Warum Setién der "geborene Barca-Trainer" ist

Stefan Junold
Sport1

Langfristige Lösung oder Platzhalter für den eigentlichen Wunschkandidaten? Enrique "Quique" Setién Solar nimmt seine Arbeit als neuer Cheftrainer des FC Barcelona mit einem Unsicherheitsfaktor auf.

Auf den ersten Blick wirkt die Situation klar: Barca wollte ursprünglich Xavi oder Ronald Koeman als Nachfolger für den entlassenen Ernesto Valverde verpflichten, beide Vereinsikonen sagten jedoch ab und blieben ihren aktuellen Arbeitgebern (Al-Sadd bzw. niederländische Nationalmannschaft) treu.

Deshalb wählte der spanische Vorzeigeklub aus Katalonien eine in Deutschland unbekannte Alternative. Der seit Sommer 2019 vereinslose Setién erhält einen Vertrag bis 2022 und soll das Starensemble zurück in die Erfolgsspur führen.

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Klausel im Vertrag von Setién wirft Fragen auf

Ein Vertrag über zweieinhalb Jahre klingt danach, als würden Präsident Josep Maria Bartomeu und sein Stab dem 61-Jährigen vollstes Vertrauen entgegenbringen. Wäre da nicht diese angebliche Klausel.

Einem Bericht der über den Vorzeigeklub der Stadt gut informierten Zeitung Sport aus Barcelona zu Folge haben beide Seiten nach jeder Saison die Möglichkeit, den Vertrag aufzulösen. Sollte es diesen Zusatz tatsächlich geben, hieße das: Barca kann - sollte etwa Xavi nach Saisonende verfügbar sein - Setién ohne Weiteres in die Wüste schicken.


Unter diesen Voraussetzungen könnte man vorschnell urteilen, dass Setiéns Engagement bei der Blaugrana von Anfang an zum Scheitern verdammt ist. Zumal der Mann aus dem nordspanischen Santander, der bis Sommer 2019 die Profis von Betis Sevilla unter seinen Fittichen hatte, in seiner Karriere noch keine Top-Mannschaft trainiert hat.

Großer Verehrer von Cruyff

Doch andererseits scheint kaum ein anderer Coach so gut zum großen FC Barcelona zu passen wie Setién. "Er ist der geborene Barca-Trainer", schreibt die Mundo Deportivo. Der passionierte Schachspieler - er nahm es schon mit den ehemaligen Weltmeister Anatoli Karpov und Gary Kasparov auf - gilt als riesiger Bewunderer von Johan Cruyff.


Als er sein Idol einst in seiner Zeit als Profi bei Racing Santander traf, "habe ich ihm gesagt, dass ich einen kleinen Finger dafür gegeben hätte, in seinem Barca-Team zu spielen", berichtete Setién einmal.

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Seine Vergötterung geht sogar so weit, dass er bei allen seinen Stationen so ähnlich spielen ließ, wie es die niederländische Legende dem FC Barcelona Anfang der 90er Jahre einimpfte. Der Stil, den Setién seinen Teams auferlegt, ist geprägt von Ballbesitz, Kontrolle, Attraktivität und Pressing.

"Ich verdanke alles, was ich als Trainer bin, der Tatsache, dass ich gegen Barca hinter dem Ball hergelaufen bin. Ich habe viele Dinge kopiert", erklärte der als ebenso risikofreudig wie polemisch geltende Akribiker.

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Letzte Heimniederlage von Barca gegen Betis

In Spanien halten Experten sehr viel von Setiéns Trainerfähigkeiten. Bereits 2018, als "El Maestro" Betis zum vierten Platz und damit zum besten Resultat der Vereinsgeschichte führte, soll Barca Interesse an ihm angemeldet haben.

Den Eindruck verstärkt haben dürfte auch Setiéns Leistung, Barca mit Sevilla im November 2018 die bis heute letzte Heimpleite zugefügt zu haben. Ein 4:3 erkämpften sich die Grün-Weißen damals.


Nicht einmal Lionel Messi, den Setién schon des Öfteren als besten Spieler aller Zeiten bezeichnet hat, konnte die bittere Niederlage verhindern. Messi nun selbst zu trainieren, lässt einen Traum von Setién in Erfüllung gehen.

Nach Vereinen wie Santander, Polideportivo Ejido, der Nationalmannschaft Äquatorialguineas, die er wegen eines Missverständnisses im Jahr 2006 nur für ein Spiel coachte, CD Logrones, CD Lugo, UD Las Palmas und Betis Sevilla ist der FC Barcelona nun ein ganz anderes Kaliber.

Wie lange Setién diese Ehre zuteil wird, ist erst einmal offen.

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