Ärger wegen nationalistischen Symbols auf EM-Trikot der Kroaten

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Nach großem Kampf schieden Luka Modric (rechts) und seine Kroaten gegen Spanien aus, jetzt gibt es Ärger wegen ihrer Trikots. (Bild: REUTERS/Friedemann Vogel)
Nach großem Kampf schieden Luka Modric (rechts) und seine Kroaten gegen Spanien aus, jetzt gibt es Ärger wegen ihrer Trikots. (Bild: REUTERS/Friedemann Vogel)

Nach der Ukraine hat nun auch Kroatien Ärger wegen eines problematischen Symbols auf den EM-Trikots. Ein kleines Detail im kroatischen Wappen erregt Ärger.

Kroatien schied in einem der spektakulärsten Spiele dieser EM im Achtelfinale gegen Spanien aus. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit war den Kroaten noch der Ausgleich zum 3:3 geglückt, in der Verlängerung setzten sich dann die Spanier mit 5:3 durch. Doch jetzt sprechen viele nicht mehr über dieses großartige Spiel, sondern über ein Symbol auf dem Trikot der kroatischen Spieler. Die Trikots sind bei dieser Europameisterschaft irgendwie ein Dauerthema. Aber nicht, weil sich die Sporthersteller etwa so gewagte Farbkombinationen oder neue Designs ausgedacht hätten. Stattdessen geht es um politische Äußerungen oder Symbole.

Ukraine und der Militarismus

Schon beim EM-Trikot der Ukraine hatte es nämlich fast einen Eklat gegeben. Auf den blau-gelben Nationalmannschaftsjerseys war der Satz "Ruhm der Ukraine - Den Helden Ruhm" zu lesen. Diese Anspielung auf eine militärische Bedeutung passte aber Russland nicht, das sich seit 2014 in einem bewaffneten Konflikt mit dem Land befindet. Der Ausspruch geht auf die 1930er Jahre zurück, als ihn ukrainische Nationalisten prägten, die mit der deutschen Nazi-Besatzung kollaborierten. Lange war er deshalb geächtet inzwischen wird die Formel jedoch wieder von Polizei und Militär benutzt - und eben auch von der Fußball-Nationalmannschaft. Der russische Verband beschwerte sich über die Aufschrift, die vor den Umrissen der ukrainischen Landesgrenzen zu lesen war. Schließlich einigte sich der ukrainische Fußballverband mit der Uefa auf einen Kompromiss. Der erste Teil des Satzes - "Ruhm der Ukraine" - durfte stehen bleiben, der zweite musste unkenntlich gemacht werden. Die Umrisse der Ukraine und das Wappen des Landes hingegen dürfen weiterhin als Fußball-Symbol verwendet werden. Auch darüber hatte sich Russland beschwert, denn die Umrisse beinhalten auch die annektierte Halbinsel Krim. 

Wappen des Ustaša-Regimes

Um ein symbolisches Wappen und eine belastete Geschichte geht es auch im Fall der Kroaten. Denn auf den Trikots, die sie bei allen vier Auftritten dieser EM trugen ist eine Flagge zu sehen, die an das Ustaša-Regime erinnert. Der nationalistische Geheimbund war in den 30er Jahren gegründet worden, um für ein unabhängiges Kroatien zu kämpfen und hatte sich im Zweiten Weltkrieg zu einer faschistischen Bewegung entwickelt, die an der Seite der Nationalsozialisten kämpfte. 

Die Reihenfolge der Karos entspricht der Flagge der faschistischen Ustaša und nicht der heutigen kroatischen Nationalfagge (Bild: STUART FRANKLIN / POOL / AFP)
Die Reihenfolge der Karos entspricht der Flagge der faschistischen Ustaša und nicht der heutigen kroatischen Nationalfagge (Bild: STUART FRANKLIN / POOL / AFP)

Das Ustaša-Wappen unterscheidet sich von dem kroatischen nur in einem Detail: Das Schachbrettmuster beginnt mit einem weißen Feld in der oberen linken Ecke, anstatt mit einem roten. Doch genau dieses Detail zeigten die Fahnen auf dem kroatischen EM-Trikot. Der Verband sagte lauft Medienberichten, es handele sich um einen unentdeckten "unabsichtlichen Fehler" und entschuldigte sich bei den Fans. Die Verantwortung sah der HNS bei der Herstellerfirma Sitotisak Decolor.

Kroatien und die Vergangenheit

Doch so ganz überzeugend wirken diese Unschuldsbeteuerungen des Verbandes nicht. Denn schon bei der WM 2018, bei der die Kroaten sensationell bis ins Finale kamen und Vizeweltmeister wurden, gab es Ärger um den Umgang mit der Vergangenheit. Nach dem Sieg gegen Argentinien hatten Nationalspieler ein Lied der Rechtsrock-Gruppe Thompson in der Kabine gesungen und sich dabei gefilmt. Der Song "Bojna Cavoglave" beginnt mit dem Gruß der Ustaša-Bewegung. Die Band ist für die Verherrlichung des faschistischen Regimes bekannt. Mit diesem Gruß: "Za dom – spremni!", übersetzt "Für die Heimat – bereit!" hatte schon Kapitän Josip Simunic einen Wechselgesang mit den Fans eingeleitet, als sich das Team für die WM 2014 qualifizierte. Daraufhin war der ehemalige Hoffenheimer für zehn Spiele gesperrt worden. Der aktuelle Trikot-Fauxpas zeigt, dass es mit der Vergangenheitsbewältigung im kroatischen Fußball weiterhin nicht weit her ist.

Video: Kroatien trauert nach EM-Aus gegen Spanien

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