Jetzt also doch: Williams bestätigt Russell erneut für 2021

Maria Reyer
·Lesedauer: 4 Min.

Williams bestätigt in Imola: George Russell wird auch 2021 für das Traditionsteam aus Grove ins Lenkrad greifen. Zwar wurde der Brite gemeinsam mit Nicholas Latifi schon im Juli bestätigt, doch zuletzt kamen wilde Spekulationen auf, Sergio Perez könnte den Briten ersetzen.

Russell hat 2019 einen Dreijahresvertrag mit Williams unterschrieben und wird diesen auch im letzten Jahr erfüllen. Zuvor war er mit dem Cockpit von Valtteri Bottas in Verbindung gebracht worden, allerdings bestätigte Mercedes den Finnen kurz darauf.

Die Übernahme des Teams und der Wechsel an der Spitze führten erneut zu Spekulationen im Fahrerlager. Sergio Perez schien ein aussichtsreicher Kandidat auf das Cockpit von Russell zu sein, der Mexikaner bringt viel Erfahrung und finanzkräftige Sponsoren mit.

Roberts entschuldigt sich für Verwirrung

Doch nun herrscht endgültig Klarheit, nachdem noch in der Vorwoche in Portimao Gerüchte von Teamchef Simon Roberts selbst angeheizt wurden - er wollte das Line-up für das kommende Jahr da noch nicht bestätigen. Eine Woche später ist nun alles fixiert.

"Ich habe wohl ein wenig zur Verwirrung beigetragen in der Vorwoche, das tut mir leid", gibt Roberts am Freitag in Imola zu. "Wir wollten keinen Kommentar zur Situation der Fahrer abgeben. Aber wie George schon sagte, hat Claire [Williams] die Fahrer bereits vor einiger Zeit bestätigt."

Daran habe sich nichts geändert, hält er an den Abmachungen seiner Vorgängerin fest. "Das ist unsere Fahrerpaarung für dieses und nächstes Jahr. Wir sind sehr glücklich mit ihnen und wir freuen uns, weiterhin mit ihnen zu arbeiten."

<span class="copyright">Mark Sutton / Motorsport Images</span>
Mark Sutton / Motorsport Images

Mark Sutton / Motorsport Images

Russell selbst schien in all der Verwirrung unbesorgt ob seiner Zukunft zu sein. Auch Toto Wolff, Mercedes-Teamchef und Mentor des Briten, legte ein gutes Wort bei den neuen Teambesitzern für die Nachwuchshoffnung ein.

"Es ist nie schön, wenn man Spekulationen darüber hört, dass dein Job womöglich zu haben ist", gesteht der 22-Jährige. Er glaubt, dass die Gerüchte vor allem "aus dem Perez-Umfeld" stammen. Die Gewissheit jetzt zu hören, das sei "schön".

Russell gibt außerdem an, dass er dennoch zuversichtlich war, das Cockpit behalten zu können. "Ich musste es ihnen auf der Strecke beweisen. Ich war zuversichtlich, dass sich nichts ändern würde, obwohl es sehr viele Spekulationen gab."

Ocon: Formel 1 kann manchmal "grausam" sein

Somit hat sich für Perez eine weitere Tür geschlossen. Gab es mit dem Mexikaner überhaupt ernsthafte Gespräche? "Alles, was ich sagen kann, ist, dass sich nichts geändert hat", weicht Roberts der Frage aus. "Wir werden bei unseren Jungs bleiben."

Das sei immer schon der Plan gewesen, betont er. "Ich werde nichts zu irgendwelchen Spekulationen beisteuern. Sehr vieles schwirrt im Fahrerlager herum. Das ist aber alles, was ich zu sagen habe." Für Perez bleiben nun nur noch das freie Cockpit bei Red Bull oder Haas als Möglichkeiten übrig.

Das Topteam hat bereits bekannt gegeben, dass man sich außerhalb des eigenen Talentepools umsehen werde, wenn Alexander Albon nicht verlängert wird. Perez oder auch Nico Hülkenberg würden in Betracht gezogen werden.

Beim US-Team ist hingegen wohl kein Platz mehr für Perez frei. Beobachter gehen davon aus, dass die Mannschaft von Günther Steiner mit Nikita Masepin und Mick Schumacher im kommenden Jahr auf zwei Rookies setzen wird.

Russell hätte in diesem wilden Karussell wohl keine Alternativen gehabt, was Esteban Ocon als "grausam" und "nicht gerechtfertigt" bezeichnet. Sein Mercedes-Nachwuchskollege weiß selbst nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn man am Ende plötzlich ohne Cockpit dasteht.

Noch vor der heutigen Bekanntgabe meinte der Franzose: "Ich hoffe wirklich, dass George bleiben kann. Seine Leistungen sind exzellent bei Williams. Er macht das Beste draus. Man kann nichts Schlechtes über ihn sagen."

Russell: "Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut"

Der Brite verdiene daher auch seinen Platz auf dem Grid. "Es wäre nicht gerechtfertigt, wenn er nächstes Jahr nicht dabei wäre. Aber so ist die Formel 1, manchmal kann sie grausam sein." Ocon selbst habe den Preis 2019 bezahlt. Aber: "Ohne die Unterstützung von Mercedes wäre ich heute nicht hier."

Darauf kann sich auch Russell verlassen. Hätte Williams ihn nicht bestätigt, wäre er Testpilot des Werksteams geworden, verriet Wolff. Dazu kommt es nun aber definitiv nicht. Was hat sich der Brite für die kommende Saison mit Williams vorgenommen?

"Ich denke, es geht um kontinuierlichen Fortschritt. Wir müssen realistisch bleiben. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und wir kommen von sehr weit hinten", weiß Russell. Er zeigt sich positiv überrascht vom Schritt, den das Team in diesem Jahr geschafft hat.

"Hoffentlich schaffen wir es im nächsten Jahr noch näher ran ans Mittelfeld. Als Fahrer ist es aber schwierig, eine bestimmte Position als Ziel vorzugeben. Mein Ziel bleibt es, mein absolut Bestes abzuliefern, mich weiter zu verbessern", schildert er.

In Zukunft möchte er natürlich auch um Siege und Weltmeisterschaften kämpfen, betont er außerdem. Das werde aber wohl erst nach seiner Zeit bei Williams gelingen. "Unser Ziel ist es, wie George bereits gesagt hat, dass wir uns weiterhin steigern", pflichtet ihm der Teamchef bei.

"Wir wollen weiter nach vorne, wollen konkurrenzfähiger sein. Wir werden nichts unversucht lassen, allerdings gibt es die Homologation von vielen Teilen, daher werden wir nicht so viel machen können." Trotz der Regeländerungen 2022 werde Williams das kommende Jahr nicht einfach aufgeben, betont Roberts.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.