Bayern-Stars erklären: So schafft man hier den Durchbruch

Florian Plettenberg
Sport1

Was haben Sinan Kurt, Takashi Usami, Breno, Mitchell Weiser, Gianluca Gaudino, Pierre-Emile Hojbjerg und Mehmet Ekici gemeinsam?

Sie alle schlossen sich in jungen Jahren dem FC Bayern an, galten als hochtalentiert, wurden als Super-Talente bezeichnet und hochgejubelt – den Durchbruch in München schaffte aber niemand von ihnen.

Auch in Bayerns Wintertrainingslager in Doha/Katar fanden sich viele Spieler wieder, denen ähnliche Vorschusslorbeeren nachgesagt werden.

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Aber was braucht es, um sich bei einem Weltverein wie dem FC Bayern wirklich durchzusetzen? Was zeichnete zuletzt einen David Alaba aus, was zuvor einen Thomas Müller? SPORT1 hörte sich bei den Bayern-Stars um!

Flick: "Gesamtpaket muss stimmen"

Es sei "vieles" was man mitbringen müsse, erklärt Cheftrainer Hansi Flick im Gespräch mit SPORT1: "Talent, Mentalität und Einstellung. Das Gesamtpaket muss stimmen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit schon groß, dass es klappt. Man braucht aber auch ein Quäntchen Glück. Unsere Jungs machen es wirklich super gut. Ich bin echt zufrieden mit ihnen."

Flick spricht die jungen Wilden an, welchen er, auch in Abstimmung mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic, im Wüstenstaat eine Chance gab, sich zu zeigen: Den Torhütern Christian Früchtl (19) und Ron-Torben Hoffmann (20), den Defensiven Lars-Lukas Mai (19), Bright Arrey-Mbi (16) und Chris Richards (19), den Offensiv-Kräften Leon Dajaku (18), Sarpreet Singh (20), Oliver Batista-Meier (18) und Joshua Zirkzee (18). Aber auch Michael Cuisance (20), Fiete Arp (20) und Alphonso Davies (19), die ihre Bundesliga-Tauglichkeit zwar schon nachgewiesen, aber noch nicht langfristig bestätigt haben.

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Sie alle mussten zudem einsehen, dass es noch viel Zeit braucht, um sich ganz oben zu behaupten. Die 2:5-Testspielpleite beim 1. FC Nürnberg etwa zeigte das deutlich, wenngleich sie alle eine anstrengende Doha-Woche in den Knochen hatten. Eine Erkenntnis, die sie aber nicht aufhalten, sondern der Bayern-Karriere näherbringen soll.

Joshua Kimmich, der mit 24 Jahren schon 197 Pflichtspiele für die Bayern, sowie 48 Länderspiele absolviert hat, sagt bei SPORT1: "Neben Wille und Biss braucht man auch sehr viel Selbstvertrauen, gerade bei Bayern München. Wenn du da im Training bist, merkt man schon, dass es ein anderes Niveau ist. Trotzdem muss man versuchen, sich da reinzufighten. Wenn du dann mal einen auf den Latz bekommst, musst du weiter Gas geben."

Kimmich selbst profitierte einst von Förderer Pep Guardiola, sagt daher: "Man braucht auch das Glück, dass ein Trainer irgendwann auf dich setzt. Sei es wegen der eigenen Qualität, oder, weil es viele Verletzte gibt. Dann muss man aber auch Leistung bringen."

Coutinho als Vorbild

Was bei den aktuellen Bayern-Talenten auffällt: Spieler wie Mai, Arrey-Mbi, Davies oder Richards bestechen schon jetzt mit einer unglaublichen Physis. Cuisance, Arp und Hoffmann sind körperlich schon sehr weit. Die Techniker Singh, Batista-Meier und Dajaku wirken dagegen noch fast zierlich.

In Doha fiel ebenso auf, wie groß mitunter noch der Unterschied zu Profis wie Müller oder Alaba ist, die in jedem Training und in jeder Spielform an ihr Maximum gehen - und sei es nur verbal. Unterschiede liegen auch in den Details: Cuisance, dem manchmal der Biss fehlt, brilliert auf engstem Raum und ist stark im ersten Kontakt. Arp hat oft Probleme mit dem ersten Kontakt, spielt dann unsauber, wirft sich aber umso mehr in Zweikämpfe, wenn er den Ball verliert.


Kimmich erinnert sich an die Zeit unter Guardiola zurück: "Als ich damals herkam, hat bei jedem der erste Kontakt gesessen. Wenn du dann einen unsauberen Ersten hattest, hattest du keine Chance. Bevor du schauen konntest wer frei ist, war der Ball schon weg. Daran musste ich mich schnell gewöhnen."

Der Defensiv-Allrounder weiter: "Wir hatten damals viele Positionsspiele. Pep hat extrem Wert auf den ersten Kontakt gelegt und dass du den Ball mit dem richtigen Fuß annimmst. Dann merkt man erst, dass da was fehlt, wenn man nicht von einem Topklub kommt."

Dass es in einer Karriere nicht immer nur steil nach oben geht, gehört ebenfalls zum Reifeprozess dazu. Arp galt in Hamburg als Wunderkind, die Erwartungen stiegen, die Leistungen blieben aus. Cuisance wurde bei seinem Abgang aus Mönchengladbach verspottet. Davies tat sich anfangs in München schwer.

Philippe Coutinho sagt zu SPORT1: "Man muss an sich selbst glauben und immer positiv denken." In Doha stand er mit den FCB-Talenten auf dem Platz, für viele ist er ein Vorbild. Sein Eindruck: "Wir haben viele junge Spieler mit viel Qualität. Jeder von ihnen genießt es, im Trainingslager dabei zu sein."


Neuer: Umwege sind keine Schande

Manuel Neuer, auch das war in Doha zu beobachten, suchte im richtigen Moment immer wieder den Kontakt zu den jungen Spielern, wies sie beruhigend auf Fehler hin, korrigierte und lobte.

SPORT1 fragte ihn nach seinem Tipp, wie man den Bayern-Durchbruch schafft: "Man braucht den Ehrgeiz und die Motivation, besser werden zu wollen. Man muss auch in jedes Training mit offenen Augen gehen und schauen, wie es die erfahrenen Spieler machen, wie sie sich verhalten und wo ich was lernen kann. Das sind Voraussetzungen, um sich weiterzuentwickeln", so der 33-Jährige.

Ebenso stellt Neuer klar, dass es keine Schande ist, Umwege einzuschlagen. Alaba und Serge Gnabry ließen sich von den Bayern einst nach Hoffenheim verleihen, um Spielpraxis zu sammeln. Philipp Lahm nach Stuttgart. Geschadet hat es bekanntlich niemandem. "Manche sind vielleicht keine Frühstarter, kommen ein bisschen später oder müssen ein paar Umwege gehen, um in die Spitze zu kommen", sagt Neuer.

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Flick indes gibt zu bedenken, dass die Gründe, warum es so viele Talente doch nicht schaffen, nicht immer nur bei ihnen liegt. "Ich bin davon überzeugt, dass in der Ausbildung viele Dinge nicht ganz so gut laufen", so der 54-Jährige.

Zur Ausbildung ihrer Talente setzen die Bayern auch auf erzieherische Maßnahmen. In Doha etwa durften die Youngster, wenn überhaupt, nur bei angemeldeten Terminen mit den Medienvertretern sprechen. Ablenkung soll vermieden werden auf dem Weg zu ihrem Durchbruch.

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