"Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht"

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"Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht"
"Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht"

Liebe Fußball-Fans,

die EM neigt sich dem Ende entgegen und vor uns liegt bloß noch ein einziges Spiel.

Aber was heißt "ein einziges Spiel"? Es ist die Krönung, das Finale, die Partie, auf die wir alle sehnsüchtig gewartet haben.

Der EM Doppelpass mit Uli Hoeneß, Stefan Effenberg und Mario Basler am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Italien gegen England - so lautet die Paarung also, nachdem das Team von Gareth Southgate am Mittwoch die tapferen Dänen ausgeschaltet hat. Ohne Frage: Der Sieg war verdient, England war die bessere Mannschaft und hat seine Leidensfähigkeit unter Beweis gestellt.

Und dennoch habe ich mich wahnsinnig geärgert. Worüber? Natürlich über diesen unsäglichen Elfmeter, der niemals hätte gegeben werden dürfen. Es war eine klare Fehlentscheidung, Raheem Sterling ist auch in der Premier League dafür bekannt, leicht abzuheben. Das hat er nun wieder gezeigt.

Durch so eine Entscheidung ins Finale zu kommen, hat ein Gschmäckle, das können die Engländer nicht abstreiten - es wird der Sache und dem ganzen Spiel nicht gerecht.

Harry Kane und Co. wird es trotzdem herzlich egal sein. Sie stehen als erstes englisches Team seit 55 Jahren in einem Endspiel - verrückt! Dass der schwierigste Schritt zur Unsterblichkeit aber noch vor ihnen liegt, sollte allen bewusst sein. (Spielplan & Ergebnisse der EM 2021)

Denn den Engländern gegenüber steht eine Mannschaft, die an Geschlossenheit und Willen vermutlich nicht zu schlagen ist. Was Italien bei diesem Turnier aufbietet, lässt jeden Gegner erzittern.

Das mussten zuletzt die Spanier schmerzlich erfahren. Obwohl sie den Italienern im Halbfinale einen wahren Fight lieferten und über große Strecken die bessere Mannschaft waren, zogen sie am Ende den Kürzeren.

Tatsächlich verloren sie die Partie kurz vor dem Elfmeterschießen, als Italiens Giorgio Chiellini sich einige Späße mit Jordi Alba erlaubte. Wie er mit ihm sprach und umging - das war das Zeichen: Wir gewinnen heute, an uns führt kein Weg vorbei. Und so kam es dann auch.

Chiellini der Beste

Überhaupt ist Chiellini für mich der wichtigste italienische Spieler. Im Verbund mit Leonardo Bonucci eine undurchdringliche Mauer, physisch wie psychisch. Was José Mourinho zuletzt über die beiden sagte: Dass sie in Harvard über das Verteidigen unterrichten könnten - das kann ich nur unterschreiben.

Jetzt sind es die Engländer, die einen Weg zwischen ihnen hindurch finden müssen. Obwohl ich das leichte Abheben von Sterling gegen Dänemark scharf kritisiere, muss ich doch sagen, dass genau er es ist, auf dem die Hoffnungen fürs Finale ruhen. Mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit könnte er die italienischen Ketten sprengen.

Falls England dieses Endspiel tatsächlich gewinnt, bricht die Nation vor Freude auseinander. Die Menschen dürsten nach einem Erfolg, warten seit endlosen 55 Jahren und haben - ähnlich wie die Mannschaft - ihre Leidensfähigkeit immer wieder bewiesen. Ich würde es dem Land und seinen Menschen gönnen - nicht zuletzt, weil ich ja selbst lange dort gelebt und gespielt habe.

Der Druck ist brutal. Du darfst so ein Finale nicht verlieren, schon gar nicht zu Hause in Wembley. Als Spieler musst du dir vorstellen, wie du die Trophäe in den Himmel reckst, und dann alles dafür tun, dass es wahr wird.

Ich sage es ganz offen: So ein Finale zu verlieren, ist scheiße.

1996 keine Sekunde gezweifelt

Als ich 1996 als junger Spieler bei der EM dabei sein durfte, habe ich keine Sekunde an unserem Sieg gezweifelt, ich war komplett unbekümmert. Erst später wurde mir bewusst, wie knapp das alles war. Und wie sehr eine Niederlage wehtut, habe ich dann auch in anderen Finals erfahren.

Gerade deshalb fiebere ich auch ein bisschen mit Southgate mit. Ich weiß, wie groß sein Schmerz 1996 war, als er gegen uns im Halbfinale den Elfmeter verschossen hat. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.

Jetzt also wieder Wembley für ihn, diesmal im Finale. Und vielleicht, ja vielleicht ist er es, der am Ende jubelt.

Ich auf jeden Fall werde mir die Partie sehr genau anschauen - und vorher noch mit Campino über den Ausgang fachsimpeln.

Bis zum nächsten Spiel
Euer Markus Babbel

Markus Babbel ist Europameister von 1996. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Verteidiger 51 Länderspiele und erzielte ein Tor. Mit dem FC Bayern wurde er dreimal Deutscher Meister (1997, 1999, 2000), zweimal DFB- (1998, 2000) und einmal UEFA-Pokalsieger (1996). Die "Schale" holte er ebenfalls mit dem VfB Stuttgart (2007) - beim FC Liverpool sprang 2001 sein zweiter UEFA-Pokalsieg heraus. Für SPORT1 schreibt Babbel Kolumnen über die EM.

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