Wie ein bayerischer Teenie die Weitsprung-Elite blamiert

Johannes Fischer
·Lesedauer: 4 Min.
Wie ein bayerischer Teenie die Weitsprung-Elite blamiert
Wie ein bayerischer Teenie die Weitsprung-Elite blamiert

Als Simon Batz auf die Anzeigetafel sah, konnte er sein Glück kaum fassen.

7,73 Meter wurden angezeigt - damit hatte er nicht nur seine Bestmarke um zehn Zentimeter verbessert, sondern wurde bei der Hallen-DM in Dortmund vor einem Monat sensationell Zweiter hinter Maximilian Entholzner (7,85 Meter).

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"Dass alles so super funktionieren würde, damit habe ich nicht gerechnet", sagt Batz nun bei SPORT1. "Ich bin ohne Erwartungen in den Wettkampf gegangen und wollte nur unter die besten Acht. Dass ich Vize-Meister geworden bin, ist das Allerhöchste."

Das Besondere an Batz' Leistung ist aber weniger die Weite an sich, sondern vielmehr die Umstände, die zu ihr führten. Mit 18 Jahren ist der Athlet, der für die Sportfreunde Essing in Niederbayern startet, noch am Anfang seiner Karriere - und das buchstäblich.

Das Erstaunliche ist nämlich, dass Batz den Weitsprung unter professionellen Bedingungen erst seit wenigen Monaten betreibt. "So richtig mit Trainingsplan haben wir erst seit diesem Winter angefangen", erzählt der Teenager. "Erst dann ging es langsam in die Richtung mit fünf Trainingseinheiten pro Woche."

Simon Batz: Früher gab's nur Fußball

Bis ins Alter von 16 Jahren tat er das, was die meisten seiner Kumpels taten: Er kickte für seinen Heimatverein in Offendorf und machte sich keine Gedanken über Spikes, Anlauf und Weitsprunggrube. "Früher gab's für mich nur Fußball, bis ich vor zweieinhalb Jahren zur Leichtathletik gewechselt bin", verrät er.

Dass ihm eine außerordentliche Begabung in die Wiege gelegt wurde, habe er als Kind beim Springen zwar festgestellt, doch auf die Idee, schon früher Richtung Leichtathletik abzubiegen, sei er nicht gekommen - und bereut dies auch heute nicht.

"Viele Leichtathleten, die früher begonnen haben, haben die Lust mit 18 Jahren verloren", sagt der hochaufgeschossene Schüler. "Das ist bei mir überhaupt nicht so, ich lerne immer noch viel Neues und es macht mir einen Riesenspaß."

Einen Wendepunkt in seiner Karriere stellte der Wechsel nach Essing zu seinen jetzigen Trainern Jörg Nowy und Günter Bachhuber im Herbst 2018 dar. Die beiden erfahrenen Coaches erkannten das große Talent von Batz, obwohl sein Sprungstil damals noch alles andere als ausgereift war.

Rasante Steigerungen in kurzer Zeit

Mit 6,60 Meter war der Jungspund noch weit von der nationalen Spitze weg, doch das neue Trainerduo sorgte schnell für atemberaubende Steigerungen. "Als ich zu meinem jetzigen Verein gewechselt bin, ist es schnell nach oben gegangen", erzählt er.

In der Tat explodierten eine Leistungen innerhalb kurzer Zeit förmlich. Im Sommer 2020 sprang Batz bereits konstant Weiten zwischen 7,30 und 7,40 Meter und bestätigte damit die Vorhersage seiner Coaches.

"Nach dem ersten halben Jahr Training hätte ich eine Steigerung auf 7,50 Meter innerhalb von zwei Jahren für realistisch eingeschätzt", erklärt Nowy bei SPORT1. "Dass er jetzt bei 7,73 Meter steht ist natürlich um so erfreulicher."

Für Nowy, der in seiner Trainerkarriere bislang vornehmlich mit Hochspringern zu tun hatte, sind die Anlagen seines Schützlings Neuland. "Ich muss ganz klar sagen, dass ich einen solchen Athleten mit diesen Leistungsschüben noch nicht hatte", schwärmt er. "Das Talent von Simon war sofort erkennbar. Schon bei den ersten Lauf- und Sprungübungen war mir klar, dass er ein großes Potential in der Leichtathletik hat."

Die Entwicklung bei Batz steckt noch immer in den Kinderschuhen - vor allem in Sachen Schnelligkeit. "Ich bin als Weitspringer relativ langsam, von meiner Weite her wahrscheinlich sogar mit Abstand der langsamste der Konkurrenz", erklärt Batz. "Allerdings kann ich dank meiner Größe den Sprung relativ gut umsetzen."

Olympiamedaille "erstmal nur ein Traum"

Doch bevor mittelfristig an seine Anlaufgeschwindigkeit gearbeitet wird, hat beim Oberbayern etwas ganz anderes Priorität: seine Reifeprüfung

"Tokio spielt keine Rolle in meinem Kopf", schmettert er die Frage nach Olympia im Sommer ab. "Ich schreibe dieses Jahr mein Abitur, deswegen mache ich erst einmal die Schule fertig und steige erst später in die Sommersaison ein. Mein Ziel sind die Jugend-EM und -WM."

Und auch für die Zeit danach soll es weiter Schritt für Schritt gehen, wie Nowy erklärt. "Wir wollen den Athleten nicht verheizen und damit sein Potential gefährden. Simon muss auch den Willen und die Motivation haben, wovon ich überzeugt bin dass er die auch hat, dann kann er noch viel erreichen."

Das nächstes Ziel des Überfliegers: "Die 8 vorm Komma habe ich mir in den nächsten ein, zwei Jahren vorgenommen" - eine Olympiamedaille sei dagegen erstmal nur ein Traum. "Das kann man vielleicht erst in ein paar Jahren beantworten."

Man darf gespannt sein, in welche Dimensionen Simon Batz künftig springen wird. Wenn man den Sensations-Zweiten von Dortmund künftig öfter jubeln sieht, sollte man aber nicht allzu überrascht sein.