Zum dritten Mal Superteam - So narren die Heat die NBA

Raphael Weber
Sport1

Sie sind wieder da!

Will Smith und Martin Lawrence rocken in ihren Paraderollen als "Bad Boys" aus Miami wieder die Kinos und locken die Massen vor die Leinwand.


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Spektakel am South Beach ist garantiert. Und das nicht nur dank reichlich Schießereien im Hollywood-Streifen, der fetten Show beim Super Bowl LIV Anfang Februar - auch die Miami Heat sorgen in der NBA mittlerweile wieder für Aufsehen und sind dank smarter Moves zur Trade-Deadline plötzlich sogar wieder ein Titelkandidat.

Miami dank Pat Riley Titelkandidat

Zu verdanken ist das wieder einmal Mastermind Pat Riley.

Der Teampräsident lockte einst schon die Superstars Shaquille O'Neal und LeBron James nach Miami und hat die Heat nach dünnen Jahren ohne Titelchance mittlerweile wieder stark umgebaut. Aus dem Loch, in das die Franchise nach LeBrons überraschendem Abgang 2014 und der schweren Erkrankung samt späterem Karriereende von Co-Star Chris Bosh (2015, Blutgerinnsel in der Lunge) gefallen war, meldet sich Miami nun eindrucksvoll zurück.

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Während Stars wie Goran Dragic und oder Hassan Whiteside als Stützpfeiler zu wenig waren, hat Riley mit einer cleveren Jungendbewegung womöglich schon den Grundstein für die nächste Ära gelegt.

Miami mit jungen Stars zum Erfolg

Ungedraftete Spieler wie Kendrick Nunn (15,3 Punkte) oder Duncan Robinson (12,6 Punkte) sind im Playoff-Team der Heat auf einmal Starter und Leistungsträger, ebenso wie Slam-Dunk-Champ und Flügel-Klette Derrick Jones jr. (nur MVP Giannis Antetokounmpo zwingt seinen direkten Gegenspieler zu schlechteren Wurfquoten). Der Clou: Keiner aus diesem Trio ist älter als 26, keiner verdient mehr als 1,7 Millionen pro Saison - ein Witz im Vergleich zu ihrer aktuellen Leistung.


Aber nicht nur auf dem Free-Agent-Markt, auch im Draft greift Schlitzohr Riley zu: Super-Center Bam Adebayo (2017 an Position 14 gepickt) hat mit 15,8 Punkten, 10,4 Rebounds und 4,9 Assists herausragende Chancen auf den Award als Most Improved Player.

Rookie-Sensation Tyler Herro kam an Position 13 im Draft und hat sich in kürzester Zeit als eiskalter Distanzschütze in Drucksituationen einen Namen gemacht (Gamewinner gegen die Bulls und 76ers). Auch diese beiden sind günstig und noch bis mindestens 2021 unter Vertrag, selbst dann können die Heat Adebayo als Restricted Free Agent halten, wenn sie wollen.

Butler führt Heat an

Bei den Heat geht es Hand in Hand: Schlitzohr Riley gräbt die Juwelen aus und holt Stars mit immer wieder extrem smarten Moves - und Coaching-Genie Erik Spoelstra formt aus diesen Akteuren auch heuer wieder ein Team, das abliefert. Selbst Dragic, durch Nunns Sensations-Saison auf der Bank gelandet, zieht auch in kleiner Rolle mit und wurde zur Trade-Deadline gehalten.

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Anführer der jungen Heat-Truppe ist mit Jimmy Butler zum einen der erste echte Free-Agent-Kracher, den Riley seit LeBron an den South Beach locken konnte - und zugleich einer, der nach schmutzigen Abgängen in Chicago, Minnesota und Philadelphia schon als beschädigte Ware galt. In Miami ist allerdings bisher eitel Sonnenschein (nicht nur am Strand).

