Wie ausgerechnet ein Nobody ManUnited Hoffnung verleiht

Patrick Hauser
Sport1

Marcus Rashford, Anthony Martial, Paul Pogba, dazu noch Juan Mata und Jesse Lingard: Das Offensiv-Potenzial von Manchester United ist trotz der prominenten Abgänge von Romelu Lukaku und Alexis Sánchez (beide Inter Mailand) beeindruckend.

Die interne Torschützenliste führt dennoch keiner dieser Superstars an: Mit drei Toren in vier Spielen liegt Daniel James momentan einen Treffer vor Rashford und Martial.


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Der Waliser, Neuzugang von Swansea City, hat sich in Rekordzeit einen Stammplatz auf der linken Außenbahn gesichert und bereits jetzt genauso viele Ligatore erzielt wie Millionen-Flop Sánchez während seiner gesamten United-Zeit.

"Er ist gekommen und hat seit seinem ersten Tag im Training Spuren hinterlassen", lobte Coach Ole Gunnar Solskjaer nach dem 1:1 in Southampton, zu dem James den Führungstreffer beigesteuert hatte. "Er ist ein Beispiel für jeden. Er ist unser Topscorer und das liegt an seiner Persönlichkeit und seinen Tugenden. Er ist bescheiden, arbeitet hart, und weiß, dass er sich verbessern kann." (SERVICE: Spielplan der Premier League)

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Leihe zu Shrewsbury Town floppt

Dabei verlief der Start des Talents in die Profikarriere äußerst kompliziert. Im Sommer 2017 ließ er sich zu Drittligist Shrewsbury Town ausleihen, kam dort jedoch kein einziges Mal zum Einsatz. Trainer Paul Hurst verlor die Geduld mit dem nach einer Operation nicht fitten James und schickte ihn zwei Monate später nach Swansea zurück.

Eine weitere Leihe zu Viertligist Yeovil Town kam nicht zustande, weil Swansea-Coach Graham Potter ihm empfahl, sich über die U23 anzubieten. Das gelang dem Waliser vorzüglich, vor gut einem Jahr kam der pfeilschnelle Linksaußen zu seinem ersten Einsatz für Swanseas Profis.

James etablierte sich schnell als Leistungsträger und wollte im Winter den nächsten Schritt machen - Aufstiegskandidat Leeds United mit Startrainer Marcelo Bielsa buhlte um ihn und versprach dem klammen walisischen Klub dringend benötigtes Geld.


"Swansea hat keine Anstalten gemacht, Daniel zu behalten und als sie das Geld rochen, konnten sie ihm gar nicht schnell genug die Tür zeigen", schimpfte Berater David Manaseeh. Doch der Wechsel am Deadline Day scheiterte, weil Swansea die Leihgebühr sofort und nicht erst am Ende der Saison haben wollte. (SERVICE: Tabelle der Premier League)

77-Meter-Solo im FA Cup

Der Verbleib des Nationalspielers zahlte sich letztlich jedoch sowohl für die Swans als auch für James selbst aus: Im FA Cup gegen den FC Brentford vollendete er ein 77-Meter-Solo mit einem Tor, in einem Ligaspiel gegen Stoke City provozierte er zwei Rote Karten des Gegners.

"Das war eine der besten individuellen Leistungen, die ich jemals gesehen habe", schwärmte Stokes Joe Allen hinterher. Allen kennt James vom walisischen Nationalteam, für das er bislang vier Mal (ein Tor) auflief - und wo er ebenfalls bereits Eindruck hinterließ.


"James' Geschwindigkeit erinnert mich an Usain Bolt - so schnell wie er zu sein, ist wirklich unglaublich", schwärmte Ungarns Nationaltrainer Marco Rossi im Juni, nachdem James seinem Team ein ums andere Mal entwischt war.


Am Ende der Saison standen vier Tore und neun Assists für Swansea zu Buche. Grund genug für ManUnited, 17 Millionen Euro Ablöse für das Talent zu bezahlen.

James muss Tod von Vater verarbeiten

Klublegende Ryan Giggs lobte die Red Devils schon kurz nach Bekanntgabe des für viele überraschenden Wechsels seines Landsmanns. "United-Fans werden es genießen, ihm zuzusehen", schwärmte Giggs und riet James: "Hab' Freude an der Aufgabe, sei du selbst! Dann wirst du es schaffen."

Kurz nach seinem Wechsel erlebte James jedoch einen Schicksalsschlag, im Juli verstarb der Vater des Talents. "Jeden Tag vermisse ich ihn. Es gibt Zeiten, in denen ich niedergeschlagen bin. Aber was er mir raten würde, ist, einfach weiter zu spielen und hart zu arbeiten", erklärte der Youngster daraufhin.

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Der Weg des Daniel James hält viele Hindernisse bereit, bislang meisterte der Waliser sie alle.

Für seinen Trainer Solskjaer ist der Weg des jungen Mannes noch nicht zu Ende: "Wir werden mit ihm daran arbeiten, seine Qualität noch zu erhöhen. Dann haben wir einen Top-Top-Spieler."

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