Bayern die Besten der Welt - warum ist RB dann Erster?

Alex Steudel
·Lesedauer: 2 Min.

Ich habe mich diese Woche amüsiert.

Ich meine nicht die Spiele FC Bayern gegen Atlético (4:0) oder Lazio gegen Dortmund (3:1), die habe ich nur am Rande beachtet; war ja klar, wie sie ausgehen würden.

Nein, mich begeistert RB Leipzig. Und ja, vielleicht sogar aus Trotz.

Viele Fußball-Fundamentalisten finden Leipzig doof. Sie begründen das damit, dass das ein fieser Plastikinvestorenklub sei. Also nicht so natürlich gewachsen und rührend menschlich geführt wie Schalke oder der HSV oder Kaiserslautern, wo sie vor lauter Tradition kaum rechnen können.

Das Magazin 11Freunde verweigerte sogar die Berichterstattung über RB. Muss man sich mal vorstellen. Manche Menschen vergessen, dass Fundamentalismus im Sport nichts zu suchen hat. Deshalb habe ich mich besonders über das 3:0 der Leipziger gegen Basaksehir gefreut, den Lieblingsklub eines wahren Fundamentalisten: Erdogan.

Ich schätze zwei Eigenschaften der Leipziger noch viel mehr: dass sie a) geilen Fußball spielen und b) vernünftig wirtschaften.

Ja, richtig gehört.

RB Leipzig wirtschaftet sparweltmeisterlich

Ausgerechnet der vielgescholtene Investorenklub wirtschaftet nämlich neuerdings sparweltmeisterlich.

Wenn es nach Preis-Leistungs-Verhältnis ginge, müssten wir den Sachsen den Champions-League-Pott kampflos überlassen. Es ist einfach beeindruckend, wie geschickt Sportdirektor Markus Krösche und Trainer Julian Nagelsmann Spieler kaufen und dann entwickeln.

Nehmen wir die Elf, die am Dienstag gegen die Türken antrat: Sie kostete in der Anschaffung 99,5 Millionen Euro Ablöse. Der FC Bayern zahlte alleine für Lucas Hernandez 80 Millionen. Die ganze Startelf der Münchner gegen Madrid kostete schlappe 275 Millionen an Ablösen.

Leipzig machte im Coronakrisen-Transfersommer alles richtig und erwirtschaftete 23 Mio. Euro Transferüberschuss. Bayern machte trotz Coronadauergejammer 40 Mio. Euro Miese.

Okay, die Bayern sind ein ansonsten solide geführter Klub, und es gibt im In- und Ausland eine ganze Menge anderer Kaliber. Der Traditionsklub Manchester United zum Beispiel, der am Dienstag 2:1 in Paris gewann und gleich darauf einräumen musste, dass sich die Schulden auf jetzt 524,8 Mio. Euro angehäuft haben.

Ah, jetzt verstehe ich. So funktioniert also Tradition, elf Freunde der Sonne!

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FC Bayern die beste Mannschaft der Welt?

Trotzdem reden heute wieder alle über die Top-Spiele des Bundesliga-Wochenendes: Bayern-Frankfurt und BVB-Schalke. Warum eigentlich? Leute, lasst uns lieber über Leipzig gegen Hertha reden!

Ich denke nämlich, dass Geheimfavorit Leipzig chronisch unterschätzt wird. Ich freue mich auf einen unfassbar spannenden Zweikampf in der Bundesliga.

Apropos: Viele Leute haben diese Woche gesagt, der FC Bayern habe die beste Mannschaft der Welt - aber warum ist dann Leipzig Tabellenführer?