Bayer mit Pleite nach Witz-Rot: Bosz sauer auch auf Bellarabi

SID
·Lesedauer: 4 Min.

Bayer 04 Leverkusen verliert am zweiten Spieltag der Europa League gegen Slavia Prag. Die Bosz-Elf muss das Spiel fast 70 Minuten lang in Unterzahl bestreiten.

Bayer Leverkusen hat trotz einer kämpferischen Leistung in der Europa League einen Rückschlag kassiert.

Die Werkself, die nach einer frühen und äußerst umstrittenen Roten Karte gegen Karim Bellarabi (22.) knapp 70 Minuten in Unterzahl spielen musste, verlor beim tschechischen Meister Slavia Prag mit 0:1 (0:0).

Der erfahrenen schottischen Schiedsrichter William Collum stellte den Außenstürmer für ein zu spätes Tackling vom Platz - obwohl Bellarabi vorher ausgerutscht war und seinen Gegenspieler nicht schwer traf.

Joker Peter Olayinka (80.) schockte Bayer mit einem platzierten Kopfball in der Schlussphase.

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Bosz stellt auf sieben Positionen um

"Natürlich haben wir uns das Leben mit der Roten Karte schwer gemacht. Wir haben nicht zu viele Chancen zugelassen. Das Gegentor war aber unnötig. Schade, dass es nicht 0:0 oder 1:1 ausgegangen ist", sagte Bayer-Keeper Lukas Hradecky, der in der 65. Minute einen eigens verursachten Foulelfmeter parierte, bei Nitro.

Peter Bosz empfand die Niederlage als "völlig unnötig". Er sah aber vor allem die rote Karte als spielentscheidene Szene: "...es ist schwierig, wenn man ab der 22. Minute mit zehn Mann spielen muss. Vorher hatten wir gut gespielt, aber dennoch: Auch zu zehnt dürfen das Spiel nicht verlieren", erklärte er am Nitro-Mikrofon.

Bosz machte Bellarabi für dessen zumindest ungestümes Einsteigen zum Mitschuldigen.

"Einige sagen, dass es keine Rote Karte war. Aber es war ein Foul", so der Coach über die Aktion an der seitlichen Mittellinie: "Und meiner Meinung nach war es völlig unnötig, dort überhaupt zu foulen."

Bosz auch sauer auf Bellarabi

Auf die Frage, ob er eher mit Bellarabi oder mit dem Referee ein ernstes Gespräch führen müsse, entgegnete Bosz sauer: "Mit beiden nicht. Denn das macht keinen Sinn."

Eine Woche nach dem 6:2-Auftakterfolg gegen OGC Nizza standen Bayer-Trainer Peter Bosz in Ex-Kapitän Lars Bender (Nackenprobleme), Stürmer Patrik Schick (Muskelfaserriss), Santiago Arias (Wadenbeinbruch), Paulinho (Reha nach Kreuzbandriss), Kapitän Charles Aranguiz (Achillessehnenprobleme) und kurzfristig auch Exequiel Palacios eine Reihe an Spielern nicht zur Verfügung.

"Palacios ist krank, aber keine Sorge, er hat kein Corona – er ist gestern und heute getestet worden", hatte der niederländische Coach am Mittwoch gesagt.

Bosz hatte angesichts der hohen Belastung der vergangenen Wochen eine große Rotation angekündigt und vollzog diese auch.

Insgesamt stellte der Niederländer sein Team im Vergleich zum 3:1-Sieg gegen den FC Augsburg am Montag auf gleich sieben Positionen um. Unter anderem zugunsten von Nationalspieler Jonathan Tah, der zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an auf dem Platz stand.

Auch Tin Jedvaj feierte seinen Einstand nach seiner Rückkehr aus Augsburg nach der Leihe.

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Bellarabi sieht rot

Im ersten Aufeinandertreffen beider Klubs vergab Bellarabi nach einem haarsträubenden Fehlpass von Slavia-Keeper Ondrej Kolar früh die erste Möglichkeit für Leverkusen (3.).

Die Werkself riss das Spiel in der Anfangsphase an sich und hatte teilweise mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Prag stand in einem kompakten 4-5-1 extrem tief.

Im Mittelfeld kam Bayer dadurch kaum zur Entfaltung, Kerem Demirbay und Toptalent Florian Wirtz wurden im Zentrum gut kontrolliert. Dann fehlte dem erfahrenen schottischen Schiedsrichter William Collum das Fingerspitzengefühl, als er Bellarabi für ein zu spätes Tackling zu Unrecht vom Platz stellte.

Zuvor führte Demirbay aus guter Position einen Freistoß schwach aus (21.).

Am Spielgeschehen änderte der frühe Platzverweis nichts. Bayer investierte weiter viel, Prag ließ jedoch nichts zu. Die erste nennenswerte Aktion der Gastgeber war ein Kopfball von Lukas Provod (31.).

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Hradecky verursacht Elfmeter und hält ihn

Prag war die fehlende Spielpraxis merklich anzusehen. In der heimischen Liga ruht der Spielbetrieb aufgrund der Coronakrise. In den vergangenen dreieinhalb Wochen absolvierte Slavia lediglich eine Partie.

Auf der Gegenseite verzog Demirbay einen sehenswerten Freistoß vor der Pause nur knapp (40.), Tomas Holes prüfte Bayer-Torwart Lukas Hradecky (43.).

In der Halbzeit brachte Bosz Leon Bailey für Lucas Alario, der nach den starken Leistungen der vergangenen Wochen nicht in Erscheinung getreten war.

Wirtz rückte dafür in die Spitze. Zunächst geschah nicht mehr viel in der Eden Arena, bis Hradecky gegen den eingewechselten Olayinka zu spät kam und einen Foulelfmeter verursachte. Seinen Fauxpas bügelte er mit seiner Parade selbst aus (65.).

Trotzdem schlug Olayinka nach einer Ecke doch noch zu.

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