Alu-Recycling: Greenwashing bei Nestlé

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 2 Min.

Nestlé wirbt derzeit mit recyclebaren Alu-Kaffeekapseln. Die Verbraucherzentrale kritisiert das scharf und erklärt die Hintergründe.

Nespresso coffee capsules, manufactured by Nestle, are seen during an event in Paris, France, March 22, 2019. REUTERS/Benoit Tessier
Nespresso Kaffeekapseln. (Bild: REUTERS/Benoit Tessier)

„Re-Re-Recyclebar. Schritt für Schritt in eine nachhaltigere Zukunft“, so bewirbt Nestlé derzeit seine Kaffeekapseln aus Aluminium. Daneben ein Bild grün schimmernder Kaffeekapseln, die ein bisschen so wirken, als wären sie gerade erst vom Baum gefallen.

Für die Verbraucherzentrale Hamburg ist das ein Grund für Aufklärung zu sorgen. Unter der Überschrift „Greenwashing bei Nestlé“ ruft sie auf Facebook dazu auf, keine Kapseln aus Alu zu kaufen.

Kein sinnvolles Recycling möglich

In seiner Werbung erklärt Nestlé, die Kapseln könnten „ganz einfach über die Gelbe Tonne“ wiederverwertet werden. Doch ganz so einfach sei das eben nicht, so die Verbraucherschützer. „Kaffeekapseln aus Alu, die über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack entsorgt werden, lassen sich kaum sinnvoll recyclen, weil sie erst mühsam herausgetrennt werden müssen, und selbst dann noch mit unterschiedlichen Legierungen oder Farben überzogen sind. Daraus lässt sich allenfalls minderwertiges Aluminium herstellen“, erklären sie.

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Aus diesen Gründen würden viele Recyclingunternehmen von vornherein auf die Wiederverwertung von Aluminium verzichten.

Bei der Produktion entstehen giftige Stoffe

Außerdem werde für die Wiederverwertung auch immer ein Teil neues Aluminium benötigt. Aber um Bauxit – den Rohstoff für Aluminium – zu gewinnen, werde die Natur extrem belastet. „Die Umwelt, auch Regenwälder, werden zerstört und für die Produktion wird immens viel Energie benötigt. Außerdem entstehen giftige Stoffe wie sogenannter Rotschlamm, aber auch gasförmige Fluorid-Verbindungen. Die einzige Lösung: Kauft keine Kaffeekapseln aus Aluminium! Lasst sie im Regal liegen“, so die Verbraucherzentrale.

Kurzlebiges Aluminium grundsätzlich meiden

Aus Gründen des Umweltschutzes sollten Verbraucher grundsätzlich auf Produkte aus kurzlebigem Aluminium verzichten. Viele Verpackungen wie etwa Tetra-Packs, Getränkedosen, Schokolade oder Zahnpastatuben können Aluminium enthalten.

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Wer etwas für die Umwelt tun möchte, sollte beim Einkaufen genau hinschauen und besser nach Alternativen suchen, etwa zum Joghurt im Mehrwegglas greifen, statt zu dem mit Alu-Deckel. Auch Aluminiumfolie zum Abdecken von Speisen lässt sich etwa durch den Einsatz Frischhalteboxen gut vermeiden.

Aluminium kann auch Gutes tun

Während kurzlebiges Aluminium die Umwelt sehr belastet, sieht es bei langlebigen Produkten aus diesem Leichtmetall anders aus. „So reduzieren zum Beispiel leichte Bauteile aus Alu für Transportfahrzeuge (Bahn, Schiff, auch Auto) deren Energieverbrauch und können daher in der Gesamtbetrachtung durchaus positive Auswirkungen haben“, erklärt die Verbraucherzentrale.

Weitere Informationen zum Thema „Müll und Verpackungen“ finden Sie auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale Hamburg.

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