Warum Bayern auch in Europa den großen Wurf schaffen kann

Franziska Wendler
·Lesedauer: 4 Min.
Warum Bayern auch in Europa den großen Wurf schaffen kann
Warum Bayern auch in Europa den großen Wurf schaffen kann

Diese Partie hatte es in sich.

Am Freitagabend traten die Basketballer des FC Bayern gegen einen der größten Titelkandidat in der EuroLeague an – und die Münchner schlugen Anadolu Efes Istanbul! Aber nicht irgendwie, sondern in beeindruckender Manier.

"Ich bin extrem stolz auf uns alle", jubelte Nationalspieler Paul Zipser nach Spielende am MagentaSport-Mikrofon: "Wir haben bewiesen, dass wir in die Playoffs gehören. Alle großen Mannschaften legen in der Endphase der Saison noch einmal zwei, drei Schippen drauf, und das haben wir getan."

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Doch was war passiert? Beim Duell gegen den türkischen Topklub hatten die Münchner zwischenzeitlich bereits mit 15 Punkten in Rückstand gelegen, am Ende stand ein 80:79-Sieg.

Bayern holen Rückstand auf

Elf Sekunden vor dem Schlusspfiff führte Istanbul mit einem Punkt. Nach einem Foul an Bayern-Forward Vladimir Lucic beim Dreier verwandelte der Flügelspieler nervenstark zwei seiner drei Versuche. Den anschließenden letzten Versuch der Gäste durch Ex-Nowitzki-Kollege Shane Larkin konnte Bayerns James Gist blocken und damit den hauchdünnen Sieg sichern.

"When they tell you that you have no chance, then it becomes your only chance", twitterte Geschäftsführer Marko Pesic nach der Partie begeistert und fügte seiner Botschaft die Hashtags #immerweiter und #niemalsaufgeben hinzu.

Mit dem Erfolg gegen Istanbul ist dem FC Bayern aber nicht nur einer der größten Erfolge der Klubgeschichte gelungen, die Chancen auf den historischen Playoff-Einzug wurde noch einmal verbessert.

Erstes deutsches Team in den Playoffs?

Bislang ist es noch keiner deutschen Mannschaft gelungen, in die Playoffs der europäischen Königsklasse einzuziehen, doch das könnte sich ändern. Mit einer Bilanz von 19 Siegen und elf Niederlagen rangiert Bayern in der Tabelle aktuell auf Rang fünf und hat sich ein klein wenig von den Verfolgern absetzen können. Die besten acht Teams qualifizieren sich für die Postseason. (Die Tabelle der EuroLeague)

Doch warum sind die Münchner gerade in dieser Saison derart in Fahrt?

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"Wir haben an unserer Mentalität gearbeitet, schon in der Vorbereitung. Das war der Schlüssel", erläuterte Führungsspieler Lucic: "Das oberste Ziel war es, dass wir wirklich in jedem Spiel an die Grenzen gehen. Das haben wir bislang gut umgesetzt. Dass wir so viele enge Spiele gewonnen haben, vor allem auswärts, hat uns zusätzlich Selbstvertrauen gegeben."

In der EuroLeague sind die Münchner schon zehnmal zurückgekommen, teils nach zweistelligen Rückständen. Und auch die Chemie im Team stimmt.

Chemie im Team stimmt

"Ich habe früh gespürt, dass das eine ganz tolle Truppe ist. Die Energie, der Zusammenhalt – das ist schon sehr cool. Das ist etwas Spezielles, was wir und der Verein auf die Beine gestellt haben. Wir produzieren sehr viele Highlights, vorne wie hinten, weil wir einfach athletisch und schnell sind. Wir haben eine Menge Spaß, nicht nur auf dem Spielfeld. Da haben sich Leute gefunden, die zusammenpassen", erklärte Paul Zipser kürzlich im SPORT1-Interview.

Und auch wenn Basketball eine Mannschaftssportart ist, ragen in dieser Saison doch einzelne Spieler heraus. Wie der Serbe Lucic. "Er steht für alles, was uns auszeichnet in dieser Saison: Niemals aufgeben, auch mal ins Risiko gehen, kämpfen bis zum Schluss", lobte Pesic.

Als Entdeckung der Saison darf derweil getrost Wade Baldwin bezeichnet werden. Selten hat man in der BBL wohl einen spektakuläreren Spielmacher gesehen. Und dabei war seine Verpflichtung im vergangenen Sommer durchaus mit einem großen Risiko behaftet. In der NBA konnte er sich weder bei den Grizzlies noch bei den Trail Blazers durchsetzen, in München liefert er dagegen sein bestes Jahr. Mit mehr als 22 Punkten im Schnitt gehört er zu den Topscorern der Königsklasse.

Trinchieri bringt Team Vertrauen entgegen

Vater des Erfolges ist vor allem sein Cheftrainer Andrea Trinchieri. Der Italiener fördert und fordert, ist leidenschaftlich und bringt seiner Mannschaft vor allem eines entgegen – Vertrauen.

"Die Spieler wissen immer, dass es konstruktive Kritik ist. Dass es Andrea immer darum geht, sie am Ende besser zu machen. Dadurch ist es möglich, dass wir als Mannschaft insgesamt auf einem Niveau spielen, das viele vorher so nicht erwarten haben", ist sich Geschäftsführer Pesic sicher.

Der FC Bayern ist in dieser Saison nicht nur auf dem besten Weg, als erstes deutsches Team die Playoffs zu erreichen - dank starker Leistungen liegt sogar der Titel im Bereich des Möglichen. (Ergebnisse und Spielplan der EuroLeague)

Den perspektivisch wichtigsten Erfolg haben die Münchner aber bereits errungen. Der Vorstand der ECA hat dem Team grünes Licht für die Aufnahme in den Kreis der dauerhaften EuroLeague-Teilnehmer gegeben.

Nach Jahren mit einer Wildcard bedeutet dies Planungssicherheit – und eine vermehrte Beteiligung an den Vermarktungseinnahmen. Für eine Mannschaft wie die Bayern Basketballer, die kein Geld der Fußball-Abteilung annehmen würde, vor allem auch finanziell ein wichtiger Schritt.