Das Team, das keiner im Achtelfinale haben will

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Das Team, das keiner im Achtelfinale haben will
Das Team, das keiner im Achtelfinale haben will

„Das Spiel hatte von allem etwas: Platzverweise... Fußball, sehr schön.“

Während die meisten das Champions-League-Duell zwischen dem FC Porto und Atlético Madrid wohl als skandalös bezeichnen würden, war Diego Simeone angetan. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

„Ich bin seit 10 Jahren im Verein und die Mannschaft begeistert mich immer noch mehr als das, was in diesen 10 Jahren passiert ist“, schwärmte der Coach nach dem 3:1-Erfolg, der seinen Rojiblancos das Weiterkommen gesichert hat, allerdings von einer XXL-Rudelbildung und drei Platzverweisen überschattet wurde.

Madrids Mario Hermoso gab sich diplomatisch und wandte sich an die Zuschauer: „Es gibt Situationen, in denen das Spiel hitzig wurde, und wir entschuldigen uns bei den Fans, die den Fußball verfolgen.“ Doch der Abwehrspieler erklärte auch: „Manchmal ist das eben so.“

Atlético „bleibt seinem Wahnsinn treu“

Auf Seiten der Gastgeber zeigte sich selbstredend ein anderes Bild, schließlich platzte an diesem Abend der Traum vom Titel in der Königsklasse. Als Trostpflaster bleibt lediglich die Qualifikation zur Europa League. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

„Atlético hat das Spiel auf die harte Tour gespielt“, stellte Porto-Star Pepe hinterher fest und ergänzte: „Wir haben versucht, die Situation zu beruhigen, wir wollten spielen. Wir waren in diesem Moment die stärkere Mannschaft. Und Atlético hat das Chaos ausgenutzt und zwei Tore geschossen.“ Damit brachte es der 38-Jährige auf den Punkt.

Denn: Provokationen und eine gute Portion Aggressivität gehören zum Spiel der Madrilenen dazu. Gerade in Führung liegend verteidigt Atlético in der Regel beinhart und nutzt zudem jegliche Form von taktischen Fouls, um den Spielfluss des Gegners zu stören.

„Atlético Madrid bleibt seiner Methode, seinem Wahnsinn und seiner Magie treu“, schrieb die Sports Ilustrated. Diese Methode sei weder schön noch erfreulich, „aber sie ist immer wieder effektiv.“

Atlético und Porto liefern sich Skandal-Spiel

Und weiter: „In Porto bot Atlético die gewohnte Energie und Aggressivität. Der französische Schiedsrichter Clément Turpin wurde regelmäßig umringt und es gab von Anfang bis Ende Handgreiflichkeiten und Rangeleien, von Qualität war wenig zu sehen. Aber Atlético ist ein Meister in solchen Situationen.“

Und Diego Simeone ist wohl ohne Frage der Meistermacher. Der 51-Jährige nutzt die große Fußball-Bühne schon seit Jahren für Aufreger und gezielte Provokationen.

„El Cholo“, unbestritten ein erstklassiger Trainer, handelte sich für seine Ausraster schon zahlreiche Tribünenbesuche ein.

Simeone sorgt immer wieder für Aufreger

Ein Beispiel: Im spanischen Supercup 2014 gab er nach einer erneuten Verbannung aus der Coaching Zone einem Unparteiischen zweimal einen Klaps auf den Hinterkopf und wurde für acht Spiele gesperrt.

Zwei Jahre später sorgte Simeone für einen Skandal, als er gegen den FC Malaga einen Balljungen animierte, einen zweiten Ball aufs Feld zu werfen, während Malaga einen Konter lief. Das Spiel musste unterbrochen werden, die Chance verpuffte.

Als der Schiedsrichter Wind von Simeones Aktion bekam, verbannte er ihn auf die Tribüne. Der Argentinier wurde bis zum Saisonende gesperrt.

Auch mit Jürgen Klopp lieferte sich der 51-Jährige bereits einige Scharmützel. So war der deutsche Trainer nach dem 2:0-Sieg im November der festen Überzeugung, dass Atléticos Spieler mit aller Macht versucht hätten, einen Platzverweis für Sadio Mané zu provozieren.

Mit seinem emotionalen Führungsstil lehrt Simeone auch seine Spieler die Kunst der Provokation und Psychotricks. Aber nicht nur das.

Simeone lehrt Profis gesunde Härte

Auch eine gesunde Härte wird den Profis, die unter Simeone spielen, eingeimpft. „Er hat meine Aggressivität auf dem Platz gefördert und verbessert“, gab einst Bayern-Star Lucas Hernández zu, der viele Jahre für Madrid auflief. „Er hat von mir verlangt, in jedem Spiel alles zu geben“, so der Verteidiger weiter.

Oft genug hat Simeone so sein Team schon zum Erfolg geführt. In seiner zehnjährigen Amtszeit in der spanischen Hauptstadt reichte es zu zwei La-Liga-Titeln und zwei zweiten Plätzen in der Champions League.

Mit dem Sieg in Porto und dem Einzug ins CL-Achtelfinale (durch Liverpools Schützenhilfe) hat Atlético für das nächste Ausrufezeichen gesorgt, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Schließlich waren die Madrilenen vor dem finalen Spieltag noch Gruppenletzter.

Atlético Madrid „erhob sich aus der Asche“

„Mit dem Rücken zur Wand, am Abgrund, zu dem sie sich selbst verdammt hatten, erhob sich Atlético de Madrid aus der Asche, als viele sie schon für tot hielten“, schrieb die spanische Zeitung Sport.

Die as titelte auf dem Cover mit der Lehre des Abends: „Niemals den Glauben verlieren.“

Doch auch die anderen Achtelfinalisten werden eine Lehre aus Atléticos Skandal-Duell mit Porto ziehen: Gegen diese Mannschaft will man nicht unbedingt spielen.

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