Andy Murray kannte Dunblane-Massenmörder: "Er war in unserem Auto"

Ben Barthmannfreier Sportjournalist
Yahoo Sport Deutschland

In einer Dokumentation hat sich Tennis-Star Andy Murray an das Massaker von Dunblane erinnert. Er kannte den Täter, der 16 Kinder tötete, und saß mit ihm in einem Auto.

Andy Murray wurde Zeuge des Dunblane-Massakers. (Bild: Getty Images)
Andy Murray wurde Zeuge des Dunblane-Massakers. (Bild: Getty Images)

Andy Murray und sein älterer Bruder Jamie gingen 1996 auf die Primärschule Dunblane in Schottland. Im März wurde diese zum Tatort eines der grauenhaftesten Verbrechens in der Geschichte Großbritanniens. Der damals 43 Jahre alte Thomas Hamilton verschaffte sich Zutritt, erschoss 16 Kinder und einen Lehrer. Anschließend tötete er sich selbst.

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Die Murray-Brüder konnten sich verstecken und kamen mit dem Leben davon. Sie kannten Hamilton, wie Andy Murray in der Amazon-Dokumentation “Resurfacing” verriet: “Wir gingen in seinen Kinderclub. Er war in unserem Auto, wir haben ihn damals am Bahnhof abgesetzt.”

Das Ereignis veränderte viele Leben. “Ich denke, für alle Kinder, die dort waren, muss es schwierig gewesen sein”, erinnerte sich der Tennis-Star. Seine eigene Familie zerbrach: “Innerhalb eines Jahres danach ließen sich unsere Eltern scheiden. Es war eine schwere Zeit für uns, zu sehen, was alles passiert, und es nicht zu verstehen.”

Andy Murray verarbeitet Trauma durch den Sport

Murray litt oft an Angstattacken und wandte sich auch deshalb intensiv dem Sport zu. Er ging nach Cambridge und startete dort seine Karriere zu dem Tennis-Profi, der er heute ist: “Ich habe das Gefühl, dass Tennis für mich in gewisser Weise ein Ausweg war.”

Bis heute rede Murray nicht gerne über die Vorfälle. Er und Bruder Jamie hätten die Vorfälle und die daraus entstandene Belastung lange “heruntergeschluckt.” Tennis sei für ihn nun eine Form des Ausdrucks: “Es erlaubt mir, wieder das Kind zu sein, das so viele Fragen hat.”

Dennoch erlaubt sich Murray nicht alle Formen des Ausdrucks: “Die Art, wie ich mich auf dem Tennisplatz verhalte, zeigt positive und negative Seiten meiner Persönlichkeit. Und es zeigt Seiten, die ich hasse.” Heute stellt er fest: “Das Dunblane-Ereignis ist ohne Frage ein Grund, warum Tennis so enorm wichtig für mich ist.”

Die Amazon-Dokumentation beschäftigt sich mit dem schweren Weg Murrays zurück ins Tennis, nachdem er sich an der Hüfte verletzte und mehrere Operationen überstehen musste. Sie ist ab dem 29. November auf der britischen Version von Prime Video zu sehen.

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