00Seb! Was für Vettel im Aston Martin spricht

Christian Paschwitz
Sport1

Sebastian Vettel wäre nicht Sebastian Vettel, würde er mit etwas anderem als Unaufgeregtheit reagieren auf die immer wilder werdende, fast schon tägliche Gemengelage aus Meldungen und Spekulationen hinsichtlich seiner Situation.

"Meine Zukunft ist weiterhin offen. Es ist gar nichts entschieden", sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister SPORT1 entsprechend kühl, darauf angesprochen, was denn dran sei an den Gerüchten über einen Wechsel zu Aston Martin.

Den Nachfolger des jetzigen Teams Racing Point als neuen Arbeitgeber für den bei Ferrari scheidenden Vettel hatte nach Ex-Red-Bull-Pilot David Coulthard zuvor auch Gerhard Berger ins Spiel gebracht.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

"So wie im Fahrerlager diskutiert wird, ist das Thema wahrscheinlich schon gelaufen. Ich kann mir vorstellen, dass Sebastian bei Racing Point auftauchen wird", so der frühere Toro-Rosso-Teamchef bei Servus TV - was die Bild dazu veranlasste, bereits Vollzug zu melden ("Vettel klar mit Aston Martin").


Vettel: "Vieles ist möglich"

Vettel lässt sich zwar alle Ausfahrten offen, betonte aber bei SPORT1, "vieles ist noch möglich. Auch ein Jahr Pause. Das Einzige, was sicher ist: Ich werde bis Saisonende alles versuchen, um mit Ferrari aus dem momentanen Tal zu kommen."

DAZN gratis testen und Sport-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Doch niemand glaubt ernsthaft, dass der 33-Jährige tatsächlich pausieren mag - geschweige denn seine Karriere beenden.

Umso mehr, als dass Vettel auch sagt, er wolle "weiterhin etwas erreichen" - während Aston Martin als Traditionsmarke das Establishment anzugreifen und den Glanz längst vergangener Tage aufzupolieren plant.

Wie wahrscheinlich jedoch ist es, dass die Kombination zwischen den Briten und dem deutschen Ausnahmepiloten nicht nur zustande kommt, sondern auch funktionieren könnte? SPORT1 ordnet ein, was dafür und was dagegen spricht.

- Vettel gehen die Optionen aus

Die Rückkehr zu Red Bull an die Seite von Max Verstappen würden Vettel und sein früherer Rennstall zwar gleichermaßen begrüßen, erscheint aber quasi ausgeschlossen wegen des besetzten zweiten Cockpits mit Alexander Albon, "der zur Hälfte Thailänder ist, und Red Bull gehört zu 51 Prozent Thailändern", wie Motorsportberater Helmut Marko bei SPORT1 einräumt.


Renault hat sich zudem die Dienste von Altmeister Fernando Alonso gesichert, Mercedes wiederum verlängert dem Vernehmen nach mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

Mangels wirklicher Alternativen stünde Aston Martin demnach Vettel recht gut zu Gesicht.

- Konkurrenz-Situation und neue Vorbild-Rolle

Auch wenn Lance Stroll als Sohn von Mehrheitseigner Lawrence Stroll beim Noch-Racing-Point-Team als unkündbar gilt und Sergio Pérez noch einen Vertrag bis 2022 besitzt - eine "Abfindungsklausel, die bis 31. Juli aktiviert werden kann", wie die Bild berichtet, könnte für Vettel den Weg frei machen.

"Wir haben langfristige Verträge mit beiden Fahrern. Da wäre es nur logisch, dass wir keinen Platz haben", meinte Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer zuletzt zwar. Es klang aber eher wie das übliche Poker-Geflunker der Branche denn wie eine definitive Absage an Vettel.

Jetzt die Spielewelt von SPORT1 entdecken - hier entlang! 

Fahrerisch unumstritten würde Vettel dem zwölf Jahre jüngeren Stroll als Nummer 1 und Mentor vorangehen, von seiner Erfahrung und Expertise dürfte das Werksteam vor allem langfristig profitieren.

Unklar allerdings, ob Vettel das überhaupt will und dies dem eigenem Anspruch gerecht wird: Schließlich hatte er nach den Ferrari-Desastern bei den ersten beiden Saisonrennen nach einem siegfähigen Auto gefleht und zuletzt angekündigt, nicht nur "teilnehmen oder Geld abgreifen" zu wollen.  

Andererseits dürfte gerade der Faktor Geld bei Aston Martin keine Rolle dabei spielen, wenn es darum und auch in Vettels Sinne geht, das Establishment um Mercedes anzugreifen. "Es könnte für ihn die einzige Alternative sein, mit der er auch Rennen gewinnen kann", sagt Berger.


- Besseres Image und Wohlfühl-Faktor

Zumal: Auch Vettel hat bei der Scuderia an Reputation eingebüßt - Fahrfehler, Kollisionen, Ausfälle, Druck und Erfolglosigkeit mündeten in einen Teufelskreis.

Ein Neustart könnte Gefühlsmensch Vettel von aller Last befreien und obendrein neue Popularität bescheren - schon wegen der Marke Aston Martin, in der Kult-Filmfigur James Bond unterwegs war. Hieße: Aus 007 würde 00Seb.

Aston Martin, Ende der 1950er-Jahre in die Formel 1 eingestiegen und 1960 noch vor Ende der Saison bereits am Ende mit seinem Engagement, profitierte wiederum von einem Imageschub durch Vettel, nicht zuletzt auch als Werbefigur und Zugpferd für den Absatz von Sportwagen.

Als Marke blieb den Engländern in den vergangenen Jahrzehnten die ganze große Aufmerksamkeit verwehrt - trotz unter anderem des Sponsorings bei Red Bull Racing (2016) und Engagements bei Honda (2019/Motorenlieferant).

Als künftiges Werksteam von Racing Point steht indes womöglich noch reichlich Ärger ins Haus: Nach dem Steiermark-GP hatte Renault Protest gegen den Boliden RP20 eingereicht - im Raum steht der Vorwurf, der "pinke Mercedes" sei eine illegale Kopie des 2019-Silberpfeils. Der Automobil-Weltverbandes FIA ermittelt aktuell dazu.


- Freundschaft zu Wolff - Verbindung zu Stroll

Apropos Mercedes. Ausgerechnet dessen Teamchef könnte am Ende womöglich zu Vettels mitentscheidendem Türöffner für Aston Martin werden. 

Toto Wolff ist seit längerem mit dem Heppenheimer befreundet, feierte auch bei Vettels 30. Geburtstag in der Schweiz mit. Und wenngleich bei den Silberpfeilen für Vettel kein Platz ist - als Aktionär von Aston Martin und Vertrauter von Racing-Point-Teamchef Stroll weiß ihn Wolff nun vielleicht dennoch dort unterzubringen.

Mehr noch: Kürzlich soll der Rennstall-Eigentümer in seinem Feriendomizil in Gstaad Vettel eingeladen und ihm bereits einen unterschriftsreifen Vertragsentwurf vorgelegt haben, berichtet Motorsport.total.

Lesen Sie auch