Wie in Australien: Boxenstopp-Fehler zerstört Magnussens Punkteträume

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

"Das ist nicht dein Ernst", funkte Kevin Magnussen an seinen Renningenieur nach dem verkorksten Boxenstopp der Haas-Mannschaft in der Türkei. Erneut brachte sich die US-Truppe durch einen Fehler beim Reifenwechsel um die Chance auf WM-Punkte. Am Ende musste der Däne vorzeitig aufgeben.

Magnussen lag nach einem guten Start auf Position elf, als er in Runde 35 erneut zum Stopp an die Box abbog. Zwar wollte er selbst noch länger auf der Strecke bleiben, das Team holte ihn allerdings für neue Intermediates herein. Als die Ampel dann kurz auf Grün sprang, gab Magnussen Gas.

Doch sein rechtes Vorderrad war nicht richtig befestigt. Wie konnte es dazu kommen? "Die Radmutter wurde verkantet angeschraubt. Der Kerl wollte den Schlagschrauber wechseln, weil er den Reifen mit dem ursprünglichen Schrauber nicht wieder runterbrachte", schildert Günther Steiner.

Dabei kam es jedoch zu einem Missverständnis: "Der Mann am Wagenheber dachte, alles sei okay, weil der Kerl kein Signal gab." Dadurch gab er den Wagen frei und Magnussen fuhr aus dem Standplatz. Unmittelbar danach schrie dessen Renningenieur: "Halte das Auto an!"

Magnussen konnte es kaum fassen und parkte auf dem Grünstreifen neben der Boxengassen-Ausfahrt. Seine Crew schob ihn zurück zur Haas-Garage und wechselte erneut die Reifen. Mit zwei Runden Rückstand nahm er das Rennen wieder auf.

Der Fehler erinnerte an das Malheur von Haas in Australien 2018, als beide Piloten in den Top 10 liegend nach fehlerhaften Boxenstopps ausgeschieden waren. Was wäre ohne den Fauxpas möglich gewesen? "Ich denke, wir hätten Elfter oder Zwölfter werden können", meint der Teamchef.

Steiner glaubt, dass es sehr schwierig geworden wäre für Magnussen, in die Punkte zu fahren, weil kein Topfahrer ausgeschieden ist. "Natürlich wären unsere Chancen ohne den Fehler größer gewesen. Aber es wäre dennoch sehr knapp geworden."

Magnussen selbst wollte das Rennen gar nicht mehr zu Ende fahren. "Die Schwierigkeit war, dass er nichts sehen konnte, weil seine Rückspiegel so dreckig waren. Er hatte keine Sicht auf sein Heck", erklärt der Teamchef. Da sein Pilot allerdings auf viele blaue Flaggen achten musste, erschwerte das seine Arbeit umso mehr.

Rund zwölf Runden vor Rennende habe Magnussen angemerkt, dass er das Rennen aufgeben möchte. Das wäre jedoch falsch gewesen, glaubt Steiner. "In so einem Rennen weißt du nie, ob vorne noch etwas passiert. Dann könntest du dich plötzlich zurückrunden. Daher ist das eine schwierige Entscheidung."

Denn hätte Haas Magnussen an die Box geholt und danach wäre noch etwas passiert, hätte man "dumm" ausgesehen. Zwar seien die Chancen sehr gering gewesen, aber man könne doch nicht einfach aufgeben, findet Steiner.

"Für ihn war das natürlich frustrierend, aber wir haben danach mit ihm gesprochen und ihm die Situation erklärt." Hätte das Team womöglich mit Slicks am Ende noch etwas riskieren können? "Nein, das wollten wir nicht, weil es zu riskant war. Ich bin nicht sicher, ob das funktioniert hätte."

Haas wollte nicht noch einen Fehler machen, gibt Steiner zu. "Wir haben schon genug falsch gemacht im Rennen, daher wollten wir nicht noch einen Fehler machen. Kevin ist die Zeiten der anderen gefahren auf den Inters, daher wollten wir nichts Verrücktes machen." Denn auf den Slicks hätte Magnussen seine zwei Runden Rückstand auch nicht aufholen können, glaubt der Südtiroler.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.