Für die dritte Ausgabe, die "Bad Boys For Life" wurden Miamis Kino-Helden Smith und Lawrence junge Co-Stars an die Seite gestellt - "Vikings"-Schauspieler Alexander Ludwig oder Beauty Vanessa Hudgens ("Highschool Musical", "Sucker Punch") - und auch in Miami soll es eine Mischung aus Alt und Jung richten.


Miami setzt auf Mischung aus Jung und Alt

Auch deshalb besserte Riley zur Trade-Deadline mit reichlich Erfahrung nach. Andre Iguodala kommt mit der Erfahrung von gleich drei NBA-Titeln mit den Golden State Warriors (bei den Memphis Grizzlies wollte er nie spielen und war daher günstig zu haben).

In Jae Crowder (ebenfalls aus Memphis) haben die Heat womöglich einen neuen Verteidigungsminister gefunden. In den ersten Spielen nach seinem Trade begeisterte der Kombo-Forward nicht nur mit gewohnt bissiger Defensivarbeit, sondern traf plötzlich auch vorne wieder den Wurf (18 Punkte im Schnitt in drei Spielen) - nach miesen Jahren bei den Cavs, Jazz und Grizzlies wäre sein Wiedererstarken in Miami auch wieder ein typischer Riley/Spoelstra-Coup.

Gerade defensiv haben die Heat jetzt genug Waffen, um nicht nur die Konkurrenz im Osten zu schocken. Aktuell ist Miami auf Platz vier, aber gegen dieses Team dürfte in den Playoffs keiner spielen wollen.

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Riley plant mit Heat für Zukunft

Für MVP Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks steht in Crowder, Iguodala, Jones und auch dem sehr mobilen Center Adebayo (oder beispielsweise einen LeBron James in einem möglichen Finale) eine ganze Batterie fähiger Verteidiger bereit, mit der schieren Masse an Top-Defendern muss sich Miami auch vor anderen Top-Teams wie den Raptors, Celtics oder Sixers nicht fürchten.

Aber nicht nur dieses Jahr steht im Fokus - wer Riley kennt, weiß, dass er schon vorausplant, genauer: den fetten Free-Agent-Sommer 2021.

Denn wie Smith und Lawrence setzt der Teampräsident zum dritten großen Wurf an: 2004 holte er Superstar O'Neal nach Miami, der zusammen mit einem jungen Dwyane Wade zwei Jahre später Dirk Nowitzki den Titel entriss, 2010 baute er die legendären Big Three um LeBron James, Chris Bosh und Dwyane, die zwei NBA-Titel einfuhren (2012, 2013).


Dank Rileys Moves (kaum lange, viele günstige Verträge) steht mit Butler (34 Mio.) 2021 nur ein Großverdiener fix in den Büchern und die Heat können mit satten 49 Millionen Cap Space auf die Jagd nach Free Agents zu gehen (bei der bisher vermuteten Erhöhung der Gehaltsobergrenze womöglich sogar 54 Millionen).

Antetokounmpo, LeBron, Davis auf dem Markt

Wer da so auf dem Markt ist?

Als Unrestricted Free Agent unter anderem Giannis Antetokounmpo, Anthony Davis (Los Angeles Lakers) und Bradley Beal (Washington Wizards).

Donovan Mitchell (Utah Jazz) und Jayson Tatum (Boston Celtics) wären immerhin Restricted Free Agents - und per Spieler-Option könnten sich dann Kawhi Leonard, Paul George (beide Los Angeles Clippers) oder Chris Paul (Oklahoma City Thunder) ein neues Team suchen.


Wer noch? Ein gewisser LeBron James kann bei den Los Angeles Lakers ebenfalls vorzeitig aus seinem Deal aussteigen. Würde es Schlitzohr Riley tatsächlich schaffen, den "King" nochmal für ein Superteam an den South Beach zu locken?

Das anzunehmen wäre vielleicht doch ein wenig vermessen, ebenso wie Miami direkt zum kommenden NBA-Champion hochzujubeln. Aber die Heat sind dank Riley definitiv wieder da, wie die "Bad Boys" eben.

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