Chaos bei 1860: Jetzt muss Magath aufräumen!

Reinhard Franke
Sport1

Daniel Bierofka ist Geschichte beim TSV 1860 München!

Ein Satz, der für viele Fans des Münchner Traditionsvereins unvorstellbar war. Bis Dienstagabend, als der Verein den Rücktritt des 40-Jährigen bekannt gab.

Der Verein liegt mal wieder am Boden und erlebt seit dem Doppelabstieg 2016 einen weiteren Tiefpunkt.

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Die große Frage bei allen Anhängern: Wer kann jetzt helfen? Fragt man eine Löwen-Legende, lautet die Antwort: Felix Magath!

"König von Giesing" fordert Magath

"Jetzt braucht man einen Mann, der aufräumt", sagt Karsten Wettberg im Gespräch mit SPORT1. "Ein Felix Magath saß am Samstag im Stadion. Er wäre meiner Meinung nach der Richtige. Als ich Vizepräsident war, hatte ich zwei Mal gute Gespräche mit ihm", sagt der Ex-Trainer, der die Löwen Anfang der 90er Jahre in die 2. Liga führte und zu dieser Zeit den Spitznamen "König von Giesing" erhielt.

Magath wohnt in Grünwald, unweit des Trainingsgeländes der Löwen. "Er hat es nicht nötig, dass er etwas machen muss, aber 1860 könnte ihn reizen. Verkehrt wäre es nicht", meint Wettberg.

Das Wetter in München am Vormittag nach Bierofkas Rücktritt passte derweil zur Stimmung. Grau und trist. Und bei vielen Löwen-Fans herrscht Leere. Bierofka war einer von ihnen.


Wettberg: "Deshalb konnte ihn der Investor nicht umstimmen"

"Ich kenne den Daniel, er war immer ein gradliniger Typ, der so eine Entscheidung nicht zurücknimmt. Deshalb konnte ihn auch der Investor (Hasan Ismaik, d. Red.) nicht mehr umstimmen", erzählt Wettberg.

Der 77-Jährige hat ein Grundübel bei seinem Herzensverein erkannt. "Das läuft seit 20 Jahren schief, dass man ehemalige Spieler nicht reingelassen hat oder - wie jetzt den Daniel - vergrault. Da war immer eine Abneigung da, das habe ich schon gemerkt, als ich noch im Aufsichtsrat war. Dabei waren das immer Leute, die vom Fußball wenig Ahnung hatten oder zu Sechzig keine Beziehung aufbauen wollten."

Bierofka hatte entnervt hingeschmissen, nachdem unter anderem sein sehr hohes Gehalt in der Öffentlichkeit thematisiert wurde. Investor Ismaik sprach gar von Mobbing gegen den Ex-Nationalspieler.

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Lorant stellt sich hinter Bierofka

"Es ist ein Wahnsinn, was da passiert ist", ärgert sich auch Kult-Trainer Werner Lorant bei SPORT1. Der heute 70-Jährige führte die Sechziger innerhalb von zwei Jahren in die Bundesliga und qualifizierte sich mit ihnen 1997 für den damaligen UEFA-Cup. Einst war er Trainer Bierofkas (2000/2001).

"Daniel hat aber das Beste gemacht, was er machen konnte, weil es wäre sowieso nichts mehr geworden. Seine Tränen waren absolut echt. Viele Leute standen im Verein nicht mehr auf seiner Seite. Daniel hat mit diesem Schritt Charakter gezeigt. Er konnte am Ende einfach nicht mehr."  

"Charakterstark und ehrlich"

"Daniel war eine Identifikationsfigur, aber das interessiert in der heutigen Zeit leider keinen mehr, wie man jetzt sieht", bedauert Lorant. "Wichtig ist am Ende nur der Erfolg, auch bei Sechzig. Aber mit dem aktuellen Kader wäre Daniel nicht weit gekommen, dafür hat er schon das Beste rausgeholt. Er wollte auch nur Erfolg und nicht immer nur um die goldene Ananas spielen." 

Vielen im Umfeld soll Bierofkas gutes Verhältnis zu Investor Ismaik ein Dorn im Auge gewesen sein. Darüber kann Lorant nur laut lachen.

"Das ist totaler Blödsinn. Es war doch gut, dass er sich mit so einem Mann wie Ismaik, der Sechzig schon vor Jahren am Leben gehalten hat, gut versteht. Ohne den Investor wäre 1860 gar nicht mehr da. Man muss wissen, was wichtig ist und was nicht. Viele in dem Verein wollen nur ihr Ego durchsetzen."


Kein Ende für 1860

An das Aus des Vereins glaubt Lorant dennoch nicht. "Es gibt nie ein Ende. Die Verantwortlichen müssen nur endlich kapieren, dass es so nicht geht, wie es die vergangenen Jahre gelaufen ist."

"Sechzig ist mehr als ein Trainer, das hat Daniel selbst immer gesagt. Aber das, was einen echten Löwen ausmacht, das ist jetzt natürlich weg", ergänzt Wettberg.

Ob Magath das Löwen-Gen zurückbringen kann?

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