Basketball-WM: Scola: Wer hat Angst vorm grauen Wolf?

SPOX
Luis Scola ist nun seit fast zwei Jahrzehnten Teil der argentinischen Nationalmannschaft. Der 39-Jährige erlebt bei der WM in China seinen x-ten Frühling und greift mit den Gauchos nach Edelmetall. Im Halbfinale (ab 14 Uhr im LIVETICKER ) geht es nun für den früheren NBA-Profi gegen Frankreich um den Einzug ins Endspiel und die endgültige Krönung seiner Karriere.
Luis Scola ist nun seit fast zwei Jahrzehnten Teil der argentinischen Nationalmannschaft. Der 39-Jährige erlebt bei der WM in China seinen x-ten Frühling und greift mit den Gauchos nach Edelmetall. Im Halbfinale (ab 14 Uhr im LIVETICKER ) geht es nun für den früheren NBA-Profi gegen Frankreich um den Einzug ins Endspiel und die endgültige Krönung seiner Karriere.

Luis Scola ist nun seit fast zwei Jahrzehnten Teil der argentinischen Nationalmannschaft. Der 39-Jährige erlebt bei der WM in China seinen x-ten Frühling und greift mit den Gauchos nach Edelmetall. Im Halbfinale (ab 14 Uhr im LIVETICKER) geht es nun für den früheren NBA-Profi gegen Frankreich um den Einzug ins Endspiel und die endgültige Krönung seiner Karriere.

Es ist dieser Tage ungewohnt, Luis Scola zu sehen. Seit zwei Jahren hat der argentinische Methusalem nun schon die NBA verlassen, um in China bei den Shanghai Sharks, fernab des gemeinen Basketball-Fans, dem nachzugehen, was er am besten kann. Basketball spielen, im Post mit leicht eckigen Moves seine Gegenspieler vernaschen und butterweiche Jumper zu versenken.

39 Jahre ist Scola inzwischen alt. Die bekannte lange, schwarze Mähne hat er gegen einen militärischen Kurzhaarschnitt eingetauscht, bei dem es an nicht wenigen Stellen grau schimmert. Scola ist das letzte Relikt einer Generation, welche den Gauchos im ersten Jahrzehnt nach dem Millennium so viel Freude bereitete. Golden war sie, diese Ära, als Scola zusammen mit Manu Ginobili, Fabrico Oberto und Andres Nocioni bei der WM 2002 in den USA Silber und zwei Jahre später bei Olympia in Athen sogar die Goldmedaille gewann.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Musik in den Ohren der argentinischen Basketball-Fans. Sie alle haben ihre Karrieren beendet, nur Scola ist noch da und ist somit das Verbindungsstück für die neue Generation um die Zaubermaus Facundo Campazzo oder ACB-MVP Nicolas Laprovittola. Als Scola seine erste Weltmeisterschaft bestritt und mit den Gauchos im WM-Finale gegen Jugoslawien nach Verlängerung verlor, war Laprovittola gerade einmal zwölf Jahre alt.

Luis Scola: Nur zwei Jahre jünger als Dirk Nowitzki

Nun gelang indirekt die Revanche. Argentinien schlug im Viertelfinale der WM den Nachfolge-Staat Serbien, die vor dem Turnier deutlich höher eingestuft wurden und auch als haushoher Favorit in das Spiel gingen. Auch 17 Jahre später gehörte Scola eine wichtige Rolle, er war sogar mit 20 Punkten der Topscorer der Südamerikaner.

Es war kein Zufall, schon das komplette Turnier performte der Big Man als sei die Zeit vor zehn Jahren stehengeblieben. Im Schnitt legt der langjährige NBA-Spieler 17,8 Punkte und 7,3 Rebounds auf. Zur Erinnerung: Dieser Veteran ist gerade einmal zwei Jahre jünger als Dirk Nowitzki und spielt bereits seine fünfte Weltmeisterschaft, keiner war häufiger dabei.

Um dafür bereit zu sein, trainierte Scola über Monate hart für seinen Traum. Die Saison der Sharks war vorzeitig bereits Mitte März beendet, sodass sich Scola während der langen Pause so gut es ging fit hielt. "Für mich ist das mehr als ein Spiel. Ich liebe es, mein Land auf dieser Bühne vertreten zu dürfen", gab Scola nach der Partie gegen Nigeria an, nachdem er auf Platz zwei der besten Scorer bei Weltmeisterschaften geklettert war. Nur die brasilianische Legende Oscar Schmidt thront noch über Scola.

