Anthony Hamilton: "Habe mir für Lewis nur einen ordentlichen Job gewünscht"

Christian Nimmervoll
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In Portimao hat Lewis Hamilton mit seinem 92. Grand-Prix-Sieg den alten Rekord von Michael Schumacher ausgelöscht. Anders als beim 91. Sieg am Nürburgring ging ihm das sichtlich nahe - und vor allem seinem Vater Anthony. Bei der Umarmung im Parc ferme kullerte das eine oder andere Tränchen über die Backen des Weltmeister-Vaters.

Hamilton jun. und sen. hatten nicht immer das beste Verhältnis zueinander. Als Lewis seine ersten Erfolge kurzzeitig zu Kopf stiegen, kapselte er sich von Anthony ab. Ein paar Jahre lang herrschte Funkstille, bis es zur Versöhnung kam. Inzwischen ist Anthony zwar nicht mehr sein Manager, das menschliche Verhältnis der beiden aber gekittet.

"Es war sehr emotional, als Lewis zu mir rüberkam. Fast wie die Krönung von all dem, was passiert ist, seit wir zum ersten Mal auf die Kartbahn gegangen sind", sagt Hamilton sen. in einem Interview mit 'Sky'. Sichtlich bewegt, denn wie weit die Familie Hamilton es gebracht hat, damit hätte er vor 25 Jahren nie im Leben gerechnet.

Als Lewis auf der Kartbahn in Rye House selbst fahren wollte, "habe ich zu ihm gesagt: 'Lewis, das kann ich mir nicht leisten! Aber wenn wir das machen, dann machst du es ernsthaft.' Und seither haben wir es immer ernsthaft betrieben. Heute kommt es mir wieder ein bisschen so wie damals vor, als wir das erste Mal Kart gefahren sind."

"Wenn du Kartfahren gehst und diesen Traum hast, setzt du dich nicht hin und nimmst dir vor, Formel-1-Weltmeister zu werden, vielleicht sogar mehrmals. Du arbeitest nur hart darauf hin, im Hier und Jetzt der Beste zu sein und das nächste Rennen zu gewinnen", erklärt Hamilton sen., inzwischen selbst ein erfolgreicher Manager.

"So gesehen ist jedes Rennen noch genau gleich wie Lewis' erstes Rennen im Kart: 'Ich werde mein Bestes geben. Wenn ich Punkte hole, toll. Wenn ich gewinne, dann ist das ein Bonus.' So hat er das immer gesehen. Absolut erstaunlich", sagt er. "'Ich werde hart arbeiten, ich will gewinnen!' Genau so hat er jedes einzelne Rennen angelegt. Einfach phänomenal."

Dabei hat sich Anthony für Lewis eigentlich "immer nur gewünscht, dass er mal einen ordentlichen Job bekommt. Wir wünschen uns doch alle, dass unsere Kinder mal glücklich werden, es besser haben, als wir es hatten; dass sie ihr Leben genießen können und gute Menschen werden. Das war mir immer am wichtigsten."

"Alles andere, was passiert ist, war ein zusätzlicher Bonus. Ich bin extrem stolz darauf, dass er einen tollen Job hat und ein großartiger Mensch geworden ist. Diese ganzen Rekorde, die Formel 1, das ist der Bonus in unserem Leben", sagt Hamilton sen., gesteht aber gleichzeitig: "Es bedeutet mir schon viel. Und anderen hoffentlich auch."

"Ich habe früher auf die 91 Siege von Schumacher geschaut und dachte nur: 'Wow!' Aber viele wären glaube ich überrascht, wie viel man mit harter Arbeit und Hingabe erreichen kann. Sind schöne Momente", so Hamilton sen. Dabei sei Senna immer wichtiger gewesen als Schumacher: "Ayrton war der Traum. Als Imola passiert ist, waren wir gerade in Rye House. Unglaublich."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.