Alt und aus der Zeit gefallen - aber wertvoll wie nie

Christopher Michel
·Lesedauer: 3 Min.

Wenn Eintracht-Trainer Adi Hütter auf Makoto Hasebe angesprochen wird, dann gerät er regelmäßig ins Schwärmen.

"Wenn man Makoto zusieht, dann hat man das Gefühl, dass der 'alte Hase' ein ganz junger Hase ist. Er ist fußballerisch eine Klasse für sich. Aber es sind nicht nur seine fußballerischen, sondern auch seine menschlichen Qualitäten, die uns guttun. Makoto ist ein Top-Profi", fasste Hütter vor dem Duell gegen den FSV Mainz 05 den Wert von Hasebe zusammen.

Hasebe stark im Spielaufbau und Zweikampf

Beim 2:0-Erfolg der Frankfurter in Mainz zeigte der Japaner diesmal wieder im defensiven Mittelfeld seine Fähigkeiten. In Sachen Passspiel ist der ab 18. Januar 37-Jährige herausragend, rund 86 Prozent seiner Zuspiele kommen beim Mitspieler an.

Im Zweikampf macht ihm ebenfalls kaum einer etwas vor, 63 Prozent der direkten Duelle gewinnt Hasebe. Auch im defensiven Mittelfeld ist er somit auch im fortgeschrittenen Fußballer-Alter ein wertvoller Baustein für die Frankfurter.

Etwas aus der Zeit gefallen: Hasebe als Libero

Doch unter Hütter war Hasebe im Normalfall auf einer etwas aus der Zeit gefallenen Position unterwegs. Als Libero, der das Spiel der Eintracht als Mittelteil einer Dreierkette von ganz hinten lenkt und führt. In den Geisterspielen ist der Defensivspezialist noch besser zu hören, er gibt verbal den Takt vor und hilft so seinen Mitspielern.

Es gibt in der Bundesliga kaum einen Profi, der die Rolle als letzter Mann mit dieser Ruhe, Gelassenheit und Klasse ausfüllt. Hasebe agiert nicht wie ein "Dampfhammer" á la Lothar Matthäus oder Matthias Sammer in früheren Jahren. Vielmehr wirkt er wie ein Dirigent, der das Orchester leitet und nur dann eingreift, wenn es schief klingt.

Bobic lässt Hasebes Zukunft offen

Kann die Eintracht auf den ältesten Profi der Bundesliga ab Sommer schon verzichten?

Der Blick auf die Statistik zeigt dessen Wertigkeit, in den elf Partien mit ihm auf dem Platz sammelte die Eintracht 20 von 33 möglichen Zählern.

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Hasebes Vertrag läuft im Sommer aus und Sportvorstand Fredi Bobic verriet im Check24 Doppelpass: "Eigentlich hatten wir gesagt, dass es sein letztes Jahr ist." Der Europameister von 1996 kündigte allerdings an: "Es ist faszinierend, wie er spielt. Ich sitze immer im Januar oder Februar mit ihm zusammen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht."

Die Hessen hatten phasenweise die älteste Startelf der Liga und müssen deshalb das Thema Umbruch im Blick halten. Doch ganz ohne den Faktor Erfahrung geht es kaum. Bas Dost (31 Jahre) ist bereits zum FC Brügge gewechselt, mit Kapitän David Abraham (34) verliert die Eintracht nach dem Duell gegen Schalke eine Stütze. Im vergangenen Sommer verließ ein mit Gelson Fernandes, Jonathan de Guzman und Marco Russ für die Kabine wichtiges Ü30-Trio den Klub.

Eintracht kann nur schwer auf Hasebe verzichten

"Die Mischung aus erfahrenen und jungen Profis tat uns immer gut", sagte Bobic. Hasebe jedenfalls ließ bei BILD zuletzt alles offen: "Vielleicht verlängere ich im Frühjahr auch noch mal. Vielleicht höre ich auf. Wer weiß."

Der schwierige Corona-Transfermarkt, aber vor allem auch die starke Form eines Spielers, der trotz einer aus der Zeit gefallenen Libero-Position so wertvoll ist, sprechen für mindestens ein weiteres Jahr am Main.