Die Statistiken von Luis Scola in der NBA

Team

Saisons

Spiele/Miuten

Punkte

Rebounds

Assists

FG%

Rockets

5

386/30,2

14,5

7,7

1,9

51,0

Pacers

2

163/18,8

8,5

5,6

1,1

46,8

Suns

1

82/26,6

12,8

6,6

2,2

47,2

Raptors

1

76/21,5

8,7

4,7

0,9

45,0

Nets

1

35/12,8

5,1

3,9

1

47,0

Scola und Campazzo schocken Serbien

Diesen wird der Gaucho aber nicht mehr knacken können, es dürfte Scola aber auch herzlich egal sein. Vielmehr fehlt dem hochdekorierten Big auf internationaler Ebene nur noch ein Titel, nämlich der bei einer Weltmeisterschaft. Von diesem Ziel sind die Argentinier nur noch zwei Spiele entfernt, dem überraschenden Sieg gegen Serbien sei Dank.

Die Südamerikaner präsentierten sich dabei wie zu besten Zeiten. Extrem bissig in der Verteidigung, immer an der Grenze des Erlaubten, dazu kreativ in der Offense. Vor allem Campazzo brillierte als Spielmacher und sezierte die serbische Defense nach Belieben. Im Schlussabschnitt, als sich Argentinien entscheidend absetzte, traf er zusammen mit Scola die wichtigen Würfe. Zusammen erzielte das Duo 19 der 29 argentinischen Punkte im vierten Viertel.

Serbien kann eigenem Druck nicht standhalten

Trotz dieser dominanten Vorstellung der beiden Stars war es letztlich eine geschlossene Teamleistung - im Gegensatz zu den individuell besser besetzen Serben. "Wir haben uns zu sehr auf unsere Qualität verlassen", haderte Serbiens Coach Sasa Djordjevic. "Wir waren heute kein Team, das hat sich gerächt."

Auf der anderen Seite zerbrachen die Serben auch am enormen Druck, den sie sich selbst auferlegten und auch von Medien sowie Fans zu spüren bekamen. Durch die vielen Absagen bei Team USA witterte der Balkan-Staat seine Chance, nach drei zweiten Plätzen in Folge sollte es endlich für die Orlovi klappen. "Wir waren mental nicht darauf vorbereitet", gab ein niedergeschlagener Nemanja Bjelica an

"Vor allem ich habe richtig schlecht gespielt, ich übernehme die volle Verantwortung", so der Forward der Sacramento Kings weiter, der zwar 18 Punkte erzielte, aber nur 5/17 Würfe aus dem Feld traf. "Argentinien hat es verdient, dieses Spiel zu gewinnen."

Luis Scola glaubt nicht an Wunder

Von einer Überraschung wollte im argentinischen Lager ohnehin niemand sprechen, allen voran Scola selbst: "Es ärgert mich, dass die Leute über ein Wunder, eine Überraschung sprechen. Wir sind 22 Leute, die seit zwei Monaten daran glauben, dass wir nun an dieser Stelle sein können. Das ist kein Wunder, wir sind einfach ein gutes Basketball-Team. Wir verdienen es, hier zu stehen und ich akzeptiere keine Fragen über Wunder."

Ganz unrecht mag Scola nicht haben, Argentinien hat schlicht und einfach ein gutes Team, auch ohne NBA-Spieler, dafür aber gespickt mit zahlreichen Spanien-Legionären. Im Halbfinale wartet nun aber der nächste Härtetest auf die zähen Gauchos. Frankreich, das sich in einem packenden Viertelfinale gegen Team USA durchsetzte, dürfte mit seiner Athletik ein extrem undankbares Matchup sein.

Im argentinischen Lager hätte man lieber gegen die USA gespielt, wie Luca Vildoza andeutete. "Leider ist es Frankreich geworden. Wir wissen, dass sie offensiv stark sind und sehr physisch verteidigen", analysierte der Guard von Baskonia. Letztlich wird es den Gauchos egal sein. Argentinien besitzt eine historische Chance, erstmals seit 1950 wieder einen WM-Titel zu gewinnen.

Es wäre nicht nur für das Team, sondern vor allem für Luis Scola die ultimative Krönung einer einzigartigen Karriere, die wohl nach diesem Turnier noch immer nicht beendet ist. Olympia 2020 steht schon vor der Tür und der Oldie schloss während der WM nicht aus, dass er auch da noch einmal mit dabei sein wird. Dann mit noch ein paar grauen Haaren mehr.

Mehr bei SPOX: Historisch schlecht! Nächste Pleite für USA | Kommentar zum WM-Aus von Team USA: Was wollt ihr eigentlich sein?

Lesen Sie auch