Alexander Albon auf P4: War der Wechsel auf Intermediates ein Fehler?

Maria Reyer
·Lesedauer: 6 Min.

Alexander Albon egalisiert im Qualifying zum Grand Prix der Türkei sein bestes Qualifying-Ergebnis mit Platz vier. Allerdings liegt der Thailänder nach einem nassen Zeittraining, das immer wieder unterbrochen wurde, knapp 1,4 Sekunden hinter Teamkollege Max Verstappen. Der Niederländer wurde auf dem Weg zu einer überlegenen Pole-Position nur von Überraschungsmann Lance Stroll gestoppt.

"Wir haben uns eigentlich sehr gut gefühlt und es ist schon ärgerlich, wenn man immer vorn ist und dann, wenn es wirklich zählt, hat es nicht geklappt", resümiert Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko das Zeittraining aus seiner Sicht bei 'Sky'.

Die Startplätze zwei und vier seien eine "sehr gute Ausgangsposition" für das morgige Rennen, ist er froh. "Das kann morgen ganz schön spannend werden." Ohne die rosarote Konkurrenz hätte Red Bull gar die erste Startreihe am Sonntag eingenommen.

"Diffizil, die Reifen ins richtige Fenster zu bringen"

Doch Stroll auf der Pole-Position und Sergio Perez auf Rang drei drängten sich zwischen Verstappen und Albon. Der Kanadier war auf seiner schnellsten Runde knapp drei Zehntelsekunden schneller auf dem Intermediate als der Niederländer, der bis Q3 alle Sessions in Istanbul souverän angeführt hatte.

Selbst Marko war von der starken Leistung der Außenseiter überrascht: "Ja, vor allem in Sektor 2 war sehr überraschend, dass die so eine tolle Zeit hingelegt haben. Aber wie gesagt, es ist ganz diffizil, die Reifen hier ins richtige Temperaturfenster zu bringen."

Das ist den Racing-Point-Piloten auf dem grün markierten Pneu am besten gelungen. Red Bull hatte hingegen im letzten Versuch Mühe, die starke Pace, die man zuvor noch auf den Regenreifen gezeigt hatte, zu wiederholen. Verstappen unter anderem auch deshalb, weil er in der Outlap hinter Kimi Räikkönen feststeckte.

"Diese eineinhalb Runden haben uns die Pole-Position gekostet", glaubt Marko. Während der Niederländer die Konkurrenz bei schwierigen Bedingungen teilweise um mehrere Sekunden abhängen konnte, war auch Teamkollege Albon immer wieder in seiner Nähe zu finden.

Bereits am Ende des Q1 belegte der Thailänder nach einer langen Unterbrechung den zweiten Rang hinter der Nummer 33 (+1,946 Sekunden). Ein ähnliches Bild zeichnete sich in Q2 ab, beide Red Bull waren erneut an der Spitze zu finden, Albon hielt weiterhin einen Respektabstand ein (+1,989 Sekunden).

Im letzten Qualifying-Abschnitt ging Albon zunächst auf dem Regenreifen auf die Strecke, im letzten Run steckte er schließlich auf die Intermediates um. Im Nachhinein womöglich ein Fehler? "Wir haben das schon ein wenig in Q1 kommen sehen", meint er.

Wechsel auf Inters: "Haben es schon in Q1 kommen sehen"

"Nur Racing Point und Lando [Norris] konnten zur richtigen Zeit auf den Inters rausfahren. Wir mussten gleich an die Box fahren und Regenreifen aufziehen. Das war in Q3 das Gleiche", so Albon. Bis zu jenem Zeitpunkt habe er sich wohl gefühlt, allerdings hatte er Schwierigkeiten, die Reifen zum Arbeiten zu bringen.

Deshalb merkt Marko in seiner Analyse nach dem Qualifying auch an: "Wir hätten auch mit den Regenreifen draußenbleiben können und hätten trotzdem die Pole [geholt]." Albon pflichtet ihm bei, indem er sagt: "Wir konnten [die Inters] einfach nicht zum Leben erwecken."

Mit einer Runde nach der anderen habe sich der Grip immer ein wenig verbessert, doch bei den nassen Bedingungen und kühlen Temperaturen seien die Reifen nie im optimalen Fenster gewesen. "Das war frustrierend, da wir am gesamten Wochenende recht stark ausgesehen haben." Deshalb ist er mit Rang vier auch nicht restlos zufrieden.

Trotz des kleinen Dämpfers am Ende der Q3-Session ist Red Bull mit der Leistung des gescholtenen 24-Jährigen zufrieden. "Alex war das ganze Wochenende stark und war eigentlich immer unter den Top 5, also hoffen wir, dass diese Performance auch im Rennen anhält", so der Red-Bull-Motorsportkonsulent.

Albon stimmt zu: "Schon vom ersten Training weg haben wir recht gut ausgesehen. Die Pace war sehr stark. Auf meiner Seite der Garage haben wir an diesem Wochenende ein paar Dinge ausprobiert, um mehr Selbstvertrauen zu gewinnen. Das ist bei diesen Bedingungen alles, was du brauchst."

Die Bedingungen haben jedenfalls "keinen Spaß gemacht", bekräftigt er. "Ich kann verstehen, dass es den Leuten gefallen hat. Mir würde es auch gefallen, wenn ich nicht fahren müsste." Abgesehen von den persönlichen Präferenzen steht für Albon aber ein ganz anderer Aspekt im Vordergrund: die Gefahr.

"Hatten Glück, dass es keinen schweren Unfall gab"

"Es geht vielmehr um die Gefährdung. Wir hatten heute sehr viel Glück, dass es keinen schweren Unfall gegeben hat. Es war ein paar Mal sehr knapp, vor allem in Kurve 3. Ich mag schwierige Bedingungen gern, aber gleichzeitig war das eher schon extrem gefährlich."

Ebenso heikel war jene Situation zu Beginn von Q2, als die Streckenposten noch mit der Bergung des verunfallten Williams-Boliden von Nicholas Latifi beschäftigt waren, die Strecke von der Rennleitung allerdings wieder freigegeben wurde.

"Habt ihr gesehen, dass der Kran noch [in der Auslaufzone] war, als wir wieder rausgefahren sind? Das war nicht wirklich gut", kann es Albon kaum glauben. Er kann sich die Szene nur damit erklären, dass die Verantwortlichen das Qualifying noch vor Sonnenuntergang zu Ende bringen wollten.

"Aber das war dumm. Und ich bin sicher, dass wir noch fünf Minuten warten hätten können." Erinnerungen an den fatalen Unfall von Jules Bianchi in Japan 2014 kamen auf. Albon glaubt, dass es eine "Fehleinschätzung" gegeben hat. Ebenso unnötig empfindet er die Neuasphaltierung der Strecke.

Für das Rennen am Sonntag erwartet er trockene Bedingungen, was zu einem anderen Problem führen könnte: "Das Ding ist, das Graining ist so schlimm. Wenn man wenig Grip hat, dann wird es nur noch schlimmer", warnt er. "Also mal sehen, wie das wird."

Er kann sich vorstellen, dass manche Fahrer auf eine Einstoppstrategie gehen, manche auch auf zwei Stopps. Am Start wird das gesamte Feld freie Reifenwahl haben. "Das wird eines der Rennen werden, wo jeder flexibel agieren wird müssen. Wir werden alles im Blick haben. Aber ich würde meinen, unsere Pace ist stark."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.