Bahrain 2009: Das Formel-1-Rennen, das Toyota hätte gewinnen müssen

Adam Cooper
motorsport.com

Als Toyota am Ende der Saison 2009 aus der Formel 1 ausstieg, hatte man in acht Jahren in der Königsklasse eine Menge Geld ausgegeben - aber nie ein Rennen gewonnen. Hätte womöglich ein Sieg gereicht, um den Ausstieg der Japaner zu verhindern? Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, aber wenn es ein Rennen gab, das Toyota hätte gewinnen müssen, dann war es der Große Preis von Bahrain 2009.

Rückblick: Toyota gehörte zu Beginn der Saison 2009 eigentlich zu den großen Gewinnern. Das Team hatte, ebenso wie der spätere Weltmeister Brawn, auf das Konzept des Doppeldiffusors gesetzt. Somit hatte man einen klaren Vorteil gegenüber den etablierten Spitzenteams wie Ferrari und McLaren, die ohne den überlegenen Doppeldiffusor unterwegs waren.

Schon in den ersten drei Saisonrennen war Toyota immer vorne dabei gewesen und hatte unter anderem zwei Podestplätze geholt. In Bahrain holten Jarno Trulli und Timo Glock die Startplätze eins und zwei. Besser konnte die Ausgangsposition also nicht sein. Am Sonntag sprangen aber nur die Plätze drei und sieben heraus. Wie konnte das Rennen so in die Hose gehen?

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Im Qualifying hatten sich Jarno Trulli und Timo Glock P1 und P2 gesichert

Im Qualifying hatten sich Jarno Trulli und Timo Glock P1 und P2 gesichert <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Im Qualifying hatten sich Jarno Trulli und Timo Glock P1 und P2 gesichert Motorsport Images

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Bereits 2005 hatte Toyota - noch zu Michelin-Zeiten - zwei Pole-Positions geholt. Einmal durch Trulli beim berüchtigten Indianapolis-Rennen, an dem er nie teilnehmen sollte, und in Suzuka durch Ralf Schumacher im Regen. Bahrain 2009 war somit die erste echte Pole-Position. Damals musste noch vor dem Qualifying für das Rennen getankt werden, und Toyota war mit etwas weniger Sprit als die Gegner unterwegs.

Das half natürlich in der Qualifikation, doch die Zahlen deuteten an, dass Trulli auch gewichtsbereinigt der schnellste Mann war. Hinter den Toyotas lauerten Sebastian Vettel (Red Bull), Sieger des vorherigen Rennens in China, und Jenson Button (Brawn), der die ersten beiden Saisonläufe gewonnen hatte. Der später Weltmeister hatte im Qualifying mit zu hohen Motorentemperaturen zu kämpfen gehabt.

Ein Fehler kostet das ganze Rennen

Beim Start ging Glock an Trulli vorbei, Button sortierte sich dahinter ein, nachdem er kurzzeitig hinter Hamilton lag. Das war wichtig für den Briten, der im Verkehr sonst womöglich erneut Probleme mit der Temperatur seines Mercedes-Motors bekommen hätte. Eine Folge des kurzfristigen Wechsels auf Antriebe aus Brixworth im Winter. Ursprünglich hätte im Heck des Boliden ein Honda-Motor stecken sollen.

Button lag nach elf Runden drei Sekunden hinter Glock - hatte allerdings Sprit für vier Runden mehr als der Deutsche und drei mehr als Trulli an Bord. Beim ersten Stopp unterlief Toyota der entscheidende Fehler. Man schickte beide Piloten auf den härteren Reifen wieder auf die Strecke. Dadurch verloren sie in den Runden, in denen Button freie Fahrt hatte, zu viel Zeit.

Mit seinem dritten Platz war Trulli am Ende überhaupt nicht zufrieden

Mit seinem dritten Platz war Trulli am Ende überhaupt nicht zufrieden <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Mit seinem dritten Platz war Trulli am Ende überhaupt nicht zufrieden Motorsport Images

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Als Button nach seinem Stopp in Runde 15 wieder auf die Strecke ging, lag er vor den Toyotas. "Ich dachte, dass sie drei Stopps einlegen würden", erklärte er später. "Sie sagten am Freitag und Samstag, dass sie Probleme mit der Temperatur und dem Verschleiß der Bremsen haben. Ich dachte, dass sie [den härten Reifen] aufziehen und nach zwölf Runden wieder auf weich wechseln würden. Aber das war nicht so."

