Amazons Obdachlosenasyl in Seattle ist fast fertig

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo

Auf dem Campus von Amazon in Seattle entsteht ein Heim für obdachlose Menschen. Anfang nächsten Jahres soll eine Wohltätigkeitsorganisation in dem Gebäude ihre Tätigkeit aufnehmen. Rund 400 Menschen könnten darin pro Jahr eine Unterkunft finden.

Amazons Hauptquartier in Seattle (Bild: Getty Images)
Amazons Hauptquartier in Seattle (Bild: Getty Images)

Jeff Bezos ist nicht nur ein geschickter Unternehmer, der mit seinem Konzern Amazon steinreich geworden ist. Wie Kollege Bill Gates und so manch anderer Strippenzieher in der US-Tech-Branche weiß er sein Geld offenbar auch für gute Zwecke auszugeben. Eines davon ist ein Obdachlosenasyl, das derzeit im neuen Hauptquartier des Online-Versandhändlers in Seattle entsteht. Das Projekt war bereits Anfang 2017 von Amazon initiiert worden. Nun ist der Bau fast fertig.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Das Obdachlosenheim entsteht mitten auf dem neuen Amazon-Campus in der Innenstadt von Seattle. Betrieben wird das Heim von der Wohltätigkeitsorganisation Mary's Place, die sich auf dem Gelände des Konzerns schon seit 2016 um bedürftige Menschen einsetzt. Das ursprüngliche Gebäude, in dem Marty Hartmans Organisation ihrer Tätigkeit nachging, ein Hotel, war von Amazon für eigene Zwecke übernommen worden. Die neue Unterkunft soll Anfang 2020 bezugsfertig sein.

"Ich hatte damit gerechnet, dass wir schließen, umziehen und einfach dankbar sein würden für die Möglichkeit", sagt Hartman in einem Interview mit dem Business Insider. "Wir wollten nur sicherstellen, dass wir gute Nachbarn sind und pünktlich aufbrechen. Wir hatten keine Ahnung, dass sie überhaupt daran gedacht hatten, uns ein dauerhaftes Zuhause zu bauen."

Wohltätigkeitsorganisation Mary's Place

Die Verhaltenstherapeutin Hartman leitet Mary's Place seit rund zwei Jahrzehnten. Zunächst hatte sich die Organisation für alleinstehende obdachlose Mütter eingesetzt. Heute besteht sie aus zehn Heimen, das neue Asyl auf dem Amazon-Gelände nicht inbegriffen. Für seine Tätigkeit nutzt der Verein ein Schlupfloch in der US-Immobilienbranche. Gewerbeimmobilien, die umgebaut werden sollen, stehen im Schnitt anderthalb Jahre leer, weil es so lange von der Planung bis zur Baugenehmigung dauert. In dieser Zeitspanne bringen Hartman und ihr Team in den jeweiligen Gebäuden obdachlose Familien unter. Als Unterkünfte dienen unter anderem Hotels, Bankfilialen, Restaurants, Krankenhäuser und Polizeistationen.

Das neue Heim auf dem Amazon-Campus ist das derzeit größte von Mary's Place. Das Gebäude besteht aus sieben Stockwerken. In 65 Zimmern von sechs Etagen sollen pro Jahr rund 400 Menschen eine Unterkunft finden. Laufend können 275 Personen versorgt werden. Das siebte Stockwerk ist für freiwillige Amazon-Mitarbeitern gedacht, die hier Kindern Nachhilfe in Schreiben und Lesen geben und Erwachsene auf das Berufsleben vorbereiten könnten. Amazon hat die Baukosten für das Heim übernommen, außerdem sorgt der Konzern für die Instandhaltung des Gebäudes und bezahlt die Betriebskosten.

Amazon und so manch anderes Tech-Unternehmen in der USA bekämpfen mit Initiativen wie der genannten eine Krise in Seattle, die sie selbst mit verschuldet haben. Immer mehr Silicon-Valley-Konzerne hat es in den letzten Jahren in die Stadt gezogen, darunter neben Amazon auch Google und Facebook. Damit ist Seattle zwar die derzeit am schnellsten wachsende Metropole in den USA. Zugleich führt der Boom zu steigenden Mietpreisen. Die Folge: Immer mehr Menschen können sich ihre Wohnungen nicht leisten. Allein in der Innenstadt von Seattle sollen derzeit rund 4.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf leben. In der Verwaltungseinheit King County, der auch Seattle angehört, soll es geschätzte 12.500 Betroffene geben.

Lesen Sie auch