Anschlag auf Borussia Dortmund: Polizei fasst Tatverdächtigen

Seit dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB sind knapp sieben Monate vergangen. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter startet in Kürze.

Zehn Tage nach dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dies teilte die Bundesanwaltschaft am Freitagmorgen mit. Dabei handelt es sich um den 28-jährigen Deutsch-Russen Sergej W. Spezialkräfte der GSG 9 haben den mutmaßlichen Täter am frühen Freitagmorgen im Raum Tübingen gefasst.

Dem Beschuldigten wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Die Tat hatte offenbar keinen islamistischen Hintergrund, das Motiv des Verdächtigen war offenbar Habgier. Die Bundesanwaltschaft will um 12.30 Uhr über den Stand der Ermittlungen informieren.

Der BVB dankte am Freitagmittag den ermittelnden Behörden. "Wir hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte", hieß es in einer Stellungnahme von Klub-Boss Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball. Bundesinnenminister Thomas de Maizière nannte die Festnahme einen "großen Erfolg" und dankte allen beteiligten Polizisten. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv", wurde de Maizière in einer Mitteilung zitiert. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger nannte die Festnahme auf Twitter eine "gute Nachricht für den Fußball dank intensiver Ermittlungen von GBA, BKA und NRW-Polizei".

Der mutmaßliche Täter wollte mit dem Attentat nach derzeitigem Ermittlungsstand wohl einen massiven Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen. Noch am Tag des Anschlags erwarb er über die IP-Adresse des Dortmunder Teamhotels L'Arrivée, in das er sich auch eingemietet hatte, 15.000 Verkaufsoptionen in Bezug auf das Dortmunder Wertpapier - und hätte bei starken Verlusten der Aktie an der Börse einen Gewinn von bis zu 3,9 Millionen Euro erzielen können.

Nach intensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei in den vergangenen Tagen schlugen die Ermittler am Freitagmorgen zu. Um kurz vor 6 Uhr wurde Sergej W. festgenommen, kurz bevor er seine Arbeitsstelle in Tübingen erreichte.

Bei dem Attentat vor dem Viertelfinalhinspiel der Champions League gegen AS Monaco war der BVB-Profi Marc Bartra am Handgelenk und Arm verletzt worden; der Spanier musste operiert werden. Ein Polizist, der den Bus auf dem Motorrad begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

Die drei Sprengsätze des Anschlages, so die Bundesanwaltschaft in ihrer Mitteilung am Freitag, waren über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Wirkung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung.

"Die Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet", hieß es. Sie waren demnach mit Metallstiften bestückt, die etwa 70 mm lang waren und einen Durchmesser von sechs mm und ein Gewicht von etwa 15 Gramm hatten. In der Kopfstütze des zweiten Sitzes in der hinteren Reihe des Busses wurde einer der in den Sprengsätzen verbauten Metallstifte gefunden, sogar in einer Entfernung von 250 Meter wurde noch ein Metallstift entdeckt.

Das Dortmunder Spiel gegen Monaco war aufgrund des Anschlags um einen Tag verlegt worden, die Westfalen unterlagen 2:3. Im Rückspiel in Monaco verlor Dortmund am vergangenen Mittwoch mit 1:3 und schied aus der Champions League aus.

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