5 Jahre nach Bianchis Unfall: "Ein mulmiges Gefühl bei Suzuka"

Sarah Valentina
Sport1

Liebe Motorsport-Freunde,

fünf Jahre ist es nun her, dass mein guter Freund Jules Bianchi einen tragischen Unfall in Suzuka hatte, der ihn später das Leben kostete.


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Genau wie dieses Wochenende (Formel 1: Rennen aus Suzuka am So. ab 7.10 Uhr im LIVETICKER) wurde auch damals das Qualifying verschoben, ein Taifun fegte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 144 Kilometern pro Stunde über die Südwestküste Japans hinweg. Das ganze Wochenende stand schon unter einem schlechten Stern.

Felipe Massa meinte, er habe so etwas noch nie erlebt und dass er gar nichts sehen konnte. Es ist umstritten, vielleicht hätte man gar nicht oder später fahren sollen. Aber das setzte sich aufgrund der Fernsehübertragungen nicht durch.

Es schien irgendwie klar zu sein, dass das Rennen nicht gutgehen konnte. Fahrer und Bekannte vor Ort, die ich aus der Formel 1 kenne, haben mir Nachrichten geschrieben, dass sie kein gutes Gefühl hätten. Für mich selbst war das alles schwierig nachzuvollziehen, da ich in München saß und nicht in Suzuka.

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Bianchi rast in Abschleppkran

Und dann ereignete sich die Tragödie: Ich habe den Crash im Sky-Studio miterlebt. Zuvor gab es den Unfall von Adrian Sutil in derselben Kurve. Der Abschleppkran stand daher noch in der Kurve.

Auf Fanvideos ist zu sehen, wie der Kran gerade den Wagen von Sutil abschleppte. Als nächstes sieht man, wie Jules ungebremst mit dem Kopf unter den Kran fuhr. Die FIA urteilte später, Bianchi habe nicht genug verlangsamt. Bei Fans ist das Urteil allerdings umstritten.

Zunächst haben wir im Studio gar nicht mitbekommen, dass es einen zweiten Unfall gab. Alle haben über Sutil gesprochen. Ich habe als Erste eine Nachricht bekommen, dass Jules einen Unfall hatte. Dann kam raus, dass der zweite Unfall eigentlich der schwerere war, den man gar nicht auf dem Schirm hatte. Zuerst hieß es, Jules sei tot. Dann hat sich herausgestellt, dass er noch lebt.

Im November konnte Jules sogar in seine Heimatstadt Nizza gebracht werden, nachdem er selbstständig atmen konnte. Doch am 17. Juli 2015 erlag er im Krankenhaus dort leider seinen Verletzungen.


Verkettung unglücklicher Umstände

Es war einfach eine Verkettung von unglücklichen Umständen. Sie konnten Jules nach dem Unfall nicht mit dem Helikopter ins Krankenhaus bringen, sondern mussten mit einer Ambulanz fahren.

Daher hat es Stunden gedauert, bis Jules im Krankenhaus ankam. Nach Reglement muss der Helikopter fliegen können, sonst darf das Rennen nicht stattfinden.

Es war wirklich tragisch. Später gab es ein Interview mit Sutil, der geschockt war. Denn hätte der Kran nicht in dieser Ausfahrtzone der Kurve gestanden, wäre nichts passiert.

Tattoo mit Nummer 17 am Finger

Jules und ich standen uns sehr nahe. Im nächsten Jahr hätte er eigentlich bei Ferrari fahren sollen. Es war immer unser Running Gag, dass ich ihn dann auch mal interviewen kann, wenn er vorne mitfährt.

Die Erinnerungen an ihn trage ich heute noch nah bei mir. Ein Tattoo mit der 17, seiner Startnummer, ziert meinen Ringfinger. Wer weiß, was wir noch alles von ihm hätten sehen können.

Erst kürzlich war ich in Bandol, wo ein Benefiz-Fußballspiel im Rahmen des Formel-1-Rennens in Paul Ricard stattfand. Dort haben sich auch Formel-1-Stars wie Charles Leclerc, Felipe Massa und Daniel Ricciardo versammelt.

Es war das erste Benefizspiel für die Association Jules Bianchi, die Leute unterstützt, die ein schweres Schädelhirntrauma erlebt haben. Auch Jules' Eltern waren dort. Er ist noch in den Herzen aller.


Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht

Nach dem Unfall gab es einige Änderungen bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen, wie die Einführung des Virtual Safety Cars. Hätte man das schon 2015 gehabt, wären alle langsamer gefahren und dann wäre dieser Unfall wahrscheinlich nicht passiert. Das ist vielleicht auch das Positive, das aus diesem tragischen Unfall hervorgeht.

An einem Wochenende wie diesem kommen Erinnerungen hoch. Ich habe ein mulmiges Gefühl, wenn ich auf das Rennen in Suzuka blicke. Es muss extrem sein, wenn das Qualifying verschoben wurde.

Früher war Suzuka eine meiner Lieblingsstrecken - heute ist sie das definitiv nicht mehr.

Eure Sarah Valentina

Sarah Valentina gehört seit 2015 zum Moderatorenteam von SPORT1. Als Frau berichtet sie vor allem von Sportarten in Männerdomänen, unter anderem berichtet die langjährige ZDF/Phoenix- und Sky-Journalistin live vom ADAC GT Masters, dem Porsche Carrera Cup und anderen Rennserien im "Home of Motorsport" sowie von nationalen und internationalen Box-Events.

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