Schwere Vorwürfe gegen DOSB

Schwere Vorwürfe gegen DOSB
Schwere Vorwürfe gegen DOSB

Zum wiederholten Mal werden in einem anonymen Brief Vorwürfe gegen Spitzenkräfte des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erhoben. In dem Schreiben, das „besorgte Vertreter von Mitgliedsorganisationen“ an die DOSB-Ethikkommission adressiert haben, werden „deutliche Verstöße“ gegen Compliance-Regelungen in Form von „Vetternwirtschaft“ angezeigt. Im Zentrum der Kritik steht der neue DOSB-Vorstandsvorsitzende Torsten Burmester.

Auch der Name Michaela Röhrbein, DOSB-Vorstand für Sportentwicklung, fällt in dem Brief, dessen Eingang die Ethikkommission unter Vorsitz des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maiziere dem SID bestätigte. Das Gremium werde zu dem Vorgang allerdings "bis auf Weiteres" keine Stellung nehmen.

Das "Vergabeverfahren" und "der Auswahlprozess für die Position des Vorstandsvorsitzenden und für die Position des Vorstandsmitglieds Breitensport/Sportentwicklung" erweckten den Eindruck der "Vetternwirtschaft", heißt es in dem zweiseitigen Brief an die Ethikkommission, der dem SID vorliegt.

Burmester, seit 1. Februar DOSB-Vorstandsvorsitzender und zuvor Generalsekretär beim Deutschen Behindertensportverband (DBS), habe im vergangenen Jahr bei der Suche nach geeigneten DOSB-Präsidentschaftskandidaten als Mitglied der AG Personal "federführend" Vorschläge für Personalberater eingeholt. Burmester soll sich dabei besonders für eine Firma eingesetzt haben, die ihn selbst an den DBS vermittelt habe.

Diese Firma sei nach der Wahl von Thomas Weikert zum neuen DOSB-Präsidenten wiederum "unserer Kenntnis nach ohne die Vorlage alternativer Angebote" beauftragt worden, bei der Besetzung des vakanten Vorstandsvorsitzes zu unterstützen. Anschließend sei Burmester "ohne einen intensiven Auswahlprozess für diese zentrale Position des deutschen Sports" nominiert worden, heißt es in dem Brief.

Auch an der Berufung Röhrbeins in den DOSB-Vorstand stoßen sich die Verfasser des Briefes. Diese sei nach einem "nicht transparenten Auswahlprozess, bei dem das Ergebnis bereits seit längerem feststand", erfolgt.

Laut DOSB-Satzung gehört die Bestellung von Mitgliedern des Vorstands zu den Aufgaben des DOSB-Präsidiums. Darauf verweist auch Eva Werthmann, Leiterin der DOSB-Verbandskommunikation, auf Anfrage und ergänzt: "Das neu gewählte Präsidium ist bei der Erfüllung dieser Aufgabe unter Einbindung der Sprecher*innen der Verbändegruppen der Maxime gefolgt, den Verband zeitnah fachlich kompetent aufzustellen und wieder sprech- und handlungsfähig zu machen." Das dafür gewählte Verfahren sei "zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und transparent" gewesen. Eine "rasche und sorgfältige Prüfung" der im Schreiben erhobenen Vorwürfe sei "auch im Interesse unseres Verbandes", ergänzte Werthmann.

Burmesters Vorgängerin Veronika Rücker hatte ihren Posten Ende 2021 geräumt. Vorausgegangen war ein ebenfalls anonymer Brief aus dem vergangenen Mai, in dem Präsident Alfons Hörmann schwere Versäumnisse bei der Führung des DOSB vorgeworfen wurden („Kultur der Angst“). Der Allgäuer führte den Verband weiter bis zur Mitgliederversammlung Anfang Dezember, parallel übten Hörmann und Rücker juristischen Druck auf ein früheres DOSB-Vorstandsmitglied aus, das sie als Urheber des Briefes ausgemacht hatten.

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