Andreas Seidl: So laufen Anreise und Co. unter Corona-Bedingungen

Norman Fischer
motorsport.com

In diesen Tagen beginnen für die Formel 1 die Wochen der Wahrheit. Hat man ein gutes Konzept gegen das Coronavirus und kann man die Saison ab jetzt durchführen - oder nicht? Die Vorbereitungen auf den Saisonauftakt in Spielberg laufen natürlich bereits auf Hochtouren, denn schon morgen geht es mit dem traditionellen Mediendonnerstag los - wenn auch in anderer Form.

Die Teams sollten mittlerweile auch bereits eingetroffen sein. McLaren hat seine Trucks in der vergangenen Woche losgeschickt, die am Wochenende und am Montag in Österreich angekommen sind. "Dort läuft der Aufbau mit einer separaten Truppe, die dann abreisen beziehungsweise den Paddock verlassen wird, wenn das Rennteam am Mittwoch eintreffen wird", verrät Teamchef Andreas Seidl.

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Der Ablauf ist von Team zu Team aber etwas unterschiedlich, da ja auch nicht alle Rennställe am selben Ort stationiert sind. "Bei uns ist es so, dass wir bei den ersten Rennen auf Nummer sicher gehen und mit einem eigenen Charter fliegen mit unseren 80 Mann inklusive Fahrern", erklärt Seidl in einem Videocall mit ausgewählten Medienvertretern.

Das Team ist am Montag in England getestet worden - alle negativ. Am heutigen Mittwoch geht es in den Flieger, mit dem man direkt in die Nähe zur Rennstrecke fliegen und entweder am Flughafen in Graz oder Spielberg landen wird. "Wir werden dann dort am Nachmittag noch einmal alle getestet. Dann können wir - nach einem weiteren negativen Ergebnis - loslegen mit der Arbeit vor Ort", so der Deutsche.

Testergebnisse innerhalb von zwei Stunden

McLaren hatte mit einem positiven Coronafall in Australien für einen Abbruch der Veranstaltung gesorgt. Sollte in Spielberg ein Mitarbeiter Symptome zeigen, dann gibt es vor Ort die Möglichkeit auf einen weiteren Test. "Der Mitarbeiter wird dann isoliert, eventuelle 'close contacts' werden ebenfalls direkt isoliert und getestet", so Seidl.

Das Ergebnis soll angeblich innerhalb von zwei Stunden bereits verfügbar sein. "Je nach Ergebnis können der oder die Mitarbeiter dann direkt weitermachen mit der Arbeit oder werden eben isoliert."

Um im Ernstfall nicht zu viele Mitarbeiter zu verlieren, gibt es bei McLaren einige Untergruppen, die unter sich bleiben sollen. "Das muss natürlich mit angepassten Abläufen in der Garage laufen - mit dieser Distanz von mindestens zwei Metern, wann immer das möglich ist. Ich kenne die Anzahl der Untergruppen nicht genau, aber es sind einige", so Seidl.

McLaren hat sogar weitere Vorkehrungen getroffen und hält in Großbritannien Ersatzpersonal bereit, die bei einem Ausfall einspringen könnten.

Mitarbeiter schon in der Fabrik vom Rennteam getrennt

Maßnahmen wurden aber bereits deutlich vor Spielberg getroffen. Laut Seidl habe man vor vier Wochen damit begonnen, das Rennteam auf Österreich vorzubereiten. Auch da habe man die Mitarbeiter bereits von den restlichen Angestellten in Woking separiert.

Zudem habe man seine Mitarbeiter regelmäßig auf Corona getestet, um keinen Hotspot zu kreieren, falls man übersieht, dass ein anderer Mitarbeiter infiziert ist. Doch die Maßnahmen haben sehr gut funktioniert: "Bisher hatten wir im Rennteam keine positiven Fälle", betont der Teamchef.

Das soll auch so bleiben. Die neuen Prozeduren sind für Seidl wichtig, aber auch eine große Herausforderung. Vor allem das ständige Tragen der Schutzmasken ist nicht immer einfach: "Wir alle kennen das jetzt auch aus unserem Privatleben. Ich habe drei Monate gebraucht, bis ich eine Maske gefunden habe, bei der meine Brille nicht immer beschlagen ist", lacht der Teamchef.

Regelmäßige Pausen wichtig

Doch im Ernst: "Es ist einfach eine zusätzliche Belastung, gerade jetzt in Verbindung mit den hohen Außentemperaturen, die wir im Sommer haben werden. Es ist einfach eine extreme physische Belastung auch", so Seidl.

Daher werde man bei McLaren auch darauf achten, den Mitarbeitern regelmäßige Pausen zu gönnen, in denen sie die Masken an der frischen Luft runternehmen können. "Einfach um gut durch diese Wochenenden zu kommen", so Seidl.

"Letztendlich ist es für alle gleich. Es ist einfach eine zusätzliche Challenge und Competition, wer am besten damit klarkommt. Wir denken, wir haben uns gut darauf vorbereitet", ergänzt er. "Es wird interessant, wie jedes Team das vor Ort in Österreich handlen wird."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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