Als ein Kinnhaken die längste Siegesserie der NBA beendete

Stefan Schnürle
Sport1

Dank ihres Super-Duos LeBron James und Anthony Davis sind die Los Angeles Lakers in dieser Saison einer der Topfavoriten auf den Titel.

Aktuell führen sie souverän die Western Conference an. Zwischenzeitlich hatten die Kalifornier sogar zehn Partien in Folge gewonnen. (Tabellen der NBA)

Keine schlechte Leistung - doch sie wirkt geradezu mickrig im Vergleich mit dem historischen Kunststück, welches die Lakers um die NBA-Ikonen Wilt Chamberlain und Jerry West vor 48 Jahren schafften.

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Lakers starten historische Rekordserie

Jene Lakers starteten am 5. November 1971 eine Siegesserie, die es so in den großen US-Ligen noch nie zuvor gegeben hat - und bis heute unerreicht ist. Los Angeles gewann 33(!) Spiele in Folge – und das mit durchschnittlich 17 Punkten Unterschied. 

Am 9. Januar 1972 trafen die teilweise wie im Rausch spielenden Lakers schließlich auf die Milwaukee Bucks mit deren Superstars Kareem Abdul-Jabbar und Oscar Robertson. Die Bucks hatten in der Vorsaison nicht nur den Titel, sondern auch 66 Spiele in der Regular Season gewonnen.

Bucks-Coach Larry Costello kündigte bereits vor dem Match in der New York Times an: "Wir werden sie schlagen. Wir sind die Champions. Alles, was sie haben, ist die Serie."

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Duell zwischen Chamberlain und Abdul-Jabbar

Es war vor allem das Duell zwischen Chamberlain auf Seiten der Lakers und Bucks-Superstar Abdul-Jabbar. 

Dieser kannte sich mit Rekordserien bestens aus – in der Highschool gewann er mit Power Memorial 71 Spiele in Folge. Dementsprechend heiß war er darauf, diese Serie der Lakers zu durchbrechen – und zwar mit allen Mitteln.

Als Lakers-Spieler Harold "Happy" Hairston ihn im zweiten Viertel gefoult hatte, rächte Abdul-Jabbar sich mit einem Kinnhaken. Hairston blieb daraufhin sekundenlang bewegungslos liegen.


"Ich habe die Fassung verloren", sagte Abdul-Jabbar dazu. Hairston war sauer: "Klar, ich habe ihn gefoult. Fouls sind ein Teil des Basketballs. Aber Schlagen ist das nicht."

Abdul-Jabbar hatte Glück und erhielt lediglich ein persönliches Foul. Nur ein Rauswurf von ihm hätte die Rekordserie der Lakers retten können. Denn Abdul-Jabbar war an diesem Abend nicht zu stoppen. Am Ende standen 39 Punkte, 20 Rebounds und fünf Assists auf seinem Konto.

Lakers leisten sich zu viele Ballverluste

Zu viel für die Lakers, die selbst keinen guten Tag erwischt hatten, sich 24 Ballverluste leisteten und zudem nur 39,3 Prozent aus dem Feld trafen. Auch Chamberlain blieb mit 15 Punkten, zwölf Rebounds und sechs Blocks für seine Verhältnisse eher blass.

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Über 10.000 Fans in der Milwaukee Arena durften sich daher über den 120:104-Sieg der Bucks und das gleichzeitige Ende der einzigartigen Lakers-Serie freuen. 

"Wir haben es verloren. Milwaukee hat es nicht gewonnen", sagte Lakers-Forward Jim McMillian nach der Partie und bewies bei der Los Angeles Times zugleich hellseherische Fähigkeiten: "Heute ist eine Serie geendet, die kein anderes Team je erreichen wird, glaube ich."

Nach der Niederlage erklärte die Zeitung dennoch, dass sie ab sofort keinen Reporter für Auswärtsspiele extra mitschickt. Die Begründung lautete: "Warum sollten wir Niederlagen begleiten?"


Los Angeles vergoldet Traumsaison mit Titel

Viele hätten sie sowieso nicht begleiten müssen. Nach der Regular Season stand die sensationelle Bilanz von 69 Siegen und 13 Niederlagen auf dem Konto der Lakers - ein NBA-Rekord, der erst von den Chicago Bulls um Michael Jordan 1996 geknackt wurde.

In den Conference Finals kam es erneut zum Duell mit den Bucks, was Chamberlain und die Lakers mit 4:2 für sich entschieden. Die Revanche war geglückt, in den Finals ließ das Team den New York Knicks in fünf Spielen nur wenig Chancen.

Der Fluch von acht Finalniederlagen - allein sieben davon in den 60er-Jahren - war damit gebrochen und die Rekordserie vergoldet.

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