Audi-Ausstieg zu kurzfristig? Berger wegen "verschärfter Situation" sauer

Sport1


DTM-Boss Gerhard Berger reagiert verschnupft auf die Art und Weise, wie Audi den DTM-Ausstieg Ende 2020 kommuniziert hat. Die kurzfristige Bekanntgabe der Ingolstädter habe "die Situation zusätzlich verschärft, und die Zukunft der DTM wird sehr stark davon abhängen, wie die Partner und Sponsoren auf diese Entscheidung reagieren", stellt der Österreicher klar.

Kein Wunder, denn nachdem im Januar 2020 bereits R-Motorsport ausgestiegen war, steht Berger nun mit BMW als einzigem Hersteller da. "Ich bedaure die Entscheidung von Audi, sich 2021 aus der DTM zurückzuziehen, außerordentlich", sagt der Österreicher.

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"Sie ist zu respektieren, auch wenn die Kurzfristigkeit, mit der diese Entscheidung mitgeteilt wurde, mich, unseren Partner BMW und alle weiteren Teams vor besondere Herausforderungen stellt. Hier hätten wir uns - gerade in Corona-Zeiten - ein Vorgehen im Sinne unserer gemeinsamen Gesellschaft gewünscht", übt er Kritik an den Entscheidungsträgern in Ingolstadt.

Berger nimmt Audi in die Pflicht

Berger, der von einem "schwierigen Tag für den Motorsport in Deutschland und Europa" spricht, erwartet sich nun von Audi "umso mehr" eine "ordnungsgemäße, verantwortungsvolle und partnerschaftliche Abwicklung des geplanten Ausstiegs."

Bis dahin gelte sein "ganzes Engagement der Rennsaison 2020", sagt Berger. "Wir möchten so schnell wie möglich Planungssicherheit für die Teams, die hunderttausende Fans, die Sponsoren und alle Mitarbeiter schaffen, deren Arbeitsplätze an der DTM hängen."

Berger hatte Audi schon im Februar im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' gebeten, der DTM-Dachorganisation ITR die nötige Zeit zum Handeln zu geben. "Sollte Audi eine negative Entscheidung treffen, dann rechne ich damit, dass sie es wie Mercedes machen und uns ordentlich Vorlaufzeit einräumen. Auch in ihrem eigenen Interesse, denn es ist ja auch ihre Plattform."

Mercedes gab DTM bei Ausstieg eineinhalb Jahre Vorlaufzeit

Mercedes hatte seinen Ausstieg mit Saisonende 2018 am 24. Juli 2017 - übrigens auch ein Montag - bekanntgegeben und der DTM damit bis zum tatsächlichen Ausstieg fast eineinhalb Jahre Zeit gegeben. Bei Audi ist der Zeitraum mit einem halben Jahr deutlich kürzer.

Dazu kommt, dass auch BMW in den nächsten Monaten sein Motorsportprogramm für die kommende Saison beschließen muss. Und wenn bis dahin kein neuer Hersteller gefunden ist - und alles andere wäre in Corona-Zeiten ein Wunder - bleibt auch den Münchnern nur noch der Ausstieg.

Auch BMW von Audi-Ausstieg "überrascht worden"

Auch bei BMW wurde laut eigenen Angaben von der Audi-Entscheidung auf dem falschen Fuß getroffen. "Wir als BMW-Group sind von dem angekündigten Audi-Ausstieg aus der DTM überrascht worden", heißt es in einem Statement aus München.

Wie die weitere Planungen aussehen, will man nun überprüfen: "Wir haben gemeinsam mit der ITR immer leidenschaftlich für die Zukunft und Weiterentwicklung der DTM gekämpft. Wir werden die Situation und mögliche Konsequenzen jetzt aus allen Blickwinkeln bewerten."

Ähnlich sieht auch der Deutsche Motor Sport Bund DMSB, der in den wichtigen ITR-Gremien als Regelhüter vertreten ist, die Lage. "Die Ankündigung von Audi, das Engagement in der DTM Ende 2020 zu beenden, trifft den deutschen Motorsport mitten in der Corona-Krise besonders hart", sagt Gerd Ennser, der nach dem Rücktritt von Präsident Hans-Joachim Stuck als Präsidiumsmitglied den DMSB vertritt.

"Gemeinsam mit unseren Partnern bei der ITR werden wir uns nun beraten, wie wir mit dieser für alle Beteiligten neuen Situation umgehen."

© Motorsport-Total.com

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