Bayern München gegen Real Madrid in der Taktikanalyse: Schwerer Gang für die schwarze Bestie

In der Allianz Arena steigt ein legendäres europäisches Duell (Photo by Jeff Zelevansky/Getty Images)

Es ist eine der größten Rivalitäten im internationalen Fußball: Bayern – Real. Wo liegen die Chancen, wo die Schwächen der Münchner im Duell mit dem Rekordgewinner der Champions League? Ein  analytischer Vorbericht.

Von Nico Stankewitz

Natürlich ist dieses Spiel ein echter europäischer Klassiker, vielleicht das prickelndste mögliche Duell in der Champions League überhaupt. Und natürlich meint jeder schon alles zu wissen über das Spiel der Spiele. Hier treffen nicht nur zwei große Namen aufeinander, sondern auch zwei Riesenclubs, die ihre Personalpolitik mit sehr ruhiger Hand betreiben und die seit Jahren eingespielten Formationen nur punktuell verändern. Insofern kennen beide Teams sich sehr, sehr gut und es wird auch wenig Überraschungen in den Startformationen geben. Für Real ist Bayern der Angstgegner, die „bestia negra“ und in der heimischen Allianz-Arena werden die Bayern einiges tun müssen, um diesen Ruf zu bestätigen.

Die taktische Ausrichtung: Altbewährtes gegen Altbewährtes

Real wird im klassischen 4-3-3 spielen und vor allem auf blitzschnelle Konterangriffe über die Außenbahnen setzen, wo sie mit Gareth Bale und Cristiano Ronaldo ihre gefährlichsten Waffen haben. Bayern setzt auf das in allen großen Spielen immer angewendete 4-2-3-1 mit Thiago in der zentralen Position in der Dreierreihe. Falls Lewandowski aufgrund seiner Schulterprellung ausfallen sollte, wird wohl Thomas Müller in die Mannschaft kommen – was zwar keinen Systemwechsel beinhalten würde, wohl aber die Spielweise verändert, weil Müller kein Mittelstürmer ist, der in Strafraumnähe lauert, sondern in der Offensive überall auftaucht. Das wäre für die Münchner Offensive ein Riesennachteil, weil man mit Lewandowski die Problemzone in der zentralen Abwehr mit dem zwar unheimlich dynamischen und wuchtigen, aber nicht sehr beweglichen Ramos und dem unerfahrenen Nacho viel besser „bespielen“ könnte.

Robert Lewandowski bleibt das große Fragezeichen bei den Bayern. Kann er spielen?

Innenverteidiger-Ersatz Nacho der Schwachpunkt?

Hauptbaustelle bei Real ist die Innenverteidigung vor allem deshalb, weil mit Varane die Stammbesetzung neben Sergio Ramos ebenso ausfällt wie sein etatmäßiger Vertreter Pepe. So kommt mit Nacho der etatmäßig vierte Innenverteidiger zu seiner ganz großen Bewährungsprobe. Der 27-Jährige Defensivallrounder hat in sechs Jahren bei Real nur 75 Partien bestritten und ist nur eine Notlösung für ein so bedeutendes Spiel. Nacho zeigt sich zwar in dieser Saison stark verbessert, aber oft trifft man auch in Spanien nicht auf Gegenspieler wie Lewandowski. Hier – wie im gesamten Defensivverbund – liegt natürlich die Schwachstelle der Spanier. Thiagos Präzisionspässe in die Schnittstellen könnten Real empfindlich treffen, gerade über die halbrechte Angriffsseite, wo der offensivstarke Marcelo nicht immer konsequent einrückt.

Die Flügelduelle als Chance und Risiko

Viel wird für beide Mannschaften davon abhängen, welches der Flügelpaare besser nach hinten arbeitet: Robben/Ribery oder Bale/Cristiano? Beide Flügelpaare sind nicht unbedingt für aufopferungsvolle Defensivarbeit bekannt. Überall gibt es exzellent eingespielte Paare mit den entsprechenden Außenverteidigern, die ebenfalls alle Weltklasse sind. Allerdings scheint Bayern etwas stärker und stabiler zu sein. So ist Lahm/Robben über rechts auch im fortgeschrittenen Fußballalter noch ein fantastisches Duo auf der rechten Seite. Nur dürfen auch diese zwei sich in der Vorwärtsbewegung keine Ballverluste erlauben, sonst kommt… Christiano Ronaldo – und dem sollte man bekanntlich nicht allzu viel Platz auf dem Spielfeld gönnen. Aber dieses Risiko gilt für beide Mannschaften auf beiden Flügeln, da sind höchstklassige Duelle zu erwarten. Dieses Spiel ist weit besser besetzt als jedes WM-Finale.

Thiago spielt eine absolut überragende Saison für die Bayern

Schlacht ums Zentrum

In der Zentrale wird Casemiro robust versuchen, die Kreise von Thiago Alcantara einzuengen, der die bisher stärkste Saison seiner Karriere spielt. Unterstützt wird der Brasilianer von den beiden Passmaschinen Toni Kroos und Luka Modric, während auf der anderen Seite mit Xabi Alonso ein ähnlich veranlagter Ballverteiler wartet, der aber mit dem chilenischen Krieger Arturo Vidal ein oft nahe an der Grenze des Erlaubten fightenden Partner hat. Hier wird es nicht nur endlose Passstaffetten zu sehen geben, sondern auch viele zum Teil harte Zweikämpfe zweier sehr ähnlich veranlagter Mannschaften. Insgesamt sorgen diese Ähnlichkeiten – auch Ancelotti und Zidane kennen sich ja sehr gut – für ein Spiel, wo es vermutlich auf Nuancen ankommen wird. Die Entscheidung, wer weiterkommt, wird sicherlich erst im Bernabeu fallen.

Superwaffe Standardsituationen

Real gilt als weltbeste Mannschaft für Standardsituationen, über die Torquoten von Ramos wäre mancher Offensivspieler glücklich – und Toni Kroos hat eine überragende Qualität bei Zuspielen durch Ecken und Freistöße. Neben Ramos sind auch Ronaldo und Benzema wichtige Abnehmer für Kroos – die auch gerne so einlaufen, dass es für die Abwehrspieler fast nicht zu verteidigen ist – weil man erst im allerletzten Augenblick feststellt, wen Kroos mit seinen Zentimetergenauen Vorlagen erreicht. Man darf gespannt sein, was sich Ancelotti dagegen einfallen lässt, denn Bayern hat in der Defensive nur zwei überdurchschnittliche Kopfballspieler mit Boateng und Martinez – neben der Kontergefahr über außen droht hier die größte Gefahr – Standards in Strafraumnähe sollten unbedingt vermieden werden, zumal neben Kroos auch insbesondere Cristiano Ronaldo, Marcelo und Bale jederzeit in der Lage sind, ein direktes Freistoßtor zu schießen.

Voraussichtliche Aufstellungen:
Bayern München (4-2-3-1): Neuer – Lahm, Martinez, Boateng, Alaba – Alonso Vidal – Robben, Thiago, Ribery – Lewandowski

Real Madrid (4-3-3): Navas – Carvajal, Ramos, Nacho, Marcelo – Casemiro, Modric, Kroos – Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo.


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