Basketball-WM: Marc Gasol: Der Sommer seines Lebens

SPOX
Spanien steht erstmals seit 2006 wieder in einem WM-Finale. Die Iberer setzten sich gegen Australien im Halbfinale von Peking erst nach zweifacher Verlängerung durch. Überragend war dabei Marc Gasol, der bereits im Sommer mit den Toronto Raptors in der NBA den Titel gewann und nun ein historisches Double anpeilt.
Spanien steht erstmals seit 2006 wieder in einem WM-Finale. Die Iberer setzten sich gegen Australien im Halbfinale von Peking erst nach zweifacher Verlängerung durch. Überragend war dabei Marc Gasol, der bereits im Sommer mit den Toronto Raptors in der NBA den Titel gewann und nun ein historisches Double anpeilt.

Spanien steht erstmals seit 2006 wieder in einem WM-Finale. Die Iberer setzten sich gegen Australien im Halbfinale von Peking erst nach zweifacher Verlängerung durch. Überragend war dabei Marc Gasol, der bereits im Sommer mit den Toronto Raptors in der NBA den Titel gewann und nun ein historisches Double anpeilt.

Als Marc Gasol das Podium zur Pressekonferenz bestieg, wirkte er müde und ausgelaugt. Mit leiser Stimme sprach er zu den zahlreich erschienenen Journalisten im geräumigen Presseraum. Nur nicht zu viel Energie verschwenden, davon hatte er in den Stunden zuvor ohnehin viel gelassen, am Sonntag wird er sie noch ein letztes Mal brauchen.

Dann wird Spanien erstmals seit 2006 wieder im Endspiel um einen WM-Titel stehen und versuchen, den damaligen Sieg zu wiederholen. Der Weg dorthin entpuppte sich vor allem am Freitagnachmittag Ortszeit in Peking zu einem echten Kraftakt. Es brauchte zwei Verlängerungen, ein Comeback von acht Punkten Rückstand im vierten Viertel und insgesamt 33 Zähler von Gasol, um die starken Australier letztlich niederzuringen.

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Fast drei Viertel lang sprach noch nicht viel für einen iberischen Sieg, hatten die Boomers doch die spanische Offensive bestens im Griff. Nur 35 Prozent ihrer Würfe traf das Team von Head Coach Sergio Scariolo in den ersten 30 Minuten, bevor Spanien Anpassungen an der Offense vornahm und fast jeden Angriff über Gasol laufen ließ.

Marc Gasol alsspanischer Go-to-Guy

Es war eine Rolle, die der Center so aus der NBA gar nicht mehr kennt. Bei den Toronto Raptors war zwar weiterhin Gasols enormer Basketball-IQ und die hervorragende Defense gefragt, doch eine erste Option war der Spanier beim Championship-Lauf der Kanadier nicht, diese Aufgabe hatte (völlig zurecht) Kawhi Leonard inne.

Bei der Nationalmannschaft sind die Verhältnisse etwas anders und so liefen die Spanier im vierten Viertel jede Menge Pick'n'Pop, fanden ihren Center im Post oder nutzten Gasols hervorragende Übersicht und Spielmacher-Qualitäten, um den Ball in Bewegung zu bringen. All das brachte die bis dahin grundsoliden Australier ein wenig aus dem Konzept, wobei die Boomers auch selbst kaum mehr etwas trafen und Verschleißerscheinungen zeigten.

Davon war beim 35-jährigen Gasol dagegen nichts zu sehen. Der Veteran legte in den letzten 20 Minuten des Spiels, also inklusive der doppelten Verlängerung, satte 22 Zähler auf und traf obendrein 4,4 Sekunden vor dem Ende der ersten OT zwei Freiwürfe, wodurch die Partie noch einmal um fünf Minuten verlängert wurde. Erst dann bewiesen die Spanier endgültig den längeren Atem und sicherten sich ihr Final-Ticket.

Gasol: Erst NBA-Championship, nun WM-Titel?

"Es war nicht einfach für mich, dass ich dieses Jahr bei der Nationalmannschaft dabei bin", erklärte Gasol und verwies noch einmal auf seine bis tief in den Juni dauernde Saison mit den Raptors. "Es hat sich aber schon jetzt voll ausgezahlt." Die Chance auf das historische NBA-Weltmeister-Double ist nun greifbar nah.

Für Gasol würde sich mit einem weiteren WM-Titel ein Kreis schließen. Neben Rudy Fernandez ist der Big Man der einzig verbliebende Spieler aus dem Kader von 2006, auch wenn Marc damals nur gut 12 Minuten pro Spiel eingesetzt wurde und noch ein Kilos mehr auf den Rippen hatte. Mit dem 21-jährigen Marc hat die aktuelle Version von Gasol ohnehin nicht mehr viel zu tun.

Das sah auch Kobe Bryant, der neben zahlreichen anderen Ex-Stars wie Manu Ginobili, Chris Bosh oder auch Stephon Marbury im Publikum saß, ganz ähnlich. "Ich bin sehr stolz, wenn ich sehe, was Marc Gasol in seiner Karriere, in seinem Leben erreicht hat und wie er gewachsen ist", lobte die Black Mamba den Bruder seines früheren Mitspielers Pau auf einer eigenen PK, die Bryant als globaler Botschafter der WM in Peking gab.

Das letzte Hurra der Gasol-Ära?

Ein Spanien ohne einen Gasol scheint ohnehin undenkbar zu sein. 2006 wurde Pau MVP, nun liegt es an Marc zusammen mit Ricky Rubio und Sergio Llull, die Spanier ins gelobte Land zu führen. "Es ist unsere Aufgabe, den Staffelstab mit einem weiteren Titel an die nächste Generation weiterzugeben", fand Gasol für die Bedeutung des Endspiels pathosgeschwängerte Worte.

Teile der kommenden Generation sind zum Beispiel mit den Hernangomez-Brüdern Juancho und Willy bereits im Kader, doch gegen Argentinien wird vielleicht zum letzten Mal bei einer WM noch einmal ein Gasol im Mittelpunkt stehen, es könnte eines seiner letzten Spiele auf der allergrößten internationalen Bühne sein.

Ganz so weit wollte Gasol dann nach dem Spiel gegen die Boomers aber doch nicht blicken. "Wir beschäftigen uns ab sofort nur mit Sonntag", mahnte Gasol. "Das wird echt hart. Argentinien ist groß, besitzt Erfahrung und jede Menge gute Spieler. Wenn dieses Spiel vorbei ist, dann werde ich mich mit meiner Zukunft beschäftigen."

Wie Gasol schon sagte, der Sommer mit dem Nationalteam, der den Center fast zwei Monate seiner Freizeit kostete, hat sich schon jetzt gelohnt, trotz aller Müdigkeit. Statt Rollenspieler in der NBA zu sein, trägt er nun bei dieser WM Spanien - am Sonntag werden wir sehen, ob er es über die Ziellinie schafft.

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