Alles nur Show? Djoker-Verletzung sorgt für Wirbel

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 3 Min.

Es war eine ziemliche Machtdemonstration.

Glatt in drei Sätzen (6:3, 6:4, 6:2) machte Novak Djokovic kurzen Prozess mit der russischen Turnier-Überraschung Aslan Karatsev, schaffte damit zum neunten Mal den Sprung ins Finale bei den Australian Open. (SERVICE: Alles zum Tennis)

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Am Sonntag nun will der Tennis-Superstar, der bisher bei jeder Endspielteilnahme auch den Titel gewann, erneut triumphieren - und sich dabei ebenso wenig von Daniil Medvedev (Russland) aufhalten lassen, der im zweiten Halbfinale Stefanos Tsitsipas aus Griechenland ausgeschaltet hatte. (Australian Open: Finale Novak Djokovic - Daniil Medvedev So. ab 9.30 Uhr im LIVETICKER)

Doch schon vorher gibt es Gesprächsbedarf um den Djokovic - und abhängig von dem Ausgang des Endspiels wohl noch mehr hinterher. (Kalender der ATP-Saison 2021)

Vorwurf: Täuscht Djokovic Verletzung nur vor?

Dabei geht es weniger um den möglichen 18 Grand-Slam-Sieg des Djokers, was nur zwei Erfolge weniger wären als die der Führenden Roger Federer und Rafael Nadal. Und auch nicht um die Tatsache, dass der Djoker so oder so in seine 311. Woche als Nummer 1 der Welt geht und damit Federer als bisherigen Rekordhalter ablöst.

Vielmehr geht es um Vorwürfe, Djokovic sei unehrlich, der Serbe würde Verletzungen nur vortäuschen.

Von Simulieren ist da hinter vorgehaltener Hand die Rede, rückblickend auf Gestus und Rhetorik des 33-Jährige in der 3. Runde gegen Taylor Fritz. Zu Erinnerung: Zweimal nahm Djokovic, bei dem es spielerisch alles anderes als rund lief, ein Medical Timeout. Am Ende war er doch erfolgreiche im Fünf-Satz-Krimi.

Hinterher sagte er die obligatorische Pressekonferenz ab, nachdem er auf dem Court noch erklärt hatte: "Ich weiß nicht, ob ich mich in weniger als zwei Tagen davon erholen werde. Ich weiß nicht, ob ich wieder auf den Platz gehen kann oder nicht."

Der Rest ist bekannt: Djokovic behauptete sich danach souverän gegen Milos Raonic, glänzte im Viertelfinale auch gegen Alexander Zverev, ohne dabei allzu sehr an der erwähnten Bauchmuskel-Blessur zu leiden.

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Djokovic wehrt sich mit Dokumentation

Alles also nur Show - oder üble Unterstellung? Tennis-Legende Boris Becker nimmt den Ex-Schützling in Schutz und erklärt bei Eurosport, man müsse "die Kirche im Dorf lassen".

Djokovic selbst wehrt sich nun ebenfalls und geht zum Gegenangriff über - mit einer Dokumentation. Intime Einblicke gewährendes Filmmaterial soll zeigen, wie sehr die Tennis-Ikone in den vergangenen Monaten körperlich und mental auf der letzten Rille lief.

"Erholung bestimmt in den letzten fünf Tagen meine Tage zu 100 Prozent", sagte er seinem Landmann und Journalisten Saša Ozmo. "Ich mache eine Dokumentation. Wir zeichnen eine Menge Dinge auf, die ich in den vergangenen Monaten erlebt habe."

Die Kritiker sollen eines Besseren belehrt werden, wenn das Werk Ende des Jahres erscheinen soll.

Was die Australian Open und die Gegenwart anbelangt, erklärte der Weltranglisten-Erste schon mal: "Was wir hier sehen, ist nicht normal. Es hat offensichtlich etwas mit den Umständen zu tun, denen wir derzeit ausgesetzt sind."

Mit Verweis auf die lange Quarantäne in ein Vorbereitungsturnier führte er unterschwellig drohend an: "Hoffen wir, dass es ein temporärer Zustand ist. Aber ich will wissen, wie die Tour nach Australien aussehen wird. Denn ich weiß aus vielen Gesprächen mit anderen: Sollte es so weitergehen, führt die Mehrheit die Saison nicht fort."