Der Balljunge, der Guardiolas Herzensprojekt wurde

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 4 Min.

Wenn bei einem Menschen tatsächlich hellblaues Blut durch die Adern fließt, dann bei Phil Foden.

"Als ich mein erstes City-Spiel gesehen habe, da war ich sechs Jahre alt. Es war gegen Sunderland im Jahr 2007", erinnerte er sich kürzlich bei Goal: "Ich ging mit den Spielern auf das Feld, Ireland traf. Es ist meine erste Erinnerung."

Wenn Foden als kleiner Junge gerade nicht mit seinen Vorbildern auf den Rasen ging, dann kickte er in der Vorstadt von Manchester. Er wurde im Vorort Stockport geboren und schloss sich im Alter von vier Jahren der Jugendakademie der Citizens an.

Auch als City im Jahr 2012 die englische Meisterschaft gewann, war Foden mittendrin: "Ich war hinter dem Tor und sah, wie Agüero den Ball ins Tor schoss. Meine Mutter und ich sind auf das Spielfeld gesprungen. Ich werde es nie vergessen."

Gut acht Jahr später spielt Kun Agüero noch immer bei City - und Foden, der den Argentinier über Jahre hinweg als Vorbild betrachtet hat - ist sein Teamkollege.

Phil Foden feiert Durchbruch bei Manchester City

Beim 4:1-Sieg gegen den FC Liverpool am vergangenen Sonntag stand Foden 90 Minuten lang als Mittelstürmer auf dem Rasen der Anfield Road. Agüero war nicht im Kader. Der 32-Jährige spielt derzeit kaum eine Rolle und hatte zuletzt mit Verletzungen und dem Coronavirus zu kämpfen.

Seinen Platz hat nur unter anderem Foden eingenommen, der aber auch auf vielen anderen Positionen spielen kann. Zunächst war der 20-Jährige im zentralen Mittelfeld zu Hause, außerdem wird er von Pep Guardiola auch immer wieder auf den Flügeln eingesetzt.

Bei den Reds gelang Foden ein "Geniestreich", wie es Liverpools Coach Jürgen Klopp nach dem Abpfiff ausdrückte. Er legte Ilkay Gündogan mit dem Außenrist-Pass das zwischenzeitliche 2:1 auf und leitete damit den Sieg seinen Herzensklubs ein - der einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft bedeutete.

In seiner Spielweise erinnert er ein wenig an David Silva - Fodens zweitem großen Vorbild neben Agüero. "Von ihm habe ich am meisten gelernt, wie er sich in den kleinen Räumen bewegt, wie er den Ball annimmt und hält", sagte Foden. Zu Saisonbeginn verließ Silva Manchester nach zehn Jahren bei den Skyblues. Nun ist Foden an der Reihe.

In dieser Saison hat Foden in 28 Pflichtspielen neun Tore erzielt und sechs weitere Treffer vorgelegt. Keine Frage, dem ehemaligen Balljungen ist der endgültige Durchbruch gelungen.

Guardiola gerät bei Foden ins Schwärmen

Kein Wunder also, dass sein Coach nach dem Erfolg in Liverpool ins Schwärmen geriet.

"Die City-Fans haben einen Jungen, der aus der Akademie kommt, der diesen Verein liebt und mit ihm aufgewachsen ist. Er war ein Balljunge und jetzt ist er ein Spitzenspieler. Es ist eine Freude", sagte Guardiola und bewies damit einmal mehr, dass er eine Schwäche für Foden hat.

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Im Dezember 2017 hatte er dem Wunderkind - das in England schon seit Jugendjahren als riesiges Talent gilt - zum Premier-League-Debüt verholfen. Das Interesse der Fans war da schon riesig.

Immer wenn Foden fortan nicht spielte, waren viele von ihnen enttäuscht - und oftmals auch der Trainer selbst. Mehrmals entschuldigte er sich dafür, den Hoffnungsträger nicht einzusetzen. "Ich fühle mich schuldig, er verdient es zu spielen", sagte der Spanier einmal. Es besteht kein Zweifel daran, dass die beiden eine besondere Verbindung haben.

Foden selbst blieb ruhig, als er nicht spielte. Sowieso fällt er nicht durch großspurige Wortbeiträge oder aufmerksamkeitsheischende Äußerungen auf. Er ist am Boden geblieben und zu Teilen immer noch der kleine Balljunge von früher.

Er wolle sich "weiter verbessern" und "immer mehr lernen", sagt er oft. Nur einmal fiel Foden - der mittlerweile auch englischer Nationalspieler ist - negativ auf. Bei einer Reise mit den Three Lions im September 2020, als er mit Teamkollege Mason Greenwood verbotenerweise zwei Damen ins Mannschaftshotel eingeladen hatte.

Foden entschuldigte sich danach artig. Vielleicht ist die Aktion als jugendlicher Fehltritt zu bewerten - seitdem ließ sich der junge Kicker auf jeden Fall nichts mehr zu Schulden kommen.

"Er ist Manchester City"

Seit 2019 ist der Youngster bereits Vater eines Sohnes namens Ronnie. In Manchester ist er so fest verwurzelt, wie es eben schon immer der Fall war. Kaum vorstellbar, dass er zu einem anderen Klub in einer anderen Stadt wechselt.

Dieses Szenario würde der Klub wohl auch gar nicht zulassen - und auch nicht Guardiola.

In dem Buch "Pep's City: The Making of a Superteam" formulierte Guardiola schon vor einiger Zeit ein regelrechtes Foden-Manifest. "Er ist der einzige Spieler, der unter gar keinen Umständen verkauft werden darf", wird er darin zitiert: "Nicht einmal für 500 Millionen Euro. Phil geht nirgendwohin. Er ist Manchester City."