Tatsächlich plante Toyota ursprünglich drei Stopps. Weil man aber Angst hatte, nach dem ersten Stopp im Verkehr festzustecken, entschied man sich für eine konventionellere Zweistoppstrategie. Der Plan, im zweiten Stint die harten Reifen zu verwenden, ging allerdings nicht auf. Pascal Vasselon von Toyota sagte nach dem Rennen, dass man "sehr, sehr nah" dran war, die Dreistoppstrategie umzusetzen.

"Wir hätten dieses Rennen gewinnen sollen"

"Es wäre eine gute Strategie gewesen", ist er sich sicher. Doch man habe Angst vor Verkehr gehabt und sei deswegen zur "Back-up-Strategie" gewechselt. Vasselon gesteht: "Der harte Reifen war Mitte des Rennens viel schlechter als erwartet. Wir hatten erwartet, dass er Mitte des Rennens besser als am Ende sein würde - aber das Gegenteil war der Fall." Damit waren Toyotas Hoffnungen dahin.

Gegen Rennende war Trulli auf den weichen Reifen noch einmal schneller unterwegs als Button und Vettel, der da ebenfalls schon an ihm vorbeigegangen war. Doch er kam nicht mehr am Red Bull vorbei. "Unter den gegebenen Umständen hat er das Beste herausgeholt", so Vasselon. Noch schlimmer lief es für Glock, dem im Ziel mehr als 40 Sekunden auf Sieger Button fehlten.

Besonders bitter für Toyota: Trulli kam bei seinem ersten Stopp eine Runde zu früh rein. Er hätte Sprit für zwei Runden mehr als Glock haben sollen, kam aber bereits eine Runde nach seinem Teamkollegen zum Service. Das klingt nicht nach viel, doch es hätte das komplette Rennen verändern können. "Wir hatten erwartet, dass Jarno eine Runde später stoppen würde", wunderte sich selbst Vasselon nach dem Rennen.

Diese eine Runde hätte deshalb einen großen Unterschied machen können, weil das Team dann eine Runde mehr Zeit gehabt hätte, um zu realisieren, dass die härteren Reifen bei Glock nicht funktionierten. So hätte man umplanen und Trulli auf die weiche Mischung setzen können. "Wir hätten dieses Rennen gewinnen sollen. Wir hatten die Möglichkeiten, deswegen sind wir enttäuscht", so Vasselon.

Der Sieg, der nie mehr kommen sollte ...

Toyota hatte einen Fehler gemacht, doch das Positive war, dass der erste Sieg eigentlich nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. Heute wissen wir, dass er nie kommen sollte. Bis zum Ende des Jahres holte man keine Pole-Position mehr, und als Glock und Trulli in Singapur respektive Japan noch zwei zweite Plätze holten, war das Schicksal des Teams bereits besiegelt.

"Ehrlich gesagt hatten wir alle mehr von dieser Saison erwartet", sagte Trulli am Ende des Jahres. "Besonders nach so einem guten Start hatte ich mehr Fortschritte vom Team erwartet. Das Problem ist, dass es eine seltsame Saison für alle war - nicht nur für uns", so der Italiener. "Manchmal warst du konkurrenzfähig und manchmal nicht - ohne den Grund dafür zu kennen."

"Wir starteten sehr gut und holten in Bahrain die erste Reihe für Toyota. In Monaco standen wir dann ganz hinten. Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht erklären", so Trulli, für den Toyota zu Beginn des Jahres "grundsätzlich das zweitschnellste Auto" hatte. "Man kann darüber streiten, dass wir in Bahrain um den Sieg hätten kämpfen können. Aber letztendlich muss man alles richtig machen, um zu gewinnen."

Die Frage, ob ein Sieg in Bahrain das Schicksal von Toyotas Formel-1-Projekt verändert hätte, wird sich rückblickend betrachtet nicht mehr klären lassen. Möglicherweise hätte man sich wegen der Finanzkrise so oder so aus der Königsklasse zurückgezogen. Letztendlich war das Rennen nur ein weiterer Schritt für Button und Brawn Richtung WM-Titel - und für Toyota eine weitere Enttäuschung.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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