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0:11! „Ich habe das befürchtet“

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0:11! „Ich habe das befürchtet“
0:11! „Ich habe das befürchtet“

Wir verlieren 0:11 gegen Rot-Weiss Essen. Da fehlen uns die Worte.“

Das twitterte am Samstag der KFC Uerdingen nach der höchsten Niederlage in der Vereinsgeschichte. Es war zudem die höchste Pleite in der Geschichte der seit 2012 in dieser Form bestehenden West-Staffel der viertklassigen Regionalliga.

Friedhelm Funkel ist die Uerdingen-Legende schlechthin.

Der 67-Jährige spielte von 1973 bis 1980 und von 1983 bis 1990 für den Verein, der damals noch Bayer 05 Uerdingen hieß. Funkel wohnt in Krefeld und hat die erfolgreichen Zeiten einst miterlebt wie den DFB-Pokalsieg 1985 und das Erreichen des Halbfinales im Europapokal der Pokalsieger 1986.

Von 1990 an war er Co-Trainer im Verein, anschließend bis 1996 Chefcoach. Im SPORT1-Interview spricht Funkel über die 0:11-Klatsche und eine mögliche Rückkehr zum KFC.

SPORT1: Herr Funkel, was haben Sie gedacht nach dem 0:11 Ihres KFC zu Hause gegen Rot-Weiss Essen?

Friedhelm Funkel: Ich habe das befürchtet. Weil die Mannschaft am vergangenen Mittwoch noch gespielt hat und da den ersten Saisonsieg landen konnte. Das hat unglaublich viel Kraft gekostet. Man muss im Moment auch einige Spieler ersetzen. Die Truppe ist nicht so gefestigt, als dass sie das kompensieren könnte.

Funkel: Uerdingen begann spät mit der Vorbereitung

SPORT1: Aber mit Verlaub: 0:11...

Funkel: Ja, das ist ein richtig böses Ergebnis. Aber der KFC konnte erst spät mit der Vorbereitung beginnen. Eine Woche vor dem Saisonstart hatte man die Mannschaft beisammen, und es gab nur ein einziges Vorbereitungsspiel. Und jetzt nach elf Spielen fällt man in ein kleines Loch, weil die Jungs körperlich noch nicht so weit sind, um solche Duelle gegen Topteams wie Rot-Weiss Essen zu stemmen. Es waren drei Spiele innerhalb einer Woche, das war heftig.

SPORT1: Es war die höchste Niederlage in der Geschichte der seit 2012 in dieser Form bestehenden Regionalliga West und die höchste Pleite in der Vereinsgeschichte.

Funkel: Ich weiß. Das ist natürlich extrem bitter. Ich habe mich seit einigen Wochen wieder mehr mit dem KFC beschäftigt, weil die Leute, die dort jetzt die Verantwortung haben, seriös arbeiten. Sie wollen eine gewisse Nachhaltigkeit in den Klub reinbringen. Ich habe am vergangenen Freitag noch gesagt, dass es dann egal ist, in welcher Liga man in den nächsten zwei, drei Jahren spielt. Man kann das nicht mehr mit früher vergleichen.

Funkel: „Natürlich hauen jetzt alle auf den KFC ein“

SPORT1: Es fällt aber schwer an Seriosität zu glauben, wenn der Klub 0:11 verliert und droht, in die Oberliga durchgereicht zu werden.

Funkel: Das ist richtig. Aber es wurde eine Mannschaft zusammengestellt, die zusammenhält. Und ich hoffe und wünsche mir, dass trotz dieses heftigen 0:11 der eingeschlagene Weg weitergegangen wird. Natürlich hauen jetzt alle auf den KFC ein. Der Verein wird große Probleme haben die Klasse zu halten. Das weiß jeder, der sich mit Fußball auskennt. Es werden fünf Klubs absteigen, und da die Klasse zu halten, wird sehr schwer. Dass man gegen die Topteams der Liga auch hohe Niederlagen kassieren kann, ist für mich keine Überraschung.

SPORT1: 0:6 gegen Oberhausen, 2:8 gegen Köln II und jetzt 0:11. Frustrierende Ergebnisse...

Funkel: Absolut. Und das ist sehr deprimierend. Da müssen jetzt alle durch - die Spieler und die Verantwortlichen. Noch mal: Ich sehe den eingeschlagenen Weg des KFC als richtig an. So, wie man jetzt in der Chefetage aufgestellt ist und wie man den Verein führt, darf sich keiner verrückt machen lassen. Es wird die eine oder andere hohe Niederlage dazukommen. Aber wichtig ist, dass dieser neue Zusammenhalt weiter zu spüren ist. Der darf nicht auseinander brechen durch solche Erlebnisse wie das 0:11. Ich sehe das positiv, so komisch das jetzt für Außenstehende auch wirken mag. Der KFC muss wieder gefestigt sein und gut geführt werden. Es darf keinen Schlingerkurs mehr geben.

SPORT1: Fans und User zeigen sich in den sozialen Netzwerken ebenso überrascht wie auch schadenfroh. In wortreicher Anspielung auf die Fastfood-Kette „Kentucky Fried Chicken“ - abgekürzt KFC wie die Uerdinger - hieß es etwa: „Bei KFC sind heute 11 Hühnchen im Angebot!“

Funkel: Damit muss der Verein leben. Nach dieser Niederlage gehört das dazu. Die Spieler und der Trainer müssen das verarbeiten und dann schnell abstreifen. Keiner verliert gerne mit 0:11. Wenn man aber die Begebenheiten kennt und ganz realistisch untersucht, dann kann so etwas in dieser Liga passieren. Das ist nicht schön, weiß Gott nicht, aber man muss sich bewusst sein, dass man mit den Spitzenmannschaften nicht mithalten kann. In Essen, Wuppertal oder Oberhausen spielen alles Profis mit einer ganz anderen Qualität. Da wird der KFC keine Chance haben. Gegen die Teams unten in der Tabelle wurden gute Ergebnisse erzielt. Ein Sieg und von den drei Remis hätte man das eine oder andere auch gewinnen können. Am Ende wird es nur leider nicht reichen die Klasse zu halten.

Funkel: Nach Abstieg „muss man weiter kämpfen“

SPORT1: Was passiert, wenn der KFC tatsächlich in die Oberliga absteigen muss?

Funkel: Dann muss man weiter kämpfen. Der KFC darf nicht komplett untergehen. Wenn aber der Neun-Punkte-Abzug, mit dem der Westdeutsche Fußball-Verband den Verein Anfang September belegt hat, rechtskräftig wird, hat man gar keine Chance mehr. Aber das ist ja noch nicht durch. Es wird sowieso schwer, fünf Teams hinter sich zu lassen. In der nächsten Saison muss man dann versuchen, als gefestigtes Team wieder um den Aufstieg in die Regionalliga mitzuspielen.

SPORT1: Nach dem Zwangsabstieg hatten Sie den Verantwortlichen angeboten, Gespräche über einen mögliche Zusammenarbeit zu führen. Hat es die eigentlich gegeben?

Funkel: Nein. Der Aufsichtsrat fragte mal an, ob ich gesprächsbereit wäre. Aber ich sagte den Herren, dass das momentan nicht in meine Lebensplanung passt. Ich werde da nichts machen, so sehr mir der Verein auch am Herzen liegt. Meine Sympathien für den KFC sind wieder sehr groß.

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SPORT1: Warum ausgerechnet jetzt?

Funkel: Weil ich sehe, unter welchen schwierigen Bedingungen die Verantwortlichen jetzt ordentliche Arbeit abliefern. Die ganze Geschichte mit Mikhail Ponomarev (im Frühjahr zurückgetretener Vorstand und Investor, Anm .d. Red.) habe ich sehr skeptisch gesehen. Da habe ich die Nähe zum Verein verloren. Jetzt ist das anders. Ich interessiere mich wieder für den KFC und schaue immer als erstes, wie der Klub am Wochenende gespielt hat. Eine ganz tolle Sache ist das mit den Supporters. Die KFC-Fans bauen schon einige Teile des Grotenburg-Stadions um, haben fast 300.000 Euro reingesteckt. Das ist einfach schön. Natürlich wird es Rückschläge geben. Diese neue Natürlichkeit im Verein tut gut, sie war total verloren gegangen unter der Leitung der Investoren und handelnden Personen in den zurückliegenden Jahren. Jetzt ist wieder ein Gefühl da, dass der KFC der Verein werden kann, der er einmal war. Fan-nah und mit Herz und Seele.

Funkel: „Die Delle jetzt tut weh“

SPORT1: Das nach einem 0:11 zu hören überrascht.

Funkel: Das mag sein, ich hätte dem Klub aber nicht zugetraut mit fünf, sechs Mannschaften mitzuhalten, nachdem im Sommer alles so spät zustande gekommen ist. Die Delle jetzt tut weh, aber so etwas kann im Fußball passieren. Wenn es auch nicht unbedingt ein 0:11 sein musste. Ich hoffe, dass sich die Jungs von dem Nackenschlag erholen.

SPORT1: War Ponomarev der Totengräber des Vereins?

Funkel: Das ist ein drastisches Wort. Aber er hat den KFC zumindest nicht so weitergebracht, wie er sich das gewünscht hat. Ponomarev war viel zu verschlossen und hat keine Kontakte außerhalb zugelassen. Nur zu Herrn Weinhart (der ehemalige Geschäftsführer Nikolas Weinhart, Anm. d. Red.) hatte er eine engere Verbindung. Ponomarev hatte keinen guten Draht zur Stadt und auch nicht zu den Medien. Das war einfach nicht gut. Es war keine Nachhaltigkeit da. Der Absturz war abzusehen.

SPORT1: Trotz guter Spieler.

Funkel: Ja, aber diese wurden wild zusammengekauft. Das Team war von der Altersstruktur schon über seinem Zenit. Es wurde viel Geld rausgeworfen, weil diese Profis für Drittliga-Verhältnisse viel zu viel verdient haben. Jetzt muss sich der Verein wieder mit ganz einfachen Mitteln stabilisieren. Die Fans spüren, wenn auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Zuletzt durfte man im Pokal zum ersten Mal in Krefeld in der Hubert-Houben-Kampfbahn spielen, weil dort die Auflagen nicht so krass sind wie in der 3. Liga. Da kamen rund 1800 Zuschauer. Wenn das Team jetzt in der Grotenburg spielen dürfte, würden 3000 bis 4000 Fans kommen. Das Potenzial ist also da, nur man muss Geduld haben.

SPORT1: Haben Sie eigentlich verstanden, warum sich Stefan Effenberg den Posten als Manager Sport unter Ponomarev angetan hat?

Funkel: Damals habe ich mich natürlich gefreut, dass so ein Name mit dem KFC in Verbindung gebracht wurde und er dann auch dort Verantwortung übernahm. Ich weiß bis heute nicht, warum es nur so kurz war. Ich hatte damals gehofft, dass durch Stefan eine Aufbruchstimmung entstehen kann. Aber am Ende ist wohl irgendetwas zwischen ihm und Ponomarev schief gelaufen. Es war schade, weil Stefan eine der größten Persönlichkeiten im deutschen Fußball ist.

Rückkehr zum KFC?

SPORT1: Sie wohnen noch in Krefeld. Ist es völlig ausgeschlossen, dass Sie doch wieder ein Amt beim KFC übernehmen werden?

Funkel: Man soll niemals nie sagen. Aber im Moment nicht. Meine Frau und ich haben einfach andere Dinge vor. Ich habe mein Leben lang gearbeitet. Wenn ich etwas mache, dann möchte ich das auch richtig machen. Dafür habe ich aktuell keine Zeit. Das hört sich zwar komisch an, weil ich Rentner bin. Aber der Fußball muss gerade etwas zurückstecken.


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