Andrea Iannone: Bei kurzer Dopingsperre würde Aprilia auf ihn warten

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Am 4. Februar findet in der Schweiz vor dem Internationalen Disziplinargericht der FIM die Anhörung im Dopingfall Andrea Iannone statt. Der MotoGP-Pilot und seine Verteidigung hoffen, das Gericht von der Theorie einer Lebensmittelkontamination überzeugen zu können, um die Strafe zu reduzieren.

Dass eine Entscheidung bis zum Sepang-Test (7. bis 9. Februar) fallen wird, ist äußerst unwahrscheinlich, denn das Gericht hat maximal 45 Tage Zeit. Daher plant Aprilia bereits mit Ersatzkandidaten, will auf lange Sicht aber an Iannone festhalten und spekuliert daher auf ein mildes Urteil für den Italiener.

Zwar sagt Aprilia-Rennchef Massimo Rivola im Gespräch mit 'Corriere della Sera': "Ich wäre überrascht, wenn er nicht bestraft wird, denn ich glaube, dass die Föderation die Anti-Doping-Kodizes einhalten muss. Wenn er für ein bis zwei Jahre gesperrt würde, wäre klar, dass wir die Beziehung beenden müssten."

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Dopingwerte lassen bei Rivola Zweifel aufkommen

Aber: "Würde er hingegen einen 'Verweis' oder drei Monate bedeuten, würde das bedeuten, dass sie seine Unschuld anerkennen." In diesem Fall wäre Aprilia bereit, auf Iannone zu warten. Schließlich hat man bereits viel in die Zusammenarbeit investiert und glaubt selbst, dass ein Versehen zur positiven Probe führte.

"Die Werte der betreffenden Substanz (Drostanolon; Anm. d. R.) sind sehr niedrig. Wenn ich sehe, dass sogar das Testosteron, das in jedem anabolen Zyklus wächst, in diesem Fall sehr niedrig ist, kommen mir Zweifel. Vielleicht hat es eine Lebensmittelkontamination gegeben: Andrea ist ein Fleischesser", weiß Rivola.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur sage selbst, dass verarbeitetes Fleisch in Asien im Umlauf sei. Dort, im Rahmen des MotoGP-Wochenendes in Sepang, war Iannone positiv auf Drostanolon getestet worden und am 17. Dezember von der FIM bis auf Weiteres von jeglichen Motorsportaktivitäten suspendiert worden.

Aprilia-Rennchef beklagt Vorurteile gegen Iannone

Rivola ist sich bewusst, dass einige den MotoGP-Piloten sofort verurteilten. "Wir lassen uns oft beeinflussen: 'Ein positiv getesteter Iannone ist typisch, weil er für Unterwäsche wirbt, durchtrainiert ist und sich ohne Hemd zeigt.' Aber so ist es nicht", verteidigt er den viel kritisierten 30-Jährigen.

"Vergangenes Jahr habe ich ihn beim ersten Test auf die Waage gestellt und gesagt: 'Wir sind noch nicht da. Aleix Espargaro wiegt zehn Kilo weniger als du. Du musst eine Diät machen, dein Training ändern.' Bereits im Juli hatte er durch harte Arbeit 6,5 Kilo verloren. Warum also sollte er Anabolika zu sich nehmen?"

Der Rückhalt seines Teams ist Iannone also sicher. "Wenn wir die Möglichkeit haben, ihn wieder zurück in den Sattel zu bekommen, möchte ich, dass er zeigt, wie stark er ist", sagt Rivola. Vorerst muss er jedoch mit Alternativen plant, und die heißt für den MotoGP-Shakedown (2. bis 4. Februar) Bradley Smith.

Smith und Savadori sollen Iannone-Verlust abfedern

Für den anschließenden offiziellen Test (7. bis 9. Februar) holt man Lorenzo Savadori, der 2019 in der MotoE fuhr, an Bord: "Wir werden für ihn ein Motorrad aus dem Jahr 2019 mitbringen, um ihn mit der Situation vertraut zu machen. Dann werden wir sehen, wir hoffen, dass das Urteil sehr schnell fallen wird."

Sollte sich eine Entscheidung doch länger hinziehen, hat man sich für den ersten Grand Prix am 8. März in Katar noch nicht festgelegt. "Natürlich ist Smith der einzige, der die Geschichte von Aprilia kennt. In der Zwischenzeit wollen wir sehen, ob Lorenzo sich schnell an die MotoGP anpassen kann", wägt Rivola ab.

Mit Bildmaterial von LAT.

Lesen Sie auch