Idee, dass Mercedes und Red Bull im Marketing zusammenarbeiten könnten. Wir waren interessiert an der Plattform, die Red Bull anbieten hätte können, weil sie eine supercoole Marke und sehr innovativ in dem sind, was sie tun."

"Ich habe damals zu Christian gesagt, dass wir eine Zusammenarbeit zumindest in Betracht ziehen würden, wenn es uns gelingt, die beiden Marken zu verknüpfen und eine Allianz zu bilden. Das ist dann aber nie zu einem Abschluss gekommen." Zumal sich ein solcher mutmaßlich mit der bestehenden Partnerschaft zwischen Mercedes und Monster Energy gespießt hätte.

Heute hat Mercedes' Verweigerung gegenüber Red Bull ganz einfach den Grund, so Wolff, "dass diese Power-Units sehr komplex sind. Wir sind nicht in der Lage dazu, das beliebig expandieren zu können. Daher ist es uns bei Daimler aus logistischer und aus Kostensicht nicht möglich, Red Bull mit einer Power-Unit zu beliefern."

Außerdem, erklärt er, sei es für eine Marke als reiner Motorenhersteller aus Marketingsicht nicht attraktiv, ein Team zu beliefern. "Das ist der Grund dafür, dass wir uns ein Team gekauft haben. Es ist keine Priorität für uns, Motoren zu liefern. Da setzen wir sie lieber in unseren eigenen Autos ein und verdienen mit den klassischen Kundenteams ein bisschen Geld", sagt Wolff.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.