"Absolut kein Interesse": Ohne Budgetgrenze wäre Renault ausgestiegen

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Die Initiative der Formel 1, ab 2021 eine Budgetobergrenze von (zunächst) 145 Millionen US-Dollar pro Jahr und Team einzuführen, darf sich ihren ersten großen Erfolg an die Brust heften. Der Renault-Nissan-Konzern hat vergangene Woche bekannt gegeben, weiterhin mit einem eigenen Werksteam Grand-Prix-Sport zu betreiben. Eine Entscheidung, die ohne das "Cap" so nicht gefallen wäre.

Teamchef Cyril Abiteboul bestätigt in einem Interview mit 'motorsport.com', dass die Ausgangslage "sehr klar" war, weil es vor Einführung der Budgetobergrenze "keine Chance" gegeben hätte, "vom zweiten ins erste Glied aufzurücken". Renault habe "absolut kein Interesse" daran gehabt, unter solchen Rahmenbedingungen weiterhin Formel 1 zu machen. "Aber durch die Budgetobergrenze und die neuen technischen Regeln ändert sich das."

Renault-Nissan hatte bereits 2019, also lange vor Ausbruch der Coronakrise, ein Milliarden-Sparprogramm im Konzern angekündigt und angedeutet, dass auch das Formel-1-Engagement überprüft werden könnte. In Ermangelung neuer Concorde-Verträge hätte Renault Ende 2020 die Möglichkeit gehabt, ohne Strafzahlung auszusteigen.

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Vergangenen Freitag gab Interims-CEO Clotilde Delbos dann aber bekannt, dass Renault angesichts der veränderten Rahmenbedingungen bleiben wird. Dass der Konzern so entschieden hat, obwohl 15.000 Arbeitsplätze gestrichen und zwei Milliarden Euro eingespart werden sollen, gilt als starkes Signal für die zukünftige Tragfähigkeit der Plattform Formel 1.

Interims-CEO Clotilde Delbos bei der Pressekonferenz am Freitag in Paris

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Interims-CEO Clotilde Delbos bei der Pressekonferenz am Freitag in Paris Renault

Renault

Wer hinter den Kulissen die Fäden gezogen hat

"Wir haben uns seither immer dafür eingesetzt und Lobbying betrieben, und mit den jüngsten Bekanntgaben der Formel 1 gab es keinen Grund mehr dafür, nicht öffentlich zu sagen, dass Renault weiterhin voll engagiert ist", so Abiteboul.

Was er mit "Lobbying" meint, entzieht sich unserer Kenntnis. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass der französische Nationalheld Alain Prost, ein Berater des Renault-Teams, sowohl beim Konzernvorstand als auch bei den politischen Entscheidungsträgern sein Gewicht in die Waagschale geworfen hat. Schließlich ist der Staat Frankreich zu 15 Prozent an Renault beteiligt.

Abiteboul bestätigt Prosts Rolle nicht explizit, sagt aber: "Wir haben ziemlich regelmäßig die Gelegenheit, uns mit dem Vorstand von Renault zu treffen. Wir berichten laufend, was in unserer Welt los ist - eine Welt, die sich sehr stark vom Bereich der Straßenautos unterscheidet."

Jenes Gipfeltreffen, das schlussendlich am Freitag zum Renault-Bekenntnis zur Formel 1 geführt hat, sei keineswegs eine einmalige Sache gewesen. Das Team bekomme laufend Gelegenheit, die Vorteile des Engagements zu präsentieren, versichert Abiteboul.

"Wir hatten mehrere Gelegenheiten, über die Richtung zu sprechen, die die Formel 1 einschlägt. Aus strategischer Sicht, aber auch in puncto Marketing - was unternommen wird, um die Show zu verbessern, die Marketing-Plattform wertvoller zu machen und die Kosten vernünftiger zu gestalten. Nicht nur die Kosten für die Teilnahme, sondern vor allem die Kosten dafür, konkurrenzfähig zu sein."

Mit Bildmaterial von LAT